Kai Häfner vor Karriereende? So ist der aktuelle Stand

Kai Häfner TVB Stuttgart

Kai Häfner ist noch noch immer mit einem außergewöhnlichen Torinstinkt ausgestattet. Foto: TVB Stuttgart/Marco Wolf

37 Jahre ist Kai Häfner alt und noch immer ist er ein absoluter Leistungsträger. Wir blicken mit ihm auf das Spiel seines TVB Stuttgart gegen den HC Hamburg zurück, sprechen über den nächsten Gegner, die Füchse Berlin um Welthandballer Mathias Gidsel und erfahren, welches Gefühl er nach seiner Karriere am meisten vermissen wird.

Trotz der 32:36-Niederlage beim SC Magdeburg dürften die Füchse Berlin auch in dieser Saison zu den besten Mannschaften der Handball Bundesliga gehören, zu hoch ist die Qualität des Teams um Welthandballer Mathias Gidsel. Somit gibt es wenig größere Herausforderungen für den TVB Stuttgart, als jene, die am Sonntag (16.30 Uhr) vor den Schwaben liegt. 

Die Devise des TVB muss und soll schon sein, sich auf sich selbst zu konzentrieren, doch dass das nicht ganz so einfach ist, weiß ein Routinier wie Kai Häfner natürlich ganz genau. „Es ist für alle Mannschaften grundsätzlich schwer gegen die Füchse Berlin, weil sie mit den schnellsten Handball überhaupt spielen. Das stellt jede Mannschaft vor Aufgaben. Uns dann wahrscheinlich auch“, gibt der 37-Jährige zu und schmunzelt. 

Gegen die Füchse Berlin muss alles passen

Während die Füchse für ihre Gegenstöße gefürchtet sind, haderte der TVB nach dem 34:34 beim HC Hamburg mit den eigenen Ballverlusten und Problemen im Umschaltspiel. Entsprechend gilt es laut Häfner für den TVB, gegen die Füchse im Angriff unnötige Fehler zu vermeiden. Mit klaren Ansprachen im Rückzug sollen die eigenen Probleme in den Griff bekommen werden.

Und dann ist da ja noch Welthandballer Mathias Gidsel. „Du kannst so einen Spieler nie ausschalten, das funktioniert einfach nicht. Du kannst versuchen, dass man es alles ein bisschen einengt, aber ausschalten kannst du so einen Spieler nicht“, so Häfner über den 27-Jährigen, der mit seinen sieben Toren auch gegen den SC Magdeburg wieder einmal der erfolgreichste Werfer seines Teams war. 

Der ganz normale Handball Bundesliga-Wahnsinn

Beim TVB war dies in den beiden ersten Saisonspielen jeweils Kai Häfner. Gegen den HC Hamburg verwandelte er acht seiner zehn Würfe. Während Zuschauer ein mitunter zähes und in der ersten Halbzeit von der Defensive geprägtes Spiel sahen, das auch in der zweiten Halbzeit aufgrund von einigen Unterbrechungen unrhythmisch aussah, blickt Häfner recht zufrieden auf das Remis in der Hansestadt zurück: „Das war ein enges Spiel, das wir etwa bis zur 40. Minute irgendwie unter Kontrolle hatten. Da müssen wir den Sack zu machen und das nach hause bringen. Ab der 45. oder 50. Minute müssen wir mit dem Punkt glücklich sein, weil Hamburg dann eher die Mannschaft war, die das Ding unter Kontrolle hatte und zwei Tore Vorsprung hatte. Von daher kann sich jeder mit dem Punkt zufrieden schätzen.“

In der zweiten Halbzeit bestrafte Hamburg die Stuttgarter Fehler mit Gegenstoßtoren. Häfner sah „ein paar einfache Fehler“. Diese resultierten sowohl aus Unachtsamkeiten der Gäste, als auch aus gedankenschnellen Handlungen der Hamburger. Insbesondere Dominik Axmann fing immer wieder Pässe ab und wurde trotz nur eines Tors zu einem heimlichen Matchwinner. Defensiv hatte der TVB in der zweiten Halbzeit nicht mehr allzu viel Zugriff, insbesondere der extrem starke Wirbelwind Nicolaj Jørgensen entwischte den Stuttgartern immer wieder.  

