Johan Rohwer vom TV Großwallstadt: „Natürlich spielen wir gegen den Abstieg“
Johan Rohwer möchte mit dem TV Großwallstadt möglichst schnell wieder Siege bejubeln. Foto: TV Großwallstadt
Der TV Großwallstadt steckt nach fünf Spieltagen mit 3:7 Punkten im Tabellenkeller der 2. Handball-Bundesliga. Gleichzeitig zeigt die junge Mannschaft immer wieder ihr Potenzial. Einer, der sich in seinem ersten Jahr im Erwachsenenhandball im Team etablieren will, ist Johan Rohwer. Der 19-jährige Rückraumspieler ist vom THW Kiel ausgeliehen und zieht im Gespräch mit „Logbuch Sport“ ein Zwischenfazit. Anmerkung: Kurz vor der geplanten Veröffentlichung dieses Texts gab der TV Großwallstadt bekannt, seine Zusammenarbeit mit Cheftrainer Cheftrainer André Lohrbach nicht über die laufende Saison hinaus fortzusetzen. Die entsprechende Pressemitteilung des TVG habe ich ans Ende des Textes angefügt.
Es ist nicht so, als würde man permanent vor Begeisterung vom Sessel kippen, wenn man dem TV Großwallstadt beim Handballspielen zusieht, aber diese junge und mit eher begrenzten finanziellen Mitteln zusammengestellte Mannschaft zeigt durchaus Potenzial. Insbesondere offensiv sieht das Spiel der Unterfranken teilweise wirklich ansehnlich aus, was auch von der Statistik unterstrichen wird, dass der TV Großwallstadt in dieser Saison bisher mehr Tore geworfen hat als der Tabellenführer 1. VfL Potsdam.
Am vergangenen Wochenende rettete man beim HSC 2000 Coburg nach 20:18-Halbzeitführung immerhin ein 32:32 und damit einen Punkt ins Ziel. Insbesondere in der ersten Halbzeit sah das Offensivspiel gut aus. Zunächst war man über den Rückraum erfolgreich, in der Schlussphase der ersten Halbzeit blühte dann Rechtsaußenspieler Dmytro Redkyn auf, der allerdings in dieser Phase auch bemerkenswert viel Platz von der Coburger Verteidigung bekam.
Johan Rohwer, der neben Ben Connar Battermann im TVG-Rückraum spielte, meint: „Wir sind am Anfang in der Abwehr nicht so gut reingekommen, aber haben uns im Spiel gesteigert. In den letzten 10 Minuten kam Coburg deutlich näher ran, doch wir haben die Köpfe nicht hängen lassen. Wir haben es geschafft, mental stabil zu bleiben und uns den Punkt mehr als verdient. Damit können wir zufrieden sein.“
Ordentliche Leistungen und defensive Kleinigkeiten
Ein Blick auf die Tabelle verrät, dass der TVG nach fünf Spieltagen mit 3:7 Punkten auf Rang 14 steht und damit in einer ähnlichen Tabellenregion wie in den vergangenen Saisons unterwegs ist. Die Leistungen der vergangenen Wochen sind aber größtenteils ordentlich gewesen. Beim 28:33 gegen Aufstiegsfavorit SC DHfK Leipzig präsentierte man sich als konkurrenzfähig, gegen die Eulen Ludwigshafen gab es eine bittere 30:31-Niederlage, Hamm wurde erwartungsgemäß besiegt.
Verbesserungspotenzial gibt es weiterhin in der Abwehr, wenngleich man auch nicht davon sprechen kann, dass diese katastrophal aussieht. Rohwer sieht Licht und Schatten: „Wir müssen auf jeden Fall weiter am Zusammenspiel in der Abwehr arbeiten. Ich finde, im Angriff spielen wir einen ganz guten Ball. In der Abwehr müssen wir noch die Härte reinkriegen und ein bisschen mehr den Fokus auf die Aktion oder die Taktik, die wir uns vornehmen, finden. Dann sind wir auf einem guten Weg.“
Eine eindeutige Ausgangslage
Die nächsten Aufgaben für den TVG heißen TV Emsdetten (Samstag, 18 Uhr), TuS Ferndorf (11. Oktober) und Dessau-Roßlauer HV 2006 (17. Oktober). Insbesondere gegen Aufsteiger Emsdetten und den nicht besonders gut gestarteten Dessau-Roßlauer HV sollten die Großwallstädter Punkte einfahren, um die Abstiegsplätze möglichst schnell zu distanzieren. Rohwer ist sich der Situation bei seinem neuen Verein bewusst: „Natürlich spielen wir gegen den Abstieg, das ist klar. Aber wir wollen das Beste aus der Saison machen und möglichst viele Punkte holen. Man möchte immer gewinnen und in der 2. Liga kannst du auch jedes Spiel gewinnen.“
Kieler Connection
Um möglichst früh nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, muss der Rückraum des TVG funktionieren. Johan Rohwer und Ben Connar Battermann kennen sich vom THW Kiel, wo sich die beiden im Training begegneten, wenn auch nicht oft. Rohwer betont: „Wir verstehen uns gut, das hilft auch auf der Platte.“ Während Battermann mit einer bemerkenswerten Wurfgewalt aufwarten kann, hat auch Rohwer mit seinen gerade einmal 19 Jahren bereits einen guten Wurf. Auch seine Dynamik zeichnet ihn aus.
