HSG Konstanz-Außenspieler Maxim Pliuto vor Saisonstart selbstbewusst: „Wir fahren mit einer breiten Brust nach Kornwestheim“
Nach Platz zehn in der vergangenen Saison soll es mit der HSG Konstanz in der kommenden Saison wieder aufwärts gehen. Foto: Michael Elser
Maxim Pliuto spielt seit 2023 für die HSG Konstanz und ist eine der Konstanten im Team von Trainer Ralf Bader. Der gelernte Industrikaufmann, der aktuell seinen Berufsbachelor macht, spricht im Interview mit „Logbuch Sport“ über die Außenspielerposition als eigene Welt, seine Erkenntnisse aus der Saisonvorbereitung und seine ambitionierten Saisonziele.
Herr Pliuto, am Samstag um 19.30 Uhr startet die HSG Konstanz mit einem Auswärtsspiel beim amtierenden Meister SV Salamander Kornwestheim in die neue Saison. Wie groß ist die Vorfreude?
Maxim Pliuto: Auf jeden Fall riesig. Wir haben alle lange darauf hingearbeitet, dass es losgeht. Natürlich ist das ein starker Gegner am Anfang, aber man muss sowieso gegen jeden spielen. Die Vorbereitung war schon sehr lang, auch wenn wir gute Ergebnisse hatten. Aber ja, wir freuen uns sehr.
Kornwestheim hat sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Konstante in der 3. Liga entwickelt. Was macht die Mannschaft so unangenehm und worauf wird es am Samstag besonders ankommen?
Maxim Pliuto: Kornwestheim hat kaum Neuzugänge und Abgänge. Sie spielen gefühlt schon ewig zusammen und kennen sich daher sehr gut. Ich denke, wir müssen auf uns schauen und unsere Stärken einbringen, viel aufs Tempo drücken und mit unserer neuen Abwehr unsere Zweikämpfe gewinnen. Wir fahren mit einer breiten Brust dahin und wollen uns dort nicht verstecken. Klar sind sie Meister und haben bereits zwei Pflichtspiele gespielt. Es kann sein, dass das ein Vorteil für sie ist, es kann aber auch sein, dass das ein Vorteil für uns ist. Das werden wir am Samstagabend sehen.
Sie haben es bereits angedeutet: Kornwestheim verlor im DHB-Pokal mit 29:33 gegen die Rhein-Neckar Löwen und siegte zum Drittligaauftakt mit 40:36 gegen Aufsteiger SG Regensburg. Somit dürften „die Lurchis“ deutlich mehr im Spielrhythmus sein, was ein entscheidender Vorteil sein könnte.
Maxim Pliuto: Sie sind in der Saison seit zwei Wochen drin. Für uns fängt die Saison erst jetzt an. Das werden wir am Samstag sehen, wer den Vorteil hat.
Von vielen wird Zweitliga-Absteiger HC Oppenweiler/Backnang als Meisterschaftsfavorit genannt. Wen haben Sie auf der Rechnung?
Maxim Pliuto: Ich denke, dass Oppenweiler auf jeden Fall oben dabei sein wird. Kornwestheim aber auch. Sie sind schon seit Jahren oben am Wühlen. Ich würde uns aber auch nicht rausnehmen. Klar war die letzte Saison nicht so erfolgreich, aber es hat sich jetzt vieles bei uns verändert. Ich bin sehr guter Dinge, dass wir oben mitspielen werden. Heilbronn wird, denke ich, auch oben mitspielen. Pfullingen ist kein unbeschriebenes Blatt. Ich bin gespannt. Es wird ein offenes Rennen. Jeder will gegen jeden gewinnen. Das macht die 3. Liga Süd so offen. Es ist nicht wie in anderen Ligen, wo du fünf, sechs große Namen hast. In der 3. Liga Süd hast du auch große Namen, aber es ist enger. Letztes Jahr haben auch die Rhein-Neckar Löwen II lange oben mitgespielt. Ich bin gespannt.
