Mikaela Possatti: Macht Frisch Auf! Göppingen mit brasilianischem Feuer den nächsten Schritt?
Mikaela Possatti zeigt auf dem Spielfeld gerne viele Emotionen und ihr „brasilianisches Herz“. Foto: rico.handballfotos
Eine heißblütige Brasilianerin in Deutschland, kann das gut gehen? Mikaela Possatti, die neue Torfrau von Frisch Auf! Göppingen, hat jedenfalls schon vor ihrem Wechsel Erfahrungen mit der deutschen Kultur gesammelt.
Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben für eine Brasilianerin als sich an Deutschland anzupassen, so unterschiedlich wie die beiden Kulturen dann doch sind. Im Fall von Mikaela Possatti könnte sich die Integration aber etwas einfacher gestalten, schließlich spielte die 24-Jährige, die aus dem Bundesstaat Espírito Santo nördlich von Rio de Janeiro stammt, bereits in Blumenau.
Gemeint ist weder der Ortsteil von Schwarzatal in Thüringen noch die Ortschaft Nähe Hannover sondern die 300.000-Einwohner-Stadt im Süden Brasiliens, die einst von deutschen Einwanderern gegründet wurde und unter anderem für das zweitgrößte Oktoberfest der Welt bekannt ist. Zwei Saisons spielte Possatti vor ihrem Wechsel nach Europa in Blumenau. In beiden Jahren nahm sie am Oktoberfest teil: „Ich weiß deswegen ein bisschen was über die deutsche Kultur. Ich habe dort einige Erfahrungen gesammelt. Es ist eine hübsche Stadt mit vielen deutschen Leuten.“
Im Schatten des Fußballs
Während Deutschland allerdings den größten Handballverband der Welt vorweisen kann, tut sich Brasilien mit diesem Sport deutlich schwerer. Possatti, die selbst vom Fußball kommt, glaubt: „Ich denke, dass wir in Brasilien den Fußball zu sehr lieben.“ Andere Sportarten hingegen befinden sich dort in einem Schatten, der etwa so groß ist wie der des Christo Redentor. Possatti hatte Glück, dass ihr Lehrer ihr den Handball-Sport empfohlen hatte: „Mein Lehrer in der Schule hat gesehen, dass ich groß bin und mir gesagt, dass ich vielleicht Basketball oder Handball spielen könnte. Dann habe ich angefangen ins Handballtraining zu gehen und Handballspiele anzuschauen. Das hat mir sehr geholfen.“
Winter in Serbien
2024 erhielt sie ein Angebot vom serbischen Verein ZJRK Bor. „Seit ich angefangen habe, Handball zu spielen, hatte ich große Träume. Als ich das Angebot bekommen habe, habe ich mit meiner Familie gesprochen und wir haben gesagt: Ja, das ist meine Zukunft.“ Die 24-Jährige tat sich zunächst mit der neuen Kultur und den sehr kalten Wintern in Europa schwer, bilanziert nun aber: „Das lief sehr gut, ich hatte zwei sehr gute Saisons in Serbien. Es war hart, aber ich war dort, um Handball zu spielen.“
Und das lief ziemlich erfolgreich. Die Neu-Göppingerin erreichte zweimal das Halbfinale um die serbische Meisterschaft, im EHF Cup scheiterte ihr Team erst im Achtelfinale an BM Málaga. Zuvor hatten die Serbinnen den slowakischen Vertreter HK Slovan Duslo Sala ausgeschaltet. Nachdem das Hinspiel mit 31:35 verloren wurde, wurde es im Rückspiel dramatisch: „Wir werfen vier Tore in den letzten circa drei Minuten, kommen ins Sieben-Meter-Werfen und gewinnen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, zwei Sieben-Meter zu parieren und mein Team in die nächste Runde zu führen. Das war ein verrücktes Spiel für mich“, sagt Passatti stolz über ihr „größtes Spiel“.
Eine große Ehre
Als weiteren herausragenden Moment ihrer Handball-Laufbahn bezeichnet die Brasilianerin es, im vergangenen Jahr im Vorfeld der Weltmeisterschaft für die Nationalmannschaft nominiert worden zu sein. „Das war ein großer Erfolg und eine Ehre für mich. Ich hatte die große Ehre mit Bruna de Paula (Champions-League-Siegerin 2025 mit Győr; Anm. der Red.) zu trainieren und auch mit vielen weiteren Spielerinnen, für die ich sehr viel Respekt habe. Was für eine große Ehre für mich.“
Glücklich in Deutschland?
Nun also soll Frisch Auf! Göppingen zum nächsten großen Schritt in ihrer Handball-Karriere werden. Vor zwei Wochen kam sie im Schwabenland an, zwei Testspiele gab es bereits, darunter ein 34:19 gegen den Zweitligisten VfL Waiblingen. Ihre ersten Eindrücke fallen positiv aus: „Ich bin glücklich. Göppingen ist eine gute, schöne Stadt. Die Mannschaft und die Leute hier haben mich sehr gut empfangen.“ Probleme bereite ihr noch die Kommunikation, allerdings beginnt sie im September mit dem Deutschunterricht. „Ich will es natürlich lernen, um mit den Menschen hier kommunizieren zu können und ihre Kultur zu respektieren“, betont Possatti.
Neben Portugiesisch und Englisch spricht die Brasilianerin ein bisschen Spanisch. In Serbien lernte sie Serbisch. „Das macht es vielleicht ein bisschen einfacher, dass ich schonmal Erfahnrungen mit einer neuen Sprache gemacht habe“, hofft sie. Sie will Deutschalnd Freunde finden, eine soziale Person sein. „Ich bin manchmal ein bisschen zu schüchtern, um das zu machen. Aber das ist der beste Weg, um hier glücklicher und glücklicher zu werden“, glaubt Possatti.
Mit voller Emotion
Die 24-Jährige erlebt bereits während ihre ersten Wochen in Deutschland eine „ganz andere Handballschule“ als in Serbien. „Hier ist der Handball schneller und stärker.“ Außerdem ist sie nun Teil einer erfahrenerenen Mannschaft, als in Serbien. „Im Handball brauchst du Erfahrung. Diese Erfahrung sehe ich im Training“, betont die Nachfolgerin der ins Ausland abgewanderten Petra Hlogyik.
Auf was für eine Spielerin sich die Fans von Frisch Auf!-Göppingen freuen dürfen? „Ich glaube, ich bin eine starke Spielerin. Als Torhüterin musst du stark sein, versuchen zu kämpfen und deinen Mitspielerinnen zu helfen. Was ich mag, sind meine Kämpferqualitäten. Ich kämpfe viel und bin natürlich ein bisschen verrückt. Ich glaube, jede Torhüterin ist ein bisschen verrückt“, sagt die Brasiliano-Göppingerin. Sie erklärt: „Ich liebe es meine Emotionen auf dem Feld zu zeigen. Das zeigt ein bisschen mein brasilianisches Herz. Das ist meine Charakteristik und das, was ich bin. Ich bin sehr emotional.“ Vielleicht kann sie mit dieser Art ja den Göppinger Frauenhandball noch einmal mehr anzünden.
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