ESV-Neuzugang Melina Hahn: „In Bad Wildungen war die Mannschaft gespalten"

Melina Hahn ESV Regensburg

HC Rödertal, HC Leipzig und TG Nürtingen: Der ESV 1927 Regensburg trifft an den nächsten drei Spieltagen auf die Top drei der 2. Handball Bundesliga Frauen. Fotos: Hans-Christian Wagner

Melina Hahn vom ESV 1927 Regensburg ist eine Handballerin, die von ihrer Spielfreude lebt. Diese Freude war der 21-Jährigen bei den Bad Wildungen Vipers, für die sie als 18-Jährige erstmals in der Bundesliga auflief, abhandengekommen.

Melina Hahn hat mit ihren gerade einmal 21 Jahren bereits einiges erlebt. Man kann wohl behaupten, sie hatte in ihrer noch jungen Handballerinnen-Laufbahn nicht nur Harz sondern teilweise auch Pech an den Fingern.

Dabei wäre Hahn beinahe gar nicht zum Handball gekommen, obwohl sie in einer Handballer-Familie aufwuchs. Ihre Eltern sind immer noch als Trainer und Spieler in der Heimatstadt Baunatal in Nordhessen aktiv. Bruder Finley spielt in der ersten und zweiten Mannschaft der HSG Baunatal. „Ich habe lange geturnt, wollte gegen den Strom schwimmen. Ich habe gesagt: Ich mache alles außer Handball.“ Allzu lange hielt dieser Entschluss aber doch nicht. Im Alter von zehn Jahren begann Hahn  mit dem Handball-Sport.

Plötzlich erste Bundesliga

Die 1,63 Meter kleine Rückraumspielerin wechselte 2020 zum damaligen Drittligisten SV Germania Fritzlar. In der Saison 2021/22 gewann sie – ausgestattet mit einem Doppelspielrecht – mit der HSG Baunatal die Hessenmeisterschaft. Denkbar spannend verlief die Saison 2022/23. Hahn bekam im Dezember 2022 eine Trainingseinladung vom damaligen Erstligisten Bad Wildungen Vipers, für sie war dies „total überraschend“.

Fortan trainierte sie montags und mittwochs in Bad Wildungen mit. „Ich bin dann dort langsam reingeschlittert“, erzählt sie. Im Januar 2023 starteten die Gespräche für die neue Saison. Im Raum stand ein Doppelspielrecht für Bad Wildungen und Fritzlar. Dieses ist allerdings nicht für Regionalligisten gültig. Hahn stieg mit Fritzlar  am letzten Spieltag ab, aus dem Doppelspielrecht wurde nichts. Aus Bad Wildungen sei dann aber das Signal gekommen: „Wir trauen dir den nächsten Schritt zu.“

Bad Wildungen bricht auseinander

Die folgenden zwei, höchst unterschiedlichen Saisons verbrachte Hahn durchgängig bei den Bad Wildungen Vipers. In der ersten Saison war Hahn das, was man als „Ergänzungsspielerin“ bezeichnet. Wenn andere Spielerinnen ausfielen, bakam sie ihre Chancen. So machte sie immerhin 20 Tore in der Handball Bundesliga Frauen (HBF), konnte den Abstieg ihres Teams aber nicht verhindern.

Zur Saison 2024/25 wurde Peter Schildhammer neuer Trainer der Vipers. Vier Spieltage vor Saisonende wurde er entlassen. Die Bad Wildungen Vipers stiegen dennoch in die dritte Liga ab, für Melina Hahn war es somit der dritte Abstieg in drei aufeinanderfolgenden Saisons. Rückblickend sagt Hahn über ihre Laufbahn in Bad Wildungen: „Es war eine sehr prägende Zeit. Ich habe menschlich sehr viel über mich gelernt, zum Beispiel wie man mit Druck umgeht.“

„Sehr anstrengend“ sei es gewesen. Es habe Themen mit dem Trainer und mit dem Vorstand gegeben, erwähnt sie, verständlicherweise ohne ins Detail gehen zu wollen. Nur soviel: „Alles was schief laufen kann, ist schiefgelaufen.“ Deswegen sei sie dann nach der Saison „sehr ausgelaugt“ gewesen. Auf Nachfrage gibt sie dann  preis: „Die Mannschaft hat sich nicht gut mit dem Trainer verstanden. Der Verein hat sich zu spät von ihm getrennt. Zwei Spielerinnen haben den Verein vorzeitig verlassen. Die Mannschaft war gespalten.“

Neustart in Regensburg

Hahns Wechsel nach Regensburg, er hatte sich angedeutet. Bereits im Dezember 2024 gab es erste Gespräche. Zu diesem Zeitpunkt studierte Hahn noch in Kassel, sagte daher dem ESV 1927 Regensburg ab. Die darauf folgenden Entwicklungen in Bad Wildungen sorgten allerdings für ein Umdenken. Als der Verein im März 2025 nochmals anklopfte, ließ sich die 21-Jährige von Trainer Bernhard Goldbach und dem Sportlichen Leiter Robert Torunsky vom „familiären Umfeld“ überzeugen.

Nun zeigt Hahn – aus ihrer Sicht – konstantere Leistungen, auch wenn sie bereits in Bad Wildungen in der Vorsaison mit 126 Toren teamintern die erfolgreichste Werferin  war. Sie betont: „Hier geht es harmonisch zu, deswegen kann ich meine Leistung erst richtig abrufen.“ Dies wirkt insbesondere mit Blick auf ihre Spielweise logisch. Hahn ist eine Spielerin, die „gerne mal rum tricktst“, und die Gegenspielerinnen „verarscht“, wie sie es ausdrückt. Pässe durch die Beine und hinter dem Rücken gehören zu ihrem Repertoire.

Nach der Länderspielpause kann sie diese Varianten am kommenden Samstag (18.30 Uhr) im Auswärtsspiel beim HC Rödertal endlich wieder zeigen. Tabellarisch geht es für die sechstplatzierten Oberpfälzerinnen um nichts mehr. Hahn sagt: „Wir haben  immer die Einstellung, gewinnen zu wollen. Das ist als Leistungssportler normal.“ Es gelte alles reinzuwerfen. Besonders in den Heimspielen, vor den „unglaublichen Fans“. Wenn sie das so erzählt, dann merkt man ihr an, dass sie die Freude am Handball wiedergefunden hat.

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