TVB Stuttgart: Passt „Freigeist“ Philipp Ahouansou in das System von Misha Kaufmann?
Philipp Ahouansou hat beim TVB Stuttgart eine neue Aufgabe vor Augen. Foto: Emily Diehl
Philipp Ahouansou wechselt zum TVB Stuttgart. Im Gespräch mit Logbuch Sport spricht der Rückraumspieler darüber, warum sich die Wege mit den Rhein-Neckar Löwen 2024 nach sieben Saisons trennten, wie er sich bei der HSG Wetzlar weiterentwickeln konnte und warum er in das Spielsystem von Misha Kaufmann passt.
Als wir mit Philipp Ahouansou sprechen, ist er in Italien im Urlaub und macht einen Spaziergang am Meer. Der 25-Jährige schaffte bei den Rhein-Neckar Löwen den Sprung in den Erwachsenenbereich und in die Bundesliga, spielte in den vergangenen beiden Saisons für die HSG Wetzlar und wird nun für den TVB Stuttgart auf die Platte gehen.
Herr Ahouansou, Sie haben im Alter von 18 Jahren ihr Bundesliga-Debüt bei den Rhein-Neckar Löwen gefeiert. War das aus heutiger Sicht zu früh?
Philipp Ahouansou: Das war früh, aber ich war damals schon bereit für die Aufgabe. Ich habe bereits voll mittrainiert und war dort komplett integriert. Klar war das früh und man hätte auch einen anderen Weg gehen können, aber ich denke, dass der Weg damals gut für mich war.
Ihre sieben Jahre bei den Rhein-Neckar Löwen endeten mit einem Rechtsstreit, der auch in den Medien ein Thema war. Trübt das ihre Erinnerungen an diese Zeit?
Philipp Ahouansou: Ich habe durchweg positive Erinnerungen. Wir sind im Guten auseinandergegangen. Es ging um die Frage, wie sich der Wechsel trotz des bestehenden Vertrags lösen lässt. Am Ende haben wir eine positive Lösung für beide Seiten gefunden. Alles ist in Ordnung. Es ist kein böses Blut geflossen. Ich würde sagen, dass ich dort mit die größten Entwicklungsschritte gemacht habe, zu einem erwachsenen Mann gereift bin und sehr viel erleben durfte. Es war eine sehr schöne Zeit.
War die aus ihrer Sicht nicht mehr ausreichende Spielzeit der Grund für ihren Wechsel zur HSG Wetzlar?
Philipp Ahouansou: Es hat sich ergeben, dass ich ein Angebot von Wetzlar bekommen habe und die Löwen sich auf meiner Position verstärkt haben. Nach meiner Verletzung bin ich zudem nicht mehr auf die erhoffte Spielzeit gekommen. Natürlich hatte das nicht nur den Grund, dass sie sich für jemand anderen entschieden haben. Ich war vielleicht auch einfach noch nicht bereit für die Aufgabe, für das System und für die Rolle, die sie sich für mich erhofft hatten. Meine Erwartungen an mich selbst waren höher als das, was ich der Mannschaft in diesem Moment geben konnte. Ich war zwar mit meinen Qualitäten da, hatte aber noch nicht die nötige Konstanz. Das, was die Mannschaft damals gebraucht hätte, konnte ich noch nicht konstant abrufen oder mich in eine vielleicht kleinere Rolle im Team einfügen. Das war der Grund, weshalb beide Seiten entschieden haben, dass es in Ordnung ist, wenn ich nach Wetzlar gehe.
Sie sprechen das System von Sebatian Hinze, dem damaligen Trainer der Rhein-Neckar Löwen, an. Inwiefern haben Sie in dieses nicht reingepasst?
Philipp Ahouansou: Das kann ich im Nachhinein reflektiert betrachten. Es ist absolut verständlich, dass es damals nicht gepasst hat. Deswegen haben wir uns getrennt. Ich hatte höhere Erwartungen an mich selbst und in dem Moment vielleicht auch an den Trainer. Aber rückblickend muss ich sagen, dass ich noch nicht in dieses System gepasst habe. Es hat im Gesamtkontext einfach nicht mehr gepasst.
Sie haben in Wetzlar in der vergangenen Bundesliga-Saison 300 Würfe genommen, damit nahmen Sie über 100 Würfe mehr als der zweitplatzierte HSG-Spieler Stefan Cavor. Außerdem warfen Sie 174 Tore, teaminterner Bestwert. Wenn man diese Werte und Ihre Rolle in der Mannschaft sieht, dann scheint sich der Wechsel nach Wetzlar ausgezahlt zu haben.
Philipp Ahouansou: Definitiv, es war eine super Entscheidung. In Wetzlar durfte ich in den zwei Jahren unheimlich viel lernen – sowohl menschlich als auch sportlich. Das hat mir sehr gut getan. Besonders das Vertrauen, das ich insbesondere im zweiten Jahr dort bekommen habe, hat mir gutgetan. Aber auch die Aufgaben, an denen ich als Mensch wachsen durfte. Dort habe ich erfahren, was es wirklich heißt, ins kalte Wasser geworfen zu werden und sich in einem komplett neuen Umfeld zurechtzufinden. Das war schon eine Herausforderung.
Ihr Wurf ist sehr hart und sehr schwer zu verteidigen. Natürlich hilft dabei ein Körpergröße von über zwei Metern, aber was ihr Erfolgsgeheimnis darüber hinaus?
Philipp Ahouansou: Ich weiß nicht, ob da ein Geheimnis dahintersteckt. Die Technik habe ich nie gezielt trainiert, sondern sie war schon immer da. Ich hatte schon immer einen ziemlich harten Wurf. Mittlerweile komme ich aber auch viel über das Eins-gegen-Eins und die vielen Durchbrüche, was hervorragend in das System von Misha Kaufmann (Trainer des TVB Stuttgart, Anm. d. Red.) passt. Ich habe beide Komponenten. Ich kann natürlich werfen und das mache ich auch gerne. Ich treffe auch gerne aus der Distanz, habe aber ebenso die Möglichkeit, ins Eins-gegen-Eins zu gehen und daraus Vorteile für meine Mitspieler oder eigene Torchancen zu kreieren.
Die „Gießener Allgemeine“ fragt aber dennoch, „wie schnell der defensivanfällige und im Angriff eher „freigeistige“ Philipp Ahouansou im eng strukturiert-disziplinierten Angriffs-/Abwehrsystem von Stuttgarts Trainer Misha Kaufmann seinen Platz findet“. Misha Kaufmann strahlte im Interview mit „Logbuch Sport“ sehr große Zuversicht aus, was ihre Verpflichtung betrifft. Wie liefen die Gespräche und wie sehen Sie das?
Philipp Ahouansou: Ich habe schon nach den ersten Telefonaten mit Misha seinen Drive und seinen Willen gespürt, das Team voranzubringen und jeden einzelnen Spieler besser zu machen. Natürlich beruht das zunächst auf den Gesprächen, die ich mit ihm und ehemaligen Spielern von ihm geführt habe, aber mein Gefühl ist durchweg positiv. Das kann ein Schritt sein, der mich noch einmal besser macht. Für mich war ein ausschlaggebender Grund, dass er von Tag zu Tag denkt und jeden einzelnen Spieler jeden Tag besser machen möchte. Das hat mich von Anfang an angesprochen. Ich brauche so jemanden. Mich freut es, wenn jemand wie er mir die Chance gibt, mit mir zu arbeiten.
Das Inteview führte Lukas Bergmann.
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