Zurück in der 2. Handball Bundesliga: Savvas Savvas will es nochmal wissen
Savvas Savvas (links) und Sven Weßeling (rechts) wurden im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der auch Trainer Anel Mahmutefendic (Mitte) vor Ort war, offiziell vorgestellt. Foto: Xenia Klewer
Savvas Savvas ist zurück in Deutschland. Warum sich der 29-jährige Grieche nach drei erfolgreichen Jahren bei Olympiacos Piräus für den HSC 2000 Coburg entschied und worauf es für die Vestestädter in der kommenden Saison aus seiner Sicht ankommen wird.
Savvas Savvas ist wahrlich kein Unbekannter im deutschen Handball. Kurz bevor er 16 wurde, war er nach Deutschland gezogen, um für Eintracht Hildersheim zu spielen. Dort wurde er später Torschützenkönig der 2. Handball-Bundesliga, ein Kunststück, das er beim TV Großwallstadt 2022 nur knapp verpasste. Zu seiner Geschichte zählen aber auch Abstiege mit Hildersheim und dem ASV Hamm-Westphalen, zwei Saisons bei GWD Minden sowie drei griechische Meisterschaften und Pokalsiege.
Seine Erfolge in Griechenland in den vergangenen Jahren möchte der Neu-Coburger allerdings nicht hoch hängen: „Man kann das nicht vergleichen. In Piräus war es besonders für mich. Ich liebe diese Mannschaft sehr. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, in meiner Heimat zu sein. Man hat das Wetter, man hat den Strand, man hat alles was man braucht, um ein super Leben zu haben. Aber das Niveau kann man nicht vergleichen mit Deutschland.“
Eine Frage der Geduld?
Der Spaß am Handball ist Savvas in Griechenland nicht abhandengekommen, aber er vermisste das Gefühl, gegen starke Gegner zu spielen und in jedem Spiel sein Bestes geben zu müssen. Gespräche mit HSC Coburg-Trainer Anel Mahmutefendic und mit dem Team um seinen guten Freund Petros Boukovinas überzeugten ihn von einem Wechsel zum Tabellenneunten der vergangenen Zweitligasaison.
Seine ersten Eindrücke bestätigen das Gefühl, dass er in den Gesprächen gewann: „Mir gefällt die Mannschaft sehr. Ich sehe sehr viel Potenzial, sehr viele junge Spieler, die trotz dieses Alters auf einem sehr hohen Niveau spielen können. Und ich sehe eine Organisation, eine Mannschaft, die nach oben will und die nächsten Schritte machen will.“
Nun weiß aber auch der Grieche, dass die 2. Handball Bundesliga immer unberechenbarer wird, Favoriten und Außenseiter nur auf dem Papier existieren. Er betont: „Das macht die Liga besonders. Das war auch die Challenge, die ich gesucht habe, wieder in so einer starken Liga zu spielen.“ Die nächsten Schritt in dieser Liga zu machen sei eine große Herausforderung, die sogar Jahre dauern könne, meint er.
Die richtige Mischung?
