Gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen Handball und Zähneputzen, Herr Karrenbauer?
Voller Fokus: Laurin Karrenbauer trifft mit seiner Mannschaft am Samstag (20 Uhr) auf Saase³Leutershausen. Foto: RNL/Tanja Sommer
Laurin Karrenbauer von der zweiten Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen hat eine nahezu unglaubliche Siebenmeter-Quote. Der 19-Jährige erklärt uns, worauf im Eins-gegen-Eins-Duell mit dem Torwart ankommt.
Machen wir uns nix vor: Einem Handballspieler dabei zuzusehen, wie er einen Sieben-Meter verwandelt, fühlt sich mitunter so an, wie das morgendliche Zähneputzen. Pflichtprogramm. Abhaken. Weiter geht´s.
Dass das nicht so simpel ist, wie es aussieht, kann ausgerechnet einer erzählen, bei dem es besonders einfach aussieht. Laurin Karrenbauer, 19 Jahre alt, spielt in der 3. Liga Süd für die U23 der Rhein-Neckar-Löwen. Der Rückraumspieler aus Saarlouis beherrscht das Siebenmeter-Werfen außergewöhnlich gut.
Märchenhafte Statistiken
Für die Saison 2025/26 lesen sich die entsprechenden Statistiken fast schon märchenhaft: Von 52 Sieben-Metern verwandelte Karrenbauer, der aufgrund einer Operation wegen einer Fußverletzung sieben Spiele zwischen Mitte Dezember und Anfang Februar verpasste, 46. Das entspricht einer Quote von 88,46 Prozent. Zum Vergleich: Eine Quote von über 80 Prozent gilt bereits als überdurchschnittlich gut. In der ersten Bundesliga hat Andri Mar Runarsson mit 85,71 Prozent (12 von 14) die beste Quote. Spieler mit zehn oder weniger verwandelten Sieben-Metern berücksichtige ich an dieser Stelle nicht.
Auf was kommt es beim Werfen eines Siebenmeters an?
Karrenbauer, der zur Saison 2020/21 aus Saarlouis zum Internat der Rhein-Neckar Löwen wechselte, bestätigt: „Stimmt, das ist auch eine Stärke von mir. Natürlich ist es ein freier Wurf, aber jeder, der das schonmal gemacht hat weiß, dass es mit ein bisschen Druck gar nicht so einfach ist.“ Ist dieses Eins-gegen-Eins Duell, bei dem der Werfer drei Sekunden Zeit nach Pfiff des Feldschiedsrichters zur Ausführung des Wurfs hat, vor allem ein psychologischer Zweikampf oder spielt auch die Technik eine wichtige Rolle? „Es ist ein gutes Zusammenspiel. Selbst wenn man mehrere Wurfvarianten hat, kann sich der Torwart darauf einstellen“, erklärt Karrenbauer. Es komme darauf an, auch bei einer tiefen Armposition noch präzise werfen zu können. Das Handgelenk spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Karrenbauer auf seinen Sieben-Meter zu reduzieren, wäre allerdings unfair. Der 19-Jährige, der in der Mitte des Rückraums und im linken Rückraum einsetzbar ist, hat einen guten Schlagwurf. Er gilt als flexibel im Eins-gegen-eins, beschäftigt sich intensiv mit dem Sport. „Ich würde sagen, dass ich außerdem ein sehr gutes Spielverständnis habe. Ich kann das Spiel analysieren“, so Karrenbauer. Er sehe es außerdem als seine Aufgabe an, Ruhe ins Spiel zu bringen.
Ein Löwe im Aufbau
In einer Mannschaft, die in dieser Saison nochmals jünger ist, als sie es traditionell ohnehin schon immer ist, dürfte diese Qualität durchaus gefragt sein. „Als zweite Mannschaft hat man in der 3. Liga immer das grobe Ziel Klassenerhalt. Wir sind auf jeden Fall zufrieden, auch wenn wir Verletzungen hatten und ein paar Spiele unglücklich verloren haben“, bilanziert der Spielmacher. Obwohl der Tabellenfünfte beinahe in Schlagdistanz zu Platz zwei steht, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde reicht, sind die U23-Löwen nicht für den Aufstieg zugelassen.
Ausreichend Geld zum Leben könne man in der 3. Liga ohnehin nicht verdienen, erzählt Karrenbauer. „Deswegen ist es für mich sehr wichtig, mir neben dem Handball etwas aufzubauen.“ Im Oktober 2025 hat er ein BWL-Fernstudium begonnen. Manch einer würde behaupten, dies sei auch nicht viel spannender als Zähneputzen.
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