Lisa Fuchs: Wie die 20-Jährige von der TG Nürtingen die 2. Bundesliga dominiert
Lisa Fuchs (am Ball) hat mit der TG Nürtingen die vergangenen sieben Spiele in der 2. Handball Bundesliga der Frauen gewonnen. Foto: Marco Schultz
Spielmacherin Lisa Fuchs von der TG Nürtingen ist in dieser Saison mit Abstand die erfolgreichste Torschützin und Assistgeberin der 2. Handball Bundesliga der Frauen. Ein Porträt über eine 20-Jährige, die mit ihrem Verein noch viel vorhat.
Das Wort „dominieren“ ist zugegebenermaßen ein starkes Wort, insbesondere wenn es im Kontext mit einer gesamten Liga verwendet wird und diese dann auch noch die zweithöchste Spielklasse des gesamten Landes ist. Mit Blick auf die Saison der 20-jährigen Lisa Fuchs, Spielmacherin der TG Nürtingen, kommt man aber kaum um diese Formulierung herum. Fuchs erzielte in der laufenden Saison der 2. Handball Bundesliga bereits 158 Tore und legte weitere 93 Treffer auf. In beiden Kategorien grüßt die Erlangerin, die vor der vergangenen Spielzeit nach Nürtingen gewechselt ist, mit deutlichem Abstand an der Ligaspitze.
Dies liegt auch daran, dass mit Leonie Dreizler eine wichtige Rückraumspielerin seit Anfang Januar verletzt fehlt. Vor der Verletzung hatten sich Dreizler und Fuchs die Sieben-Meter geteilt, seitdem ist Fuchs die alleinige Sieben-Meter-Werferin und nun mit 60 Treffern ligaweit die zweiterfolgreichste Werferin von der Sieben-Meter-Linie.
Fuchs ist eine Spielerin, die am liebsten in der Mitte des Rückraums spielt, die aber auch auf der Halbposition eingesetzt wird. Mit der Zeit hat sich die Erlangerin weiterentwickelt, sie nimmt nun mehr Würfe. „Früher habe ich weniger für mich selbst gemacht, jetzt übernehme ich mehr Verantwortung“, beschreibt die 20-Jährige diese Entwicklung ein wenig so, als sei sie bereits ein „alter Hase“.
Verschiedene Charaktere und neue Varianten
Fuchs bezeichnet sich trotz gestiegener Verantwortung als „eher ruhigere Spielerin. Das passt aber ganz gut. Wir haben verschiedene Charaktere auf dem Spielfeld.“ Auffällig ist bei einem Blick auf den offiziellen Kader auf der Liga-Webseite: Bis auf vier Ausnahmen sind alle TGN-Spielerinnen 23 Jahre oder jünger. „Wir sind alle extrem trainingsfleißig. Aber ja, das Alter macht schon einen Unterschied. Dadurch war es für mich einfacher, mich einzufinden. Aber klar: In manchen Spielen hätte uns vielleicht auch mehr Erfahrung gutgetan“, glaubt die 20-Jährige, die Soziale Arbeit in Esslingen studiert mit Blick auf die fünf Saisonniederlagen, darunter das Pokalspiel gegen den VfL Oldenburg. Bei vier dieser Niederlagen fehlte nur ein Tor zu einem Unentschieden, beim Spiel beim ESV Regensburg waren es zwei.
Dies kann die Zwischenbilanz des Tabellenzweiten aber nur unwesentlich trüben. Die mit 679 Treffern mit weitem Abstand beste Offensive der Liga hat sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich weiterentwickelt. „Das Grundkonzept ist gleich geblieben, aber wir haben in allen Bereichen ein oder zwei Varianten mehr“, erklärt Fuchs. Eine klare Stärke der Nürtingerinnen ist das Tempospiel, hinzu kommen Varianten wie das sogenannte „Leerkreuzen“, bei dem Rückraumspielerin und Kreisläuferin die Position wechseln. „Relativ komplex“ sei die Spielweise insgesamt, so Fuchs, die auf die gemeinsamen Videobesprechungen mit Trainer Manel Cirac hinweist.
