SG Nürtingen-Zizishausen: Ein Traumstart mit Schönheitsfehlern
Voller Fokus: Trotz gutem Saisonstart und dem Gefühl „grundsätzlich zufrieden“ sein zu können, sieht Annika Distel bei ihrer SG Nürtingen-Zizishausen noch einiges an Verbesserungspotenzial. Foto: Marco Schultz
Drei Spiele, drei Siege: Die SG Nürtingen-Zizishausen ist auf den ersten Blick perfekt in die neue Saison gestartet. Dennoch gibt es einiges an Verbesserungspotenzial. Annika Distel zeigt derweil, dass sie für diese Mannschaft sehr wichtig sein kann.
37 Minuten waren gespielt zwischen der SG Nürtingen-Zizishausen und der SG Todesfelde/Leeze, da stand ein 15:20 aus Sicht der favorisierten Schwäbinnen auf der Anzeigetafel. Der Aufsteiger hatte den Vorjahreszweiten der 2. Handball Bundesliga Frauen am Rande einer Niederlage. Doch die Gastgeberinnen drehten die Partie noch und gewannen mit 34:31.
Viel Raum für Verbesserungen
Auch wenn nun drei Siege aus drei Spielen im Zwischenzeugnis der Nürtingerinnen stehen, war nicht jeder gänzlich zufrieden, so ließ sich Trainer Manel Cirac nach dem Spiel mit einer deutlichen Kritik in der Pressemitteilung des Vereins zitieren: „17, 18 Fehlwürfe sind einfach zu viele. Bei sieben Würfen von den Außenpositionen hat es noch nicht einmal eine Parade gebraucht. Auf dieser Position müssen wir besser sein, diese Tore brauchen wir auf unserer Seite.“
Annika Distel, mit neun Toren die beste Werferin ihres Teams, sieht diese Thematik – zugegebenermaßen einige Tage nach dem Spiel – offenbar ein wenig entspannter: „Normalerweise, das hat man ja auch im ersten Spiel gesehen, sind unsere Außen sehr zuverlässig. Es gibt einfach manchmal so Tage, da läuft es einfach nicht. Vielleicht war die Torhüterin von ihnen gut darauf eingestellt, vielleicht waren teilweise die Winkel nicht immer perfekt. Aber grundsätzlich sind unsere Außen schon top.“
Die SG Todesfelde/Leeze: Ein Gegner mit Überraschungspotenzial
An diesem überraschend engen Handballspiel hatten aber natürlich auch die Gäste, die nun so richtig in der Liga angekommen scheinen, ihren Anteil. Auch Distel war beeindruckt vom Zusammenhalt und der Eingespieltheit der Todesfelderinnen, die zum Auftakt der Saison noch mit 26:32 gegen den VfL Waiblingen verloren hatten. Unterschätzt habe man den Gegner um die überragend spielende Franziska Haupt allerdings nicht, wenngleich es aufgrund des wenig vorhandenen Videomaterials schon einen gewissen Überraschungseffekt gegeben habe.
Ein Rückraum voller Varianten und Möglichkeiten
Sowieso nicht zu unterschätzen ist der Rückraum der SG Nürtingen-Zizishausen. Manel Cirac hat einige Optionen. Zu den prägenden Offensivkräften zählen Lisa Fuchs – die letztjährigen Toptorwerferin der 2. HBF, die als Linkshänderin zusätzliche taktische Optionen liefert – Annika Distel und Lisa Wieder. Vereinfacht gesagt bringt Fuchs ihre Qualitäten über Schlagwürfe und Anspiele an den Kreis ein, Distel sorgt mit ihren Sprungwürfen für Gefahr und Wieder hat Stärken im Eins-gegen-Eins-Spiel.
Distel, die in der Abwehr oftmals von Vivien Natanello abgelöst wird, zeigt ihre Qualitäten insbesondere auch im Umschaltspiel, ein Bereich, in dem SG Nürtingen-Zizishausen ohnehin stark ist. Dies mag auch daran liegen, dass die Nürtingerinnen nur auf der banknahen Seite zwischen Angriff und Abwehr wechseln. Wie Distel erklärt, habe man zudem je nach Spielsituation verschiedene Varianten parat. Man sei also auch darauf vorbereitet, spontan auf einen Angriff-Abwehr-Wechsel zu verzichten und habe dann dennoch die passenden Spielzüge in der Hinterhand. Diese Flexibilität überrascht wenig, ist das Spiel der Nürtingerinnen doch ohnehin sehr flexibel. So wechseln die Rückraumspielerinnen gerne mal die Position und auch das Kreisläuferspiel ist meist alles andere als statisch.
Hohe Ansprüche
Distels Bedeutung für ihr Team scheint in dieser Saison noch einmal zu wachsen. Die 23-Jährige möchte ohnehin mehr Verantwortung übernehmen und hat dies mit 22 Toren in den ersten drei Spielen auch sportlich unterstrichen. Dennoch sieht sie noch einiges, das sie verbessern kann: „Es war schon okay, aber natürlich hat man selbst nochmal ein bisschen höhere Ansprüche.“
Distel hat sich vorgenommen, noch öfter die Tiefe zu suchen. In manchen Situationen will sie zukünftig lieber die besser postierte Mitspielerin suchen, anstatt selbst zu werfen. Auch an ihren Wurfvarianten möchte sie noch feilen. Nicht zuletzt erwähnt sie, in der Defensive härter spielen zu wollen. Man kann also sagen, sie hat sich einiges vorgenommen.
Die nächsten Aufgaben in der 2. HBF und im DHB-Pokal
Das dann alles im Spiel umzusetzen, dürfte gar nicht so einfach werden, schon gar nicht im DHB-Pokalspiel am 3. Oktober (19.30 Uhr). Dann empfangen die Nürtingerinnen nämlich den Bundesligisten Frisch Auf! Göppingen, der mit einem Sieg und einer Niederlage in die Saison gestartet ist. Distel betont: „Wir sind voller Vorfreude, weil es immer eine Herausforderung ist, sich mit einem Erstligisten zu messen. Man weiß, dass sie eigentlich besser sein sollten und geht ein bisschen als Underdog ins Spiel. Diese Rolle ist eigentlich ganz cool und eine Abwechslung im Vergleich zur Liga. Es herrscht einfach eine andere Erwartung an einen.“ Ohne Zuversicht geht Distel allerdings nicht ins Spiel: „Man merkt, dass das geht und dass man auch gegen einen solchen Gegner irgendwie mal gewinnen kann.“
Vermeintlich etwas einfacher sollte die nächste Aufgabe in der 2. HBF werden. Dort spielt man am Samstag (19 Uhr) bei der HSG Freiburg. Distel erwartet einen Gegner, der auf lange Angriffe setzt und durchaus unangenehm werden kann. Es ist ein ziemlich enger Zeitplan, den die Spielerinnen der 2. Handball Bundesliga Frauen zu absolvieren haben. Für Annika Distel scheint dies aber kein Problem zu sein. Die Wirtschaftsrecht-Studentin, die im April 2024 eine Kreuzband-OP hinter sich brachte und daraufhin mehr als ein Jahr auf ihr Comeback warten musste, betont: „Mir macht das aktuell sehr viel Spaß.“
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