„Kein Thema“ – Drittliga-Boss Andreas Tiemann erteilt Spielplan-Reform eine Absage

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Mit über 490.000 Mitgliedern organisiert in gut 4.200 Vereinen ist der Deutsche Handballbund (DHB) der größte Handballverband der Welt. Quelle: DHB-Mediaportal

Andreas Tiemann ist Vorsitzender und Spielleitende Stelle Männer in der Spielkommission der 3. Liga. Was sperrig klingt, bedeutet, dass er im Grunde genommen der Chef der 3. Liga ist. Im Interview mit „Logbuch Sport“ spricht er über die Professionalisierung des Handballs, den Reformvorschlag von HSG Konstanz-Trainer Ralf Bader und die aktuelle Situation der 3. Liga.

Herr Tiemann, seit dem Einstieg des Streamingdienstes „Dyn“ hat sich die 2. Handball Bundesliga deutlich professionalisiert. Das muss Sie beim DHB doch erst einmal erfreuen.

Andreas Tiemann: Klar, je professioneller, desto besser ist es. Ich kriege das schon auch mit vor allem von den Aufsteigern und den Absteigern, was für Vorgaben es dort gibt. Ganz Handball-Deutschland kriegt mit, was für ein Aufwand dort betrieben wird.

Verstehen Sie den Frust mancher Drittligisten, die sich abgehängt fühlen?

Andreas Tiemann: Ich weiß gar nicht, ob es der Abstand insgesamt so viel größer geworden ist. Natürlich gibt es große Unterschiede was den Spieltagsablauf betrifft, die in den letzten Jahren immer größer geworden sind. Darüber hinaus gab es in der dritten Liga immer schon viele Profi- bzw. Halbprofitruppen.

Ralf Bader, Trainer der HSG Konstanz, sprach im Interview mit „Logbuch Sport“ an, dass die Professionalisierung des Handballs möglicherweise zu schnell vorangetrieben wurde. Können Sie diesen Gedanken nachvollziehen?

Andreas Tiemann: Ich kann diesen Gedanken nicht nachvollziehen und kann auch nicht bestätigen, dass es zu schnell ist.

Aber ist es nicht ein Stück weit grotesk, dass Mannschaften mit 22 Minuspunkten aktuell um den Aufstieg spielen?

Andreas Tiemann: Sagen wir es mal so: Um an der Aufstiegsrunde teilzunehmen, muss man mindestens den vierten Platz einer Staffel erreichen. Jetzt kann man sich trefflich darüber streiten, wie sinnvoll es ist, dass man als Vierter aufsteigen kann. Durch diese Regelung hat man auch eine Chance, wenn es zwei, drei starke Truppen gibt und noch weitere nicht-aufstiegsberechtigte Mannschaften. Man kann natürlich auch dafür argumentieren, dass nur der Meister aufsteigen oder an der Aufstiegsrunde teilnehmen sollte. Die Entscheidung trifft die Spielkommission, in der auch jeweils zwei Vertreter von Männer- und Frauenmannschaften sitzen.

Als Vorsitzender dieses Gremiums haben Sie aber auch ein Stimmrecht. Aber ich verstehe, Sie wollen Ihre private Meinung zu diesem Thema nicht äußern.

Andreas Tiemann: Ich sehe es als undemokratisch an, meine private Meinung über die des Gremiums öffentlich mitzuteilen.

Ralf Bader kritisiert auch, dass die Mannschaften aus der 3. Liga bis Anfang Juni nicht für die 2. Liga planen können. Müsste man nicht über eine Veränderung des Spielplans nachdenken?

Andreas Tiemann: Nein, das ist kein Thema. Die Aufstiegsrunden der 3. Liga haben ihren letzten Spieltag gleichzeitig mit der 2. Liga. Die Zweitligisten können auch nicht früher planen. Alle haben die gleiche Pause, deshalb gibt es für niemanden ein Vor- oder Nachteil. Die 3. Liga an sich ist bereits deutlich früher in der Sommerpause, so dass die Vereine ihre weiteren Planungen rechtzeitig voran treiben können.

Kommen wir zu einem anderen Thema. In der 2. HBL gibt es ziemlich viele Lizenzauflagen. Ein blauer HBL-Boden ist Pflicht. Es gibt Vorgaben für die Werbebanden. Es muss einen hauptamtlichen Geschäftsführer geben. Sind diese Auflagen nicht möglicherweise zu hoch und machen es vielen Drittligisten unmöglich, auch nur über die 2. Liga nachzudenken?

Andreas Tiemann: Die Auflagen für die 2. HBL werden von der HBL als Veranstalter vorgegeben. Darauf hat der DHB keinen Einfluss, so dass ich zu dem Thema nichts sagen kann.

Ein Vorschlag von HSG-Coach Bader ist es, die 3. Liga in zwei Staffeln einzuteilen statt wie bisher vier. Was halten Sie davon?

Andreas Tiemann: Das ist tatsächlich ein Thema, über das immer mal wieder intensiv diskutiert wird. Ein Grund für die vier Staffeln sind ja die diversen zweiten Mannschaften, die in der dritten Liga spielen. Viele Nationalspieler und Bundesliga-Spieler haben in diesen Mannschaften in jungem Alter Erfahrungen gesammelt und sich die nötige Wettkampfhärte geholt. Was man auch bedenken muss, ist, dass in vielen Gegenden in Deutschland die 3. Liga das Höchste ist, an dem eine Mannschaft teilnimmt. Man muss auch darüber nachdenken, was es bedeuten würde, wenn man ihnen das wegnehmen würde.

Bei einer Verkleinerung auf zwei Staffeln wäre dann möglicherweise nicht mehr viel Raum für die ersten Mannschaften. Andererseits wäre eine zweigliedrige dritte Liga gut für die Leistungsdichte. Sie würde aber auch massiv die Kosten erhöhen. Mannschaften aus Norddeutschland müssten möglicherweise ins Ruhrgebiet fahren, Teams aus dem Süden bis ins Rheinland. Ob das finanziell möglich und sinnvoll ist, weiß ich nicht. Das wird in den Landesverbänden diskutiert, am Ende entscheiden sie darüber und nicht der DHB. Zusammengefasst: Es gibt viele Gründe, warum wir gut aufgestellt sind, aber es gibt auch Gründe für eine Reform.

Abschließend: Was muss aus Ihrer Sicht gemacht werden, um die 3. Liga in eine positive Richtung zu entwickeln?

Andreas Tiemann: Grundsätzlich hält es sich ja immer die Waage zwischen Profitruppen auf der einen Seite und auf der anderen Seite zum Beispiel Aufsteiger, die bereits von den Anforderungen der 3. Liga beinahe überfordert sind. Wenn man rein auf die Zuschauerzahlen schaut, sind die zweiten Mannschaften natürlich nicht vorne dabei,  aber eigentlich sind die Zuschauerzahlen in Ordnung. Bei vielen Spielen sind über 1000 Zuschauer in der Halle. Wir haben jedenfalls immer ein Ohr bei den Vereinen und kriegen immer Input. Sicher gibt es Dinge, die man verbessern kann. Wenn jemand eine gute Idee hat, dann immer her damit.

Das Interview führte Lukas Bergmann.

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