SC Magdeburg und Co. ausgestochen: Warum sich Luca Sigrist für die MT Melsungen entschied

Luca Sigrist MT Melsungen

Vier Tore machte Luca Sigrist beim 44:23-Testspielsieg der MT Melsungen gegen die eigene Zweitvertretung. Foto: Heinz Hartung/MT

Mit seinem Wechsel zur MT Melsungen erfüllt sich Luca Sigrist einen Kindheitstraum: Der 20-jährige Schweizer spielt künftig in der Handball-Bundesliga. Warum er sich gegen namhafte Interessenten wie den SC Magdeburg entschied.

Es ist kein Geheimnis, dass Selbstvertrauen im Sport eine große Rolle spielt – erst recht, wenn man mit 20 Jahren in die wohl beste Liga der Welt wechselt. Da trifft es sich gut, dass Luca Sigrist mit dem HC Kriens-Luzern in der vergangenen Saison Historisches schaffte und erstmals in der Vereinsgeschichte die Schweizer Meisterschaft gewann. Der Rückraumspieler wurde zum MVP der Quickline Handball League ausgezeichnet.

Es war eine Saison, die ihm persönlich sehr gut tat: „Ja, ich konnte wirklich Selbstbewusstsein tanken. Es war eine gute abschließende Saison bei meinem Heimatverein. Ich habe in der Schweiz gesagt, dass es so ein bisschen ein Bilderbuchabschluss ist. Jetzt ist das Ziel, die Welle, die ich gesurft habe,  weiter mitzunehmen und weiter gut zu performen hier in Deutschland.“

Luca Sigrist erklärt seine Entscheidung für die MT Melsungen

Dass Luca Sigrist nicht in der Schweizer Liga bleiben würde, war klar, zu stark waren seine Leistungen. Weil Luca Sigrists Kindheitstraum immer die deutsche Bundesliga, die für ihn beste Liga der Welt war, kamen für ihn auch die Angebote vom Handball Club Nantes und von RK Zagreb nicht in Frage. Somit entschied sich das Rennen um den talentierten Rückraumspieler zwischen dem SC Magdeburg und der MT Melsungen.

Der 20-Jährige entschied sich vergleichsweise schnell für ein Engagement in Nordhessen: „In Magdeburg bist du bei einem Spitzenteam, das performen muss. Ich glaube, dass es eher schwierig ist, die ersten Schritte in so einem Team zu machen. Ich möchte natürlich auch Spielzeit kriegen, mich selbst weiterentwickeln und natürlich möchte ich dem Verein helfen, sich weiterzuentwickeln, vielleicht auch die erste Meisterschaft irgendwann zu holen. Deshalb war es das Gesamtpaket, das in Melsungen gepasst hat.“

Eine Trainerfrage

Auch die Trainerfrage spielte bei der Entscheidung des gebürtigen Luzerners eine Rolle. In der kommenden Saison wird Roberto Garcia Parrondo in seine sechste und letzte Saison als MT-Coach gehen, denn der Spanier wird zur Saison 2027/28 Paris Saint-Germain übernehmen. Als Nachfolger gaben die Nordhesser bereits den ehemaligen Füchse-Trainer Jaron Siewert bekannt. 

In der Theorie könnten sowohl Parrondo als auch Siewert zu Sigrist passen, allerdings auf eine ganz unterschiedliche Art und Weise. Sigrist meint: „Roberto hat diese Spielsteuerung, wo ich mich verbessern möchte, perfektioniert.“ Der junge Schweizer verweist darauf, dass er als Mittelmann die Spielzüge ansagen und die richtigen Momente und Situationen erkennen muss. In diesen Momenten der Entscheidungsfindung sei er mitunter noch zu hastig, mache zu viele Fehler.