Eine Mischung, die zu passen scheint
Der 37-jährige Hauptübungsleiter, der seinen Vertrag bis 2027 verlängert hat, hat herausgefunden, mit welchen Spielzügen sich welche Spielerinnen am Wohlsten fühlen. Und er ist auch in einer anderen Hinsicht variabel, denn er analysiert genau, welche Spielzüge gegen welchen Gegner funktionieren. Es ist eine Mischung, die sehr gut zu passen scheint.
Von außen wirkt somit vieles so, als sei diese Mannschaft erstligareif, zumal der Verein die Lizenz für die erste Liga beantragt hat – im Gegensatz zum punktgleichen Tabellendritten HC Rödertal. Doch die Füchse Berlin – ebenfalls punktgleich und aktuell auf Rang vier – wollen ebenfalls in die erste Bundesliga. Das Gleiche gilt natürlich für den souveränen Tabellenführer HC Leipzig.
Lust auf Revanche
„Wir versuchen, die nächsten zehn Spiele zu gewinnen. An den Aufstieg denkt noch niemand“, meint Fuchs. Sicherlich auch in dem Wissen, dass es das weitere Programm nach der dreiwöchigen Länderspiel- und DHB-Pokalpause in sich hat: Vier der nächsten fünf Gegner liegen in den Top sechs der Tabelle. Am drittletzten Spieltag warten dann auch noch die Füchse Berlin, bei denen die Schwäbinnen in der Hinrunde mit 26:27 verloren hatten. Gegen den HSV Solingen-Grafräth 76 (nächster TGN-Gegner am 21. März), den ESV 1927 Regensburg und den HC Leipzig gab es in der Hinserie die weiteren Liga-Niederlagen. Kurz gesagt: Von den Topteams konnte man nur gegen den HC Rödertal gewinnen.
„Gegen diese Mannschaften, gegen die wir in der Hinrunde verloren haben, wollen wir in der Rückrunde erst recht gewinnen“, weiß Fuchs, dass bis auf Rödertal alle Top-Sechs-Teams in der Rückrunde nach Nürtingen kommen müssen. In der Sporlastic-Arena hat die TG Nürtingen in dieser Saison jedes Spiel gewonnen und den ein oder anderen Gegner sogar mit einer deutlichen Pleite auf die Heimreise geschickt. Fuchs jedenfalls will dazu beitragen, dass die TG Nürtingen diese Heimstärke auch weiterhin beibehält.
Die Entwicklung soll weitergehen
Dann wäre an der TG Nürtingen im Kampf um Rang zwei, der zur Teilnahme an der Relegation berechtigen würde, kaum noch ein Vorbeikommen. „Klar, man kann schon sagen, dass der Aufstieg ein Traum wäre. Das wäre schon cool. Aber ob es realistisch ist, weiß ich nicht. Vor einem Jahr haben wir noch überhaupt nicht an so etwas gedacht“, erinnert sich Fuchs. Rückblick: Am 18. Januar 2025 verlor die TG Nürtingen mit 33:37 gegen den HC Rödertal und rutschte zur Saisonhalbzeit auf Rang sieben ins Tabellenmittelmaß ab. Bereits in der Rückrunde griffen dann aber die Rädchen immer besser ineinander. Nürtingen entwickelte sich zu einem absoluten Topteam, schloss die Saison auf Rang vier ab und bastelt nun am ganz großen Coup.
Gemeinsam mit Lisa Fuchs. Die 20-Jährige hat ihren Vertrag im Januar um eine weitere Saison verlängert. Das „Gesamtpaket“ in Nürtingen stimme einfach, deswegen habe es auch keine konkreten Gespräche mit Erstligisten gegeben. Vielleicht ist man in der kommenden Saison dann ja bereits selbst ein solcher.
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