Schwerer Schritt: Warum Lisa Schipper zum ESV Regensburg wechselt

Lisa Schipper ESV Regensburg

Lisa Schipper ist wieder fit und möchte nun mit dem ESV 1927 Regensburg angreifen. Foto: Hans-Christian Wagner

Lisa Schipper wechselt von der SG Kappelwindeck/Steinbach zum ESV 1927 Regensburg in die 2. Handball Bundesliga Frauen. Vor ihrem Abschiedsspiel am Sonntag (14.30 Uhr, Sportschule Steinbach), in dem die beiden Vereine aufeinandertreffen, spricht die 23-Jährige über den schweren Abschied und ihre Entscheidung für Regensburg.

Probetrainings sind immer ein Stück weit eine Reise ins Ungewisse: Man kennt die Mannschaft nicht, man kennt den Trainer nicht, man kennt die Art und Weise des Trainings nicht. Auch für Lisa Schipper sind Probetrainings „immer ein bisschen schwer“.

Das ein oder andere hat sie dennoch absolviert und sich dann für einen Wechsel zum ESV 1927 Regensburg entschieden. „Ich habe mich in Regensburg am Wohlsten gefühlt, weil es eine echt junge Mannschaft ist und ich dort beim Probetraining super schnell reingefunden habe“, erklärt die 23-Jährige. „Es ist immer jemand da gewesen, der sich um einen gekümmert hat und mit einem geredet hat. Ich konnte in Regensburg am Befreitesten trainieren, einfach meinen Kopf ausschalten und Handball spielen.“ Schippers Eltern beobachteten, dass sie nach dem Probetraining in Regensburg am Glücklichsten nach Hause kam, somit fiel die Entscheidung ziemlich schnell.

Ein Abschied, der schwerfällt

Was nicht bedeutet, dass sie einfach war, denn Schipper spielte zuvor neun Jahre lang bei der SG Kappelwindeck/Steinbach, fand dort ihre besten Freundinnen, mit denen sie bis in die 3. Liga zusammen spielte. In der Jugend war sie einige Jahre lang von ihren Eltern trainiert worden: „Es hat mich total gefreut, dass meine Eltern dabei sind, bei dem, was ich voller Leidenschaft mache, das war auf keinen Fall ein Druck“, sagt die Kreisläuferin rückblickend.

Trotz ihrer familiären und freundschaftlichen Verwurzelung verlässt sie ihre badische Heimat nun und wirkt schon ein wenig emotional, wenn sie darüber spricht: „Das war schon total traurig dort wegzugehen, aber mir wurde viel zugesprochen, dass das das Richtige ist, dass ich weggehe muss von dem Verein, wenn es um die Leistung geht und dass sich menschlich nichts verändern wird. Das hat es mir leichter gemacht, zu sagen, dass ich das schaffe. Das ist auch die richtige Entscheidung und da stehen alle voll hinter mir.“

Eine prägende Persönlichkeit und unschöne Verletzungen

Eine prägende Persönlichkeit in Kappelwindeck war für Schipper Arnold Manz, der sieben Jahre lang ihr Trainer war. „Er war im Handball wie so ein zweiter Papa für mich, kann man schon fast sagen“, so Schipper. Manz war es auch, der ohne Schipper einzuweihen, ein Abschiedsspiel für sie organisierte. „Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt, was für ein super Mensch er ist“, betont sie.

Das Abschiedsspiel hat aber auch den wenig erfreulichen Hintergrund, dass Schipper das Ende der vergangenen Saison verpasste. Sie war im Training auf einem Ball ausgerutscht und riss sich diverse Bänder. Schon in der Saison zuvor verpasste sie aufgrund eines Ermüdungsbruchs im rechten Fuß einige Spiele. Schipper befindet sich allerdings auf dem Weg der Besserung und wird auf diesem von einer Physiotherapeutin unterstützt. Ihre Ausbildung zur Sport- und Bewegungstherapeutin hilft ihr zusätzlich: „Klar, ich habe noch meine Unsicherheiten, der Fuß ist noch nicht zu 100 Prozent fit, aber ich habe keine Schmerzen mehr. Ich bin damit zufrieden, wie ich wieder ins Hallentraining eingestiegen bin.“

Viel Positivität und ein paar Fragezeichen

Am Mittwoch vergangener Woche startete der ESV Regensburg in die Vorbereitung. Schippers positiver Eindruck hat sich bestätigt, sie fühlt sich in der Mannschaft wohl und erzählt, schon zum gemeinsamen Baseballschauen eingeladen worden zu sein. „Man findet dort total viel Anschluss an die Mannschaft. Das Training ist zwar total ernst, aber man hat trotzdem immer noch ein bisschen Spaß“, berichtet sie. Ihren neuen Coach Bernhard Goldbach nimmt sie als „total fürsorglich“ wahr, auch wenn er das Team „wirklich“ an die Grenzen bringe.

Von entscheidender Bedeutung wird sein, wie die Mannschaft die Abgänge kompensieren kann. Mit Julika Birnkammer verlässt eine der Leistungsträgerinnen die Mannschaft in Richtung Bundesliga. Anna Ehmann, ein 18-jähriges Talent, kommt als Ersatz von Frisch Auf! Göppingen. Am Kreis folgt Schipper auf Lisa Opitz, die sich auf ihre berufliche Laufbahn mehr konzentrieren will und zu den Kurpfalz Bären gewechselt ist. Als Rückkehrerin wurde Natascha Fabritz vorgestellt.

Mitten im Geschehen

„Das Ziel wird es sein, wieder so abzuschneiden wie in diesem Jahr oder besser. Die letzte Saison war total gut. Daran wollen wir anknüpfen und uns in einzelnen Bereichen wie der Athletik noch verbessern, um dadurch vielleicht sogar noch einen Rang besser zu sein in der kommenden Saison“, blickt Schipper auf die Zielsetzung für die neue Spielzeit. Sie selbst möchte dazu beitragen. Nicht nur mit eigenen Toren: „Man hat als Kreisläuferin immer einen Einfluss auf das Spiel, auch wenn man nicht an den Ball kommt.“ Ihre Position mitten im Gerangel sei daher alles andere als undankbar.

Dir gefällt, was du hier liest?

Ich stecke viel Energie und Zeit in die Recherche und die Interviews für Logbuch Sport. Wenn dir meine Texte einen Mehrwert bieten, freue ich mich über eine freiwillige Unterstützung via Stripe. Damit hilfst du mir dabei, dieses Projekt langfristig weiterzuführen.

[Hier klicken: Support via Stripe – Betrag frei wählbar]