Was kann Deutschland von Norwegen lernen, Herr Skaarnaes?

Axel Skaarnaes TV Großwallstadt

U23-Nationalspieler Axel Skaarnæs hat sich in seiner Premierensaison beim TVG sofort als Leistungsträger etabliert. Foto: TV Großwallstadt

86 Tore und Platz fünf im ligaweiten Kreisläufer-Ranking: Axel Skaarnaes ist beim TV Großwallstadt längst mehr als nur ein Versprechen für die Zukunft. Der 21-jährige norwegische U23-Nationalspieler blickt auf Unterschiede zwischen Deutschland und Norwegen und bewertet die aktuelle Situation des TVG.

Viel Positives lässt sich aus der 30:38-Niederlage des TV Großwallstadt bei HBW Balingen-Weilstetten nicht ziehen. Zu viele Strafzeiten brachten Großwallstadt früh aus dem Rhythmus, Ballverluste luden Balingen zu einfachen Toren ein und defensiv fehlte über weite Strecken die Stabilität: Es gibt viel zu besprechen im Lager des sechsfachen deutschen Meisters. Immerhin offensiv setzte Großwallstadt einige Akzente. Maximilian Horner verwandelte sieben von neun Würfen, Ben Connar Battermann stand bei sieben von elf. Bester Werfer war allerdings der norwegische Kreisläufer Axel Skaarnaes, der neun seiner zehn Abschlüsse versenkte.

Der 21-Jährige steht mit 86 Toren ligaweit auf Rang fünf, was die Torausbeute von Kreisläufern betrifft. Besonders beachtlich ist seine bereits vorhandene körperliche Präsenz. „Dahinter stecken sehr viele Stunden im Kraftraum“, verrät uns der Norweger. „In den letzten paar Jahren in Norwegen habe ich niemals weniger Krafttraining gemacht, wenn es eine anstrengende Woche mit vielen Spielen war. Ich habe immer sehr hartes Krafttraining gemacht neben dem Handball. Das mache ich immer noch so.“

Voneinander lernen

Ohnehin: In Norwegen werde ein großer Fokus auf das Krafttraining gelegt. Die entsprechenden Trainingsprogramme seien sehr professionell. Dies sei zwar in Deutschland auch der Fall, dennoch könne Deutschland in diesem Bereich von Norwegen aus seiner Sicht noch „ein bisschen lernen“. Dies findet übrigens auch Martin Berger, der Nachwuchskoordinator der Rhein-Neckar-Löwen, der im Gespräch mit „Logbuch Sport“ Skandinavien ebenfalls als Vorbild thematisierte.

Andererseits können sich die Skandinavier auch von Deutschland etwas abschauen, betont Skaarnaes. Er hat beobachtet, dass die A-Jugend-Spieler in Deutschland in der ersten Mannschaft mittrainieren und danach noch ins A-Jugend-Training gehen. „Das war früher noch nicht so, aber die Spieler in Norwegen sind heute ein bisschen zu vorsichtig“, meint Skaarnaes. Zwar stehe für die A-Jugend-Spieler in Deutschland, „sehr viel Training“ auf dem Programm, aber: „Wenn du das gewohnt bist, schaffst du das.“

Parallelen und Unterschiede 

Skaarnaes wurde in Oslo geboren, wechselte 2025 vom langjährigen norwegischen Erstligisten Bækkelagets SK zum TV Großwallstadt. Bækkelagets gewann 1998 und 1999 den Europapokal der Pokalsieger. „Bækkelagets und Großwallstadt kann man ein bisschen vergleichen, aber nicht ganz“, erklärt Skaarnaes. „Großwallstadt hat sieben Mal die deutsche Meisterschaft gewonnen. Bækkelagets ist schon ein großer Klub, hat aber nicht so viel gewonnen.“

Von großen Titeln sind beide Vereine jedenfalls aktuell weit entfernt. Bækkelagets, immerhin der Ex-Verein von Spielern wie Magnus Rød, ehemals SG Flensburg-Handewitt und Kristian Sæverås von Fisch Auf! Göppingen, musste jüngst sogar den Abstieg in die zweite Liga verkraften. Großwallstadt war derweil bereits seit 2013 nicht mehr erstklassig. Seinen Schritt von der norwegischen ersten Liga in die zweite deutsche Liga sieht Skaarnaes nicht als Rückschritt an: „Die norwegische Liga hat auch ein gutes Niveau. Es gibt aber ein bisschen mehr Unterschiede zwischen den Mannschaften.“ In der 2. HBL habe jede Mannschaft „eine sehr hohe Qualität“. 

Eine große Umstellung

Für Skaarnaes war der Schritt nach Deutschland „eine große Umstellung“.  Die Menschen, die Sprache, die Mannschaft: Alles war neu. Nach einigen Monaten hat sich der Kreisläufer allerdings an die neuen Gegebenheiten angepasst. Mittlerweile fühlt er sich „sehr wohl“. Weil er bereits im Vorfeld angefangen hatte Deutsch zu lernen, spricht aber die Sprache bereits ziemlich gut.

Sportlich hat Skaarnaes bereits eine wichtige Rolle eingenommen. Der entgegen aller Klischees von kalten Skandinaviern durchaus emotionale Norweger kommt auf viel Spielzeit und kann seiner Mannschaft wertvolle Impulse geben. Die klare Niederlage beim HWB Balingen-Weilstetten konnte er aber auch nicht verhindern. „Wir fangen viel zu schlecht an, kassieren zwei Zwei-Minuten-Strafen in den ersten fünf Minuten“, ärgert sich Skaarnaes, der kritisiert, dass seine Mannschaft anfangs „vielleicht nicht die gleiche Energie“ gezeigt habe, wie in den Spielen zuvor.

Trügerische Sicherheit?

Immerhin habe der Charakter in der zweiten Halbzeit gestimmt. „Wir müssen aber konsequenter zuschieben und ein bisschen enger stehen“, moniert Skaarnaes. Aufgrund der angespannten Personalsituation sei die Körpersprache und der Charakter nun besonders wichtig. Zumal es das Restprogramm mit Gegnern wie Elbflorenz und Potsdam in sich hat. Mit acht Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz bei noch sechs verbleibenden Spielen ist der Klassenerhalt nah, allerdings sei man „noch nicht ganz safe“, wie Skaarnaes betont. 

Aufgrund der hohen Taktung hat der junge Norweger aktuell wenig Freizeit. Im Sommer möchte er aber wieder reisen, weil er es genießt, andere Länder und Kulturen zu erleben. Als Kind war er mit seinem Vater in New York, ein besonderes Highlight war für ihn die gemeinsame Reise mit seiner Freundin nach Rom. Nun möchte er unbedingt bald nach Asien reisen. Aktuell liegt sein kompletter Fokus allerdings auf dem TV Großwallstadt. Und in der kommenden Saison? „Es ist mein Plan, meinen Vertrag zu erfüllen“, sagt Skaarnaes, der noch bis 2027 beim TV Großwallstadt unter Vertrag steht.

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