Kapitän Michel Stotz berichtete im Gespräch mit Logbuch Sport von vielen Änderungen innerhalb des Vereins. Wie blicken Sie auf die Veränderungen und welche Veränderung macht aus Ihrer Sicht den größten Unterschied?
Maxim Pliuto: Die größte Veränderung ist schon die Abwehr, die jetzt deutlich mannorientierter ist. Wie Michel schon erzählt hat, haben sich auch viele Dinge im Verein verändert. Es wird jetzt viel mehr auf das Krafttraining geachtet. Das Training ist auch anstrengender.
Also, ihr geht mit einer außergewöhnlich hohen Fitness in die neue Saison?
Maxim Pliuto: Ja, den Eindruck hatte ich in den Testspielen. Wir haben auch positive Rückmeldungen von den Fans bekommen. Man merkt, dass wir fitter sind.
Die Saisonvorbereitung startete denkbar ungünstig mit einer schweren Knieverletzung von Jannik Hohlweg. Der Neuzugang fällt offenbar bis November aus. Welchen Einfluss hat das auf die kommende Saison?
Maxim Pliuto: Er fehlt uns. Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr hat er in den ersten Wochen gezeigt, dass er sehr gut zu uns passt. Leider hat er kein Testspiel mitgemacht. Wir freuen uns, wenn er wieder zurückkommt und uns weiterhilft. Das Gleiche gilt auch für die anderen Verletzten. Jonas Hadlich hat sich ja leider das Kreuzband gerissen und fällt wahrscheinlich für die ganze Saison aus. Tim Enninghorst hat sein Kreuzband angerissen und kommt voraussichtlich in drei oder vier Wochen zurück.
Die Vorbereitung verlief insgesamt erfolgreich, nur gegen Europapokalteilnehmer Pfadi Winterthur gab es eine 38:39-Niederlage. Wie aussagekräftig sind solche Ergebnisse kurz vor dem Saisonstart?
Maxim Pliuto: Von den Ergebnissen her lief die Vorbereitung wirklich gut, aber klar: Vorbereitung ist Vorbereitung. Da gewinnst du keine Punkte, aber wir gehen mit einem echt guten Gefühl, mit Selbstvertrauen, in die neue Saison. Man hat in den Testspielen gesehen, dass wir auch mit den Topteams mithalten können, zum Beispiel mit Pfadi Winterthur. Sie haben vor ein paar Wochen noch gegen Bundesligamannschaften getestet und auch nur relativ knapp verloren (33:37 gegen Wetzlar und 29:34 gegen Bietigheim, 31:29-Sieg gegen den Zweitligisten HSC 2000 Coburg; Anm. der Red.). Wir waren da echt auf Augenhöhe. Dann war gegen Bregenz, den österreichischen Rekordmeister, das Spiel zur Halbzeit quasi schon gelaufen. Da hatten wir schon deutlich geführt. Wir nehmen wirklich sehr viel Selbstvertrauen mit und wissen, was unsere Stärken sind. Wir brauchen uns vor niemandem verstecken.
Wie kann man sich die letzten Tage vor dem Saisonauftakt vorstellen. Man kann jetzt ja nicht mehr den Handball neu erfinden, oder?
Maxim Pliuto: Wir sind mit den taktischen Themen durch. Es geht um Wiederholungen. Wir spielen viel, laufen viel. Gehen die Spielzüge nochmal durch. Damit jeder noch mehr in dem System drin ist und weiß, was er zu tun hat. Aber viele neue Sachen kommen da jetzt nicht. Wir bereiten uns auf den Gegner vor, schauen was sie so machen.
Sie gehen nun bereits in die dritte gemeinsame Saison mit Ihrem Bruder Nikita in Folge. Geht man sich langsam auf die Nerven oder geht es noch?
Maxim Pliuto: Auf keinen Fall. Ich finde das wirklich okay, dass er vor drei Jahren zu uns gewechselt ist. Wir sind in sehr gutem Kontakt. Das macht Spaß, wenn jemand aus der Familie hier ist. Klar, es war nicht der ausschlaggebende Grund für seinen Wechsel, dass ich hier bin, aber ihm hat es auch direkt sehr gut gefallen und er hat jetzt auch ein Studium angefangen. Also nee, auf die Nerven geht er mir nicht. Noch nicht.