Ab an die Linie

Zumindest in der ersten Halbzeit deutete der TVB allerdings an, dass die Defensive in dieser Saison noch zur Stärke werden könnte und sobald man die Fehlerquote unten hielt, lief es auch offensiv. Da die Stuttgarter Offensive darauf ausgelegt ist, Durchbrüche zu erzielen, erarbeitet man sich im Ligavergleich viele Sieben Meter. Gegen Hamburg verwandelte Kai Häfner vier von vier.

Das ist auch ein Grund, warum Häfner seine Leistungen nicht in den Vordergrund rücken will: „Natürlich freut mich, dass das noch einigermaßen funktioniert. Ich bin da ja auch gerade ein bisschen der Nutznießer von den Siebenmetern. Die gilt es weiter mit einer hohen Quote reinzumachen, weil unser Spiel schon ein bisschen darauf ausgelegt ist, dass wir uns relativ viele solche Bestrafungen, solche Siebenmeter, erarbeiten.“

Alter schützt vor Klasse nicht

Häfner weiß selbst, dass seine Sprungkraft nicht mehr so groß ist, wie sie mal war. Seine Tore sehen mitunter ein wenig unscheinbar aus, der ganz große Wow-Effekt stellt sich selten ein. „Man kann viel dagegen tun, dass der Verfall nicht so groß ist, aber dass man nicht mehr auf der Höhe wie damals ist, das ist klar“, meint Häfner. Ihm helfe die klare Aufgabenverteilung im Team. Häfner muss nicht mehr ganz so viel Verantwortung für das Offensivspiel übernehmen, wie er das einst tat. Aber seine Erfahrung hilft ihm natürlich dabei, Situationen zu erkennen und den richtigen Wurf zur richtigen Zeit zu machen. Ein gutes Timing zu haben. Dass er in der vergangenen Saison der zweiterfolgreichste Torwerfer der gesamten Liga war, zeigt, dass er nicht alles verlernt hat. 

Häfner hat über 500 Bundesliga-Spieler absolviert und dabei über 2000 Tore geworfen. Er machte über 150 Länderspiele, nahm an fünf Europa- und vier Weltmeisterschaften teil, dreimal war er bei den Olympischen Spielen. Der Moment, auf den er am meisten angesprochen wird, ist der EM-Titel 2016. Motivieren tut ihn aber nicht der Gedanke, das entscheidende Tor zu werfen: „Man geht sozusagen zur Arbeit in die Handballhalle und nicht in ein Büro. Man trainiert daraufhin, dass man am Wochenende mit seiner Mannschaft gegen eine andere Mannschaft um die Punkte spielen darf, in einer meistens ausverkauften Halle mit tollen Fans, vielen Zuschauern. Ja, diese Gefühle und diese ganzen Sachen kann dir, glaube ich, nichts anderes außer dem Sport geben“, sagt der 37-Jährige und wirkt dabei beinahe ein wenig wehmütig.   

Wann beendet Kai Häfner seine Karriere?

Dem 37-Jährigen ist natürlich bewusst, dass er seinen Sport nicht ewig professionell betreiben kann. Auf die Frage, ob er seine Karriere möglicherweise schon nach der Saison beenden werde, antwortet Häfner: „Das weiß ich noch nicht genau, das wird sich alles zeigen. Ich sage immer, dass mehr Jahre hinter mir als vor mir liegen. Das ist kein Geheimnis. Aktuell habe ich noch bis Sommer Vertrag. Jetzt schauen wir mal, wie das alles anläuft und weiterläuft und ob es noch ein paar Jährchen drauf gibt oder ob man noch ein Jährchen mehr macht oder ob es das dann im Sommer war. Das wird sich in den nächsten ein, zwei Monaten entscheiden.“ 

Nun liegt der Fokus aber erst einmal auf den Füchsen Berlin. Der Familienvater äußert sich, ähnlich wie sein Mitspieler Patrick Zieker, optimistisch: „Ich bin mit Blick auf die Saison positiv gestimmt, weil ich sehe, wie wir arbeiten, was wir im Training machen. Das lässt mich positiv auf die nächsten Aufgaben und auf die Saison blicken.“  

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