Die „Spanische Schule“ von Parrondo könnte Sigrist dabei helfen, diese Probleme abzustellen, denn in Spanien wird viel Wert auf das Zusammenspiel mit dem Kreisläufer gelegt. Sigrist verweist auch auf das Ausspielen von Zwei-gegen-Zwei-Situationen und das Spiel mit einrückenden Außenspielern: „Das ist sicher auch ein großer Bestandteil  und auch etwas, was ich mag, Zwei-gegen-Zwei zu spielen mit dem Kreisläufer, egal ob es jetzt eine aufgebaute Situation ist oder einfach ein Eins-gegen-Eins, wo dann noch ein passender Kreisläufer hinzukommt. Das mache ich beides gerne. Natürlich haben wir jetzt ein Augenmerk darauf, dass eben diese Zwei-gegen-Zwei-Situationen dann gut gelöst werden.“ 

Schmid, Balenciaga und Siewert

Bei seiner Entwicklung helfe es derweil „extrem viel“, von Positionskollegen im Training zu lernen. Zwischen 2022 und Anfang 2024 spielte Sigrist mit Andy Schmid in Luzern, seither ist Schmid Sigrists Trainer bei der Schweizer Nationalmannschaft. In Melsungen soll nun Erik Balenciaga zu einer Art Mentor für den Neuzugang werden, denn auch Sigrist weiß, dass kein Trainer der Welt auf alle Spieler gleichzeitig achten kann und dass er noch viel hinzulernen kann und muss. 

Ab 2027 wird dann Jaron Siewert das Traineramt in Melsungen übernehmen. Siewert gilt als Trainer, der das Eins-gegen-Eins-Spiel forciert, eine moderne Spielweise, die zu den Stärken von Sigrist passen sollte, wie dieser betont. Die Füchse Berlin hatten sich im September 2025 überraschend von Siewert getrennt, nachdem der Verein unter ihm erstmals die deutsche Meisterschaft gewann.

Lieblingsposition und Trainingseindrücke

Spannend zu sehen sein wird, auf welcher Position Sigrist eingesetzt wird, denn der MT-Neuzugang kann auf allen drei Rückraumpositionen spielen. Der 20-Jährige betont: „Ich fühle mich in der Mitte am wohlsten, da weiß ich, was passiert, da kann ich mich und andere in Situationen bringen. Links und rechts kann man natürlich mitreden, aber man wird in Situationen gestellt. Das kann ich auch und mache ich auch gerne, aber am Liebsten spiele ich schon in der Mitte.“

Seit etwa zwei Wochen trainiert die MT Melsungen nun schon wieder. Sigrist berichtet von keinen allzu großen Unterschieden zwischen Kriens-Luzern und Melsungen: „Ich glaube schon, dass es ziemlich ähnlich ist. Kriens-Luzern ist schon ziemlich professionell unterwegs, deshalb sind die Unterschiede jetzt nicht gigantisch. Natürlich sind die Zweikämpfe härter hier in Deutschland, vielleicht ist der Kader nochmal einen Tick besser. Das spürt man schon, aber vom Aufbau des Trainings und grundsätzlich ist es eigentlich ziemlich ähnlich.“

Spannenderweise hat sich der HC Kriens-Luzern offenbar viel von den Rhein-Neckar Löwen abgeschaut, was von erstaunlich vielen Spielern und Vereinen zu hören ist. Wie Löwen-Nachwuchskoordinator Martin Berger im Interview mit „Logbuch Sport“ erzählte, ist dort wiederum der skandinavische Einfluss groß. In Skandinavien wird großer Wert auf den Spaß am Spiel und auf die individuelle Entwicklung gelegt.

Richtig mitspielen

Sigrist allerdings redet lieber über mannschaftliche als über persönliche Ziele. Der Schweizer, der in der vergangenen Saison mit Kriens-Luzern in der European League spielte, die die MT Melsungen sensationell gewann, freut sich besonders auf die Champions League. Man wolle dort nicht nur dabei sein, sondern „richtig mitspielen“. Was ja wiederum auch ein gutes Motto für ihn selbst sein könnte.

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