Im März wurde bekanntgegeben, dass Sie Ihren Vertrag bei der HSG Konstanz bis 2028 verlängert haben. Sie wuchsen in Aurich in Ostfriesland auf, vermissen Sie nicht manchmal den Norden Deutschlands?
Maxim Pliuto: Auf jeden Fall. Man weiß, wo man herkommt. Es ist dort auf jeden Fall ruhiger, dort ist keine Studentenstadt. Wenn du nach Hause kommst, dann hast du echt deine Ruhe und kannst runterkommen. Du hast die Nordsee. Aurich ist eine Urlaubsstadt. Norddeich, Norderney, Juist. Das sind auch alles Urlaubsorte. Da kann man echt komplett runterfahren. Da hast du deine Ruhe, deine Freunde, Familie. Oft fahre ich natürlich nicht nach Hause wegen der Entfernung und der Saison, aber so zweimal im Jahr versuche ich schon, dass ich mich dort blicken lasse.
Mit 26 Jahren kommen Sie immer mehr ins beste Handballeralter. Verändert das Ihre Rolle innerhalb der Mannschaft?
Maxim Pliuto: Das stimmt. Ich bin letzte Woche 26 geworden. Man sagt schon, dass man so mit 25, 26 sein bestes Handballeralter erreicht. Ich bin mittlerweile erfahrener und will mehr Verantwortung übernehmen und so ein bisschen für die Jüngeren da sein und so ein, zwei Tipps geben, auch wenn das als Außenspieler immer ein bisschen schwieriger ist. Man kann es aber auch anders bewerten: Von außen siehst du es ein bisschen besser. Genau, ich will viel für die Jungen da sein.
Das Außenspieler-Dasein ist schon ein Stück weit eine eigene Welt, kann man das sagen?
Maxim Pliuto: Ja, das denke ich schon. Du hast Spiele, da läufst du nur hoch und runter. Du hast aber auch Spiele, da hast du zehn, zwölf Würfe. Das mag ich an dieser Position, dass du nie weißt, ob du heute nur rennst oder viele Tore machen kannst. Das ist immer eine Überraschung. Als Außenspieler bekommst du meistens den Ball, wenn du wirklich zum Abschluss gehst. Du spielst wenige Pässe. Wenn du den Ball hast, dann hast du die Aufgabe, ein Tor zu machen. Das macht die Position aus. Du musst als Erster vorne und hinten sein.
HSG-Geschäftsführer Andre Melchert attestiert Ihnen „noch Potenzial, um in den nächsten Jahre weitere Schritte zu machen“. Wie sollen diese aussehen?
Maxim Pliuto: Ich denke, dass es im athletischen Bereich noch Potenzial gibt. Wir haben einen eigenen Kraftraum, das lässt sich gut handeln. Da liegt am meisten Potenzial.
Was muss passieren, dass Sie am Ende der Saison mit einem positiven Gefühl zurückblicken können?
Maxim Pliuto: Mein Ziel ist es, in die Aufstiegsrunde zu kommen. In der Aufstiegsrunde hast du sehr gute Gegner, da ist immer alles offen. Ich will, dass man am Ende der Saison sagt, dass wir zu den besten Drittligamannschaften Deutschlands gehören.
Das Interview führte Lukas Bergmann.
Dir gefällt, was du hier liest?
Ich stecke viel Energie und Zeit in die Recherche und die Interviews für Logbuch Sport. Wenn dir meine Texte einen Mehrwert bieten, freue ich mich über eine freiwillige Unterstützung via Stripe. Damit hilfst du mir dabei, dieses Projekt langfristig weiterzuführen. Du hast Themenvorschläge oder eine spannende Geschichte, über die ich berichten soll? Schreib mir gerne an redaktion@logbuch-sport.de.