HSC Coburg-Abgang Mikael Helmersson: „Die Leidenschaft hat gefehlt“

Mikale Helmersson HSC Coburg

Großer Torhunger: MIkael Herlmersson vom HSC 2000 Coburg war zuletzt in starker Form. Foto: Svenja Sommer

Mikael Helmersson zählt trotz der durchwachsenen Saison des HSC 2000 Coburg zu den besten Torschützen der 2. Handball-Bundesliga. Im Interview mit „Logbuch Sport“ spricht der Italiener über die Unruhe rund um den Verein, seinen bevorstehenden Abschied aus Coburg und eine Phase seiner Karriere, in der er plötzlich monatelang ohne Verein dastand.

Herr Helmersson, Sie befinden sich gerade in einer ziemlich widersprüchlichen Situation.

 

Mikael Helmersson: Wie meinen Sie das?

Na ja, Sie werfen Tor um Tor, sind der drittbeste Torschütze der Liga – und trotzdem stimmen die Ergebnisse nicht.

Mikael Helmersson: Man muss natürlich auch dazu sagen: Wenn man die ganze Rückrunde betrachtet, dann haben wir viele Verletzungen gehabt, auch an wichtigen Stellen in der Mannschaft. Wir haben uns als Mannschaft schwer getan, das zu kompensieren. Ich glaube, wir haben auch trotz Verletzungen gute Spiele gemacht, aber es nicht geschafft, Ergebnisse und Punkte zu holen. Die letzten Spiele waren sehr schwierig und sind nicht so gelaufen, wie wir das wollten. Wir haben das aber auch mannschaftsintern besprochen und wollen das in den letzten drei Spieltagen wieder gut machen, damit wir mit einem okayen Gefühl aus der Saison herausgehen.

173 Tore in 25 Spielen – haben Sie sich selbst überrascht?

Mikael Helmersson: Nein, ich war nicht überrascht. Ich vertraue auf meine Fähigkeiten. Ich kam ja auch aus einer Verletzung. Mir war natürlich nicht klar, dass ich so aus der Verletzung herauskomme, aber ich habe sehr hart gearbeitet. Ich wollte auf jeden Fall auch den Jungs etwas zurückgeben, weil sie mir in der Zeit auch viel geholfen haben, damit es mir besser geht. Wenn man das merkt und dann sieht, dass auf dem Feld ein paar Probleme sind und sie ein bisschen leiden, dann will man etwas zurückgeben, wenn man wieder spielen kann. Deswegen wollte ich einfach unbedingt wieder Leistung bringen und mithelfe, dass wir als Mannschaft ein gutes Ergebnis erzielen. Nichtsdestotrotz haben wir ein paar Spiele verloren, die wir auf jeden Fall gewinnen wollten. Da reicht es nicht aus, viele Tore zu erzielen. Am Wichtigsten ist, dass man das Spiel gewinnt. Das war nicht gut genug von uns allen.

Der Fränkische Tag spricht von einer Krise und berichtet von einer Trainerdiskussion, die Neue Presse Coburg stellte die Mentalitätsfrage. Wie erleben Sie die Stimmung rund um den Verein?

Mikael Helmersson: Ja, natürlich kommt irgendwann Unruhe rein. Über Phasen war das auch für Fans und Umfeld verständlich, da wir viele Probleme mit Verletzungen hatten und uns das weitgehend aus der Bahn geworfen hat. Natürlich kommt dann auch ein bisschen Druck von draußen rein, von Leuten, die nicht so involviert sind. Das Wichtigste ist immer, was wir in der Mannschaft besprechen. Nach den letzten drei Spielen hat man da schon gemerkt, dass sich etwas tut, dass es eine gewisse Unzufriedenheit gibt. Das soll aber auch so sein, wenn man die Spiele verliert. Wir haben uns auch zusammengesetzt und das besprochen. Jeder weiß, woran er ist und was man ändern muss. Jetzt gilt es aber auch, das in den letzten drei Spielen zu zeigen.

Was muss man denn aus Ihrer Sicht ändern?

Mikael Helmersson: Wir haben zwei, drei Spiele gezeigt, wo wir auch emotional unsere Leistung nicht gebracht haben. Dass wir viele gute Handballer haben, wissen wir. In ein paar Spielen war es, dass die Leidenschaft gefehlt hat, die Emotion, die Körpersprache. Das sind gegen Mannschaften, die um den Abstieg spielen, immense Faktoren. Das hat man in den letzten Spielen vor allem gesehen, dass wir da nicht ganz auf der Höhe waren.

Im Februar wurde bekannt, dass Sie den HSC zum Saisonende verlassen. Hatten Sie das Gefühl, sich schneller zu entwickeln als der Verein?

Mikael Helmersson: Nein, die Entscheidung stand auch schon ein bisschen früher fest. Der HSC hat auch sehr hohe sportliche Ziele, die sich mit meinen Zielen matchen. Ob der HSC die erreicht, ist schwierig vorherzusehen. Ich glaube, der HSC hat immer gute Chancen, oben mitzuspielen, aber es gab verschiedene andere Gründe, die mich zu meiner Entscheidung bewogen haben, nicht in Coburg zu bleiben.

Welche denn?

Mikael Helmersson: Ich möchte in die erste Liga und vielleicht auch international spielen und auch ein anderes Umfeld außerhalb des Sports haben. Das waren die zwei Hauptgründe.

Haben Sie bereits eine Vorstellung, wie Ihr nächster Karriereschritt aussehen soll?

