Paul Siegl: Mit offener Rechnung nach Pforzheim
Paul Siegl ist ein eher ruhiger Vertreter im und außerhalb des Tors. Anstatt, wie manche seiner Kollegen, die Angreifer mit vielen Bewegungen zu irritieren, reagiert er eher auf die Aktionen der Werfer. Foto: hello.itsjana
Nach Stationen bei den Wölfen Würzburg und bei der TG Mipa Landshut spielte Paul Siegl in der vergangenen Saison für BVSC Budapest. Nun wechselt der 25-Jährige zur SG Pforzheim/Eutingen. Über einen Torhüter mit einer offenen Rechnung.
Der 2. Dezember 2022 bleibt Paul Siegl sowohl positiv, als auch negativ in besonderer Erinnerung. Siegl machte für seinen Jugendverein, die Wölfe Würzburg, sein erstes Spiel in der 2. Handball Bundesliga, verlor dieses aber mit 22:37 gegen die SG BBM Bietigheim. Schon beim 32:28-Erfolg gegen den ThSV Eisenach im Spiel zuvor war Siegl für den grippeerkrankten Jonas Maier in den Kader der ersten Mannschaft gerückt.
Am 21. August um 20 Uhr wird sich für Siegl ein kleiner Kreis schließen, denn dann trifft seine neue Mannschaft, die SG Pforzheim/Eutingen, im DHB-Pokal auf die SG BBM Bietigheim. „Witzigerweise ist mir das erst im Nachhinein aufgefallen. Das ist irgendwie eine witzige Fügung“, meint der 25-Jährige im Hinblick auf das erneute Aufeinandertreffen mit dem Bundesliga-Aufsteiger.
Ein neuer Angriff
Siegl will bei der SG Pforzheim/Eutingen wieder „richtig angreifen“. Seit einem knappen Monat ist die Mannschaft um Trainer Alexander Lipps bereits wieder im Training. Neben dem normalen Mannschaftstraining absolviert der Neuzugang zweimal in der Woche ein spezielles Torhütertraining mit Torwarttrainer Hamza Catak, bei dem Widerstandsbänder und Medizinbälle zum Einsatz kommen.
„So ein intensives Torwarttraining hatte ich zuvor, glaube ich, noch nicht“, glaubt Siegl. „Das bringt sehr viel.“ Der neue Pforzheimer Torhüter weiß um seinen Vorgänger Adam Studentkowski, der sich in Pforzheim hervorragend entwickelt hat und nun zum Liga-Konkurrenten HSC Konstanz gewechselt ist. Für ihn ist außerdem spürbar, dass das Trainerduo Alexander Lipps/Christian Hörner hauptberuflich tätig ist, ein Umstand, der in der dritten Liga alles andere als selbstverständlich ist. Dass Lipps zudem noch als A-Jugend-Trainer und als Jugendkoordinator des Vereins tätig ist, hilft aus seiner Sicht, für eine hohe Durchlässigkeit zu sorgen, eine der großen Stärken des Überraschungsdritten der vergangenen Saison.
Siegl hat seinen Master in Management an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg abgeschlossen und zieht mit seiner Freundin nun nach Karlsruhe, weil er in der Region einen Job gefunden hat. Sein Wechsel zur SG Pforzheim/Eutingen ist daher naheliegend, zumal er in der 3. Liga Fuß fassen möchte.
Schwierige Saisons in Würzburg und Landshut
Bei den Wölfen Würzburg half er in der 2. Handball Bundesliga nur kurzzeitig aus, dafür gehörte er in der Saison 2023/24 zum festen Kader der ersten Mannschaft in der Dritten Liga. Siegl löste dann aber seinen Vertrag auf, eine „komplizierte Geschichte “ sei das gewesen, sagt er, ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen.
Weil es in Würzburg nicht mehr gepasst hatte, wechselte er zur Saison 2024/25 zur TG Mipa Landshut. Der Verein war in die 3. Liga aufgestiegen, verpasste den Klassenerhalt trotz gutem Saisonstart mit nur zehn Punkten als Tabellenletzter aber deutlich. Siegl spricht von einer „turbulenten Saison“ mit vielen, knappen Niederlagen, die die Moral der Mannschaft natürlich beeinflusst hätten. Er sei immer noch im Kontakt mit dem Verein und wünsche ihm den Wiederaufstieg in die 3. Liga.
Sprachprobleme in Ungarn
In der vergangenen Saison war Siegl im Auslandssemester, spielte für den ungarischen Zweitligisten BVSC Budapest, bevor er sich am Ende des Saison noch beim Regionalligisten HT München fit hielt. In Ungarn tat sich der 1,96 Meter große Torhüter zunächst schwer: „Es war sehr spannend. Ich war in der Mannschaft der einzige Ausländer. Das war am Anfang echt speziell, denn Ungarisch ist ja eine extrem schwere Sprache. Die Verständigung war schwierig, noch dazu konnten nicht alle perfektes Englisch.“
Mit der Zeit sei er aber immer besser zurechtgekommen. Die vom Naturell eher zurückhaltenden Ungarn wurden proaktiver, kamen auf ihn zu, sprachen ihn auf Englisch an. Sein Fazit: „Ich denke, so eine internationale Erfahrung schadet keinem.“ Sportlich scheint das Niveau übrigens mäßig gewesen zu sein, jedenfalls berichtet Siegl, es habe keinen großen Druck im Training gegeben.
Wahrscheinlich war dies aber genau der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt für Siegl, denn die schwierige Saison in Landshut hatte ihm etwas den Spaß am Handball geraubt. „Aber den habe ich jetzt auf jeden Fall wieder gefunden. Ich habe mir gesagt, dass ich nach meiner Zeit in Ungarn auf jeden Fall wieder etwas Ambitioniertes suche. Das habe ich jetzt, denke ich, auch gefunden.“ Ob er noch eine Rechnung mit der 3. Liga offen habe? „Das kann man, denke ich, so sagen, ja.“
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