Der Verein jedenfalls scheint Geduld mitzubringen und wirft nach der verletzungsgeplagten Vorsaison nicht alles über den Haufen. Mit Sven Weßeling (TuS N-Lübbecke) und Yaacob Belbey (JS Cherbourg Manche Handball) gibt es neben Savvas nur zwei weitere Neuzugänge. Savvas ist mit dieser Herangehensweise einverstanden: „Die Taktik wird sich nicht so viel verändern. Was wichtig war ist, und das hat Coburg versucht, dass der Kern der Mannschaft zusammengehalten wird. Hinzu kommen mit mir und Sven Weßeling zwei Spieler, die erfahren sind, viele Jahre in der Liga waren und viel gesehen haben. Am Ende werden wir eine gute Mischung haben.“
Die Defensive als Basis
In der vergangenen Saison basierte das Coburger Spiel auf einer Defensive mit drei Kreisläufern, die zwar nicht überragend war, aber zumindest phasenweise ziemlich physisch und massiv wirkte. Savvas bestätigt: „Ja, die Abwehr ist sehr wichtig hier. Sie ist die Basis. Ich glaube, die Abwehr gewinnt die Spiele. Da müssen wir stark sein und kompakt.“
Dass Coburg-Torhüter Petros Boukovinas in der vergangenen Saison 311 Paraden sammelte, der höchste Wert in der kompletten 2. Bundesliga, sei ein Zeichen dafür, dass die Defensive in der vergangenen Saison einen „sehr, sehr guten Job“ gemacht habe, meint Savvas und betont: „Wir legen sehr viel Wert darauf.“
Freundschaft und Fokus
Boukovinas ist nicht nur sportlich wichtig für Savvas: „Wir kennen uns schon seit Ewigkeiten. Privat sind wir auch sehr gute Freunde. Wieder mit einem griechischen Kollegen in Deutschland zu spielen, in einer Mannschaft, ist schon sehr wichtig. Es ist wichtig, wenn man jemanden hat, denn in vielen Mannschaften, in denen ich gespielt habe, war ich ganz alleine. Da hatte ich keine Griechen dabei.“
Nicht mal 16 Jahre alt war Savvas als er nach Hildesheim kam. „Ich kannte die Sprache nicht. Ich hatte keine Freunde da. Es war alles Neues für mich. Ich musste mich komplett umstellen.Es hat sich ein bisschen gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe, weil ich in die Schule gegangen bin, ins Gymnasium, während ich die Sprache noch nicht gesprochen habe. Ich habe im Internat gewohnt. Meine Familie war auch noch weit weg. Aber ich hatte immer den Fokus, Profi-Handballer zu werden. Das hat mich hier gehalten, dass ich meinen Fokus nicht verloren habe.“
Savvas entwickelte sich in Deutschland zum Torjäger, hatte sportlich aber auch Rückschläge zu verkraften, beispielsweise als er nach seiner Rückkehr zu Eintracht Hildesheim mit dem Zweitliga-Aufsteiger denkbar knapp in die 3. Liga abstieg. Es war ein Abstieg der Savvas sehr ärgerte, weil Hildesheim der Verein gewesen war, der ihm in Deutschland eine Chance gab und weil schon feststand, dass er den Verein zum Bundesliga-Aufsteiger ASV Hamm-Westphalen verlassen würde.
Eine Pechsträhne und eine große Stärke
Seine zwei Gastspiele in Hamm verliefen derweil höchst unglaublich. Seine ersten beiden Saisons beim ASV waren von einem Kreuzbandriss geprägt, nach seiner Rückkehr stieg der Verein als abgeschlagener Tabellenletzter aus der Bundesliga ab. Während seiner zwei Jahren in beim damaligen Bundesligisten GWD Minden zog sich Savvas eine Kreuzbandverletzung in einem Testpiel gegen Hamm zu, nicht umsonst sagte er dem „Westphälischen Anzeiger“ einst: „Ich hatte das Gefühl, der ASV verfolgt mich.“ Seine ersten Verletzungen nutzte der Grieche allerdings, um sich körperlich in Form zu bringen, was ihm half, in Deutschland zu bestehen.
Ohnehin legt der 29-Jährige wert darauf, nicht nur auf seine Abschlussstärke reduziert zu werden: „Ich werde die Mannschaft so gut unterstützen, wie ich es kann. In allen Bereichen. Ich habe mein Spiel auch ein bisschen weiterentwickelt. Klar, die Tore bleiben immer meine Stärke. Sie habe ich immer gemacht. Aber ich kann der Mannschaft auch anders helfen, mit meinen Vorlagen, mit meiner Abwehr. Egal wo mich die Mannschaft braucht, werde ich da sein, versuche ich mein Bestes zu geben. Aber natürlich bleiben die Tore meine größte Stärke.“ Eine Stärke, die er auch beim HSC 2000 Coburg unter Beweis stellen will.
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