Mikael Helmersson: Ich mag den Wettkampf und mag mich immer mit den Besten messen. Die Bundesliga ist da immer sehr attraktiv. Aber es gibt auch Vereine international, die sehr attraktiv sind, wo ich vielleicht auch mit ein, zwei Vereinen ein bisschen weiter bin. Wenn du gegen die besten Mannschaften aus anderen Ländern spielst, ist das ein Highlight.

Mit Italien haben Sie sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Welche Bedeutung hat dieser Erfolg für den italienischen Handball?

Mikael Helmersson: Eine riesen Bedeutung. Wir haben uns als Mannschaft immens entwickelt. Das sieht man auch daran, wie viele Italiener im Ausland spielen und einfach auch generell an der Qualität, die wir haben. Natürlich fehlt es noch so ein bisschen an der Entwicklung um den Handball herum. Die mediale Präsenz ist natürlich nicht zu vergleichen mit Ländern wie Deutschland und Dänemark. Da fehlt es noch, vor allem im Süden Italiens. Deswegen ist es ein sehr wichtiger Schritt, konstant bei den großen Turnieren dabei zu sein, weil das viel Aufmerksamkeit bringt. Dementsprechend war es unglaublich wichtig, sich sportlich zu qualifizieren, um das auf ein neues Level zu bringen. Damit bewegst du die Kinder. Es wird sich nicht alles auf einen Schlag ändern, sodass Handball auf einmal der größte Sport in Italien ist, aber um diese Entwicklung voranzubringen, muss man konstant gut spielen. Wir sind alle stolz, Teil von diesem Weg zu sein und es aktuell so gut zu machen.

Welchen Anteil am Erfolg hat Füchse-Macher und Italien-Cheftrainer Bob Hanning am Erfolg der Mannschaft?

Mikael Helmersson: Er hat einen sehr großen Anteil. Bob versteht es wie kein anderer, einen Verein oder in diesem Fall eine Nationalmannschaft aufzuziehen, vor allem mit den Strukturen um den Handball herum. Er versteht es, Sponsoren reinzubringen, eine mediale Präsenz und eine Infrastruktur drumherum aufzubauen. Das hat er bei den Füchsen auf höchstem Niveau bewiesen. Er hilft dem italienischen Handball sehr.

Ihre Eltern haben Handball gespielt, Ihre Cousine ist italienische Nationalspielerin. Hätten Sie überhaupt eine Chance gehabt, einen anderen Sport zu wählen?

Mikael Helmersson: Ich habe natürlich auch noch ein, zwei andere Sportarten probiert. Fußball und Schwimmen. Ich bin dann aber relativ früh zum Handball gekommen, weil ich meine Mama und meine Cousine habe spielen sehen. Dann wollte ich das auch machen. Dann bin ich den Weg gegangen, den ich gegangen bin.

Sie haben ihre Familie früh verlassen und wechselten als 15-Jähriger in die Jugend der SG Flensburg-Handewitt. 2022 wechselten Sie zu Ystads IF, doch der Verein geriet 2023 in finanzielle Probleme, Ihr Vertrag wurde aufgelöst. Daraufhin waren Sie sieben Monate vertragslos – wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Mikael Helmersson: Genau, ich habe ein Jahr bei Ystads gespielt. Dort hatte ich eine Verletzung am Knie und einen Innenbandanriss. Dann sind sie am Ende der Saison auf mich zugekommen und wollten aus finanziellen Gründen den Vertrag auflösen. Ich habe dann zugestimmt, hatte eigentlich schon einen Verein für die nächste Saison, habe mich dann aber erneut verletzt. Das war eine sehr blöde Situation. Ich habe mich dann dazu entschieden, die Reha zu Hause in Italien zu machen. Ich habe mir dann auch etwas Zeit gelassen, damit es gut heilt und habe dann zum Start der Rückrunde beim HSC unterschrieben. Natürlich war es eine schwierige Situation. Man identifiziert sich stark mit dem Handball und dann fällt ein großer Teil deines Lebens weg. Ich wollte aber auch keinen voreiligen Schritt machen und irgendwo unterschreiben, wo ich gar nicht hin möchte, einfach um einen Verein zu haben. Mir war es wichtig, dass ich die Reha gut machen konnte. Ich habe sehr viel versucht, an mir zu arbeiten, an meinen Schwachstellen. Im Endeffekt hatte ich dann einen guten Start aus der Verletzung heraus und wurde erstmals für die Nationalmannschaft nominiert.

Wie viele Schwachstellen konnten Sie seither aus Ihrer Sicht ausmerzen?

Mikael Helmersson: Man hat immer etwas zu verbessern. Es gibt keinen Spieler ohne Schwachstellen. An meinem Abwehrspiel kann ich noch arbeiten, das ist aber auch schon besser geworden. Es ist natürlich auch nicht immer so leicht, wenn du super viel Verantwortung im Angriff hast und super viel Spielzeit hast. Dann wird man natürlich auch mal in der Abwehr geschont. Aber das ist etwas, woran ich sehr viel arbeite, in der Abwehr ein kompletterer Spieler zu werden. Das ist auch etwas, was mir sehr wichtig ist in der Zukunft, weil der Rückzug und die zweite Welle im modernen, schnellen Handball sehr wichtig sind. Man versucht sich immer weiterzuentwickeln.

Was nehmen Sie aus Coburg für Ihre Zukunft mit?

Mikael Helmersson: Ich habe unglaublich coole Leute kennengelernt, Freunde fürs Leben und mit super Spielern zusammengespielt. Das sind Sachen, die man mitnimmt. Natürlich habe ich auch viel gelernt. Seitdem ich hier herkam, ist mein Spiel viel erwachsener geworden. Man nimmt aus der Zeit super viel mit.

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