Rohwer stammt aus Kiel und spielt seit der C-Jugend beim THW. Dort hat der Großwallstädter Leihspieler ab Dezember vergangenen Jahres bei der ersten Mannschaft mittrainiert und einen bis 2029 gültigen Vertrag unterzeichnet. „Die Verbindung ist natürlich schon groß. Kiel ist ja immer noch meine Heimat. Ich habe natürlich auch mit den Spielern Kontakt. Ich bin immer im engen Austausch“, verrät Rohwer.
Fuß fassen im Erwachsenenhandball
Es ist kein Geheimnis, dass Rohwers Leihe zum TV Großwallstadt auch mit TVG-Trainer André Lohrbach zusammenhängt, der bereits im A-Jugend-Bereich des THW Kiel sein Trainer war. „André ist ein super Trainer. Er versucht, jeden Spieler besser zu machen“, betont Johan Rohwer, dessen Bruder Henrik übrigens weiterhin in der Jugend des THW Kiel spielt.
Für den 19-jährigen Neu-Großwallstädter ist es die erste Saison im Erwachsenenbereich, auch wenn er in Kiel schon ein bisschen European League- und Bundesligaluft schnuppern durfte. „Natürlich ist das härter, auch von der Körperlichkeit her, aber ich glaube, dass mir das durch das letzte halbe Jahr, in dem ich regelmäßig im Training bei der Bundesliga dabei war, leichter gefallen ist. ich glaube, dass ich ganz gut Fuß fasse“, so Rohwer.
Der TV Großwallstadt kann nur im Kollektiv funktionieren
Dabei hilft es dem deutschen Jugendnationalspieler, gute Mitspieler um sich herum zu haben. Gegen Coburg waren Ben Connar Battermann mit acht Toren und Florian Eisenträger mit sieben Toren die besten Werfer des TVG, allerdings unterscheiden sich die Topwerfer des TVG von Spiel zu Spiel durchaus, was für den weiteren Saisonverlauf keine schlechte Nachricht sein muss.
Rohwer meint: „Natürlich sind die beiden wichtige Spieler für uns, aber wir sind alle wichtige Spieler, weil wir alle miteinander harmonieren müssen. Natürlich ist es wichtig, dass man mit Eisenträger einen erfahrenen Spieler dabei hat, der von außen aus eine große Rolle spielt. Er bringt sehr viel Erfahrung mit und spielt immer sehr gut. Battermann hat letztes Jahr ein super Jahr gespielt und kommt auch in dieser Saison jetzt langsam in einen Flow. Es ist wichtig, solche Leute zu haben. Nichtsdestotrotz müssen wir als Mannschaft funktionieren.“
Anbei lesen Sie eine Pressemitteilung des TV Großwallstadt zur Trennung von Trainer André Lohrbach, die zum Zeitpunkt des Interviews mit Johan Rohwer noch nicht öffentlich war:
Der TV Großwallstadt und Cheftrainer André Lohrbach werden ihre Zusammenarbeit über die laufende Saison hinaus nicht fortsetzen.
In den vergangenen Wochen hatten sich beide Seiten über eine mögliche Fortsetzung der Zusammenarbeit ausgetauscht. Nachdem die Gespräche zuletzt noch einmal intensiviert worden waren, teilte Lohrbach den Verantwortlichen mit, dass er seinen Vertrag über die laufende Saison hinaus nicht verlängern möchte.
„Wir waren mit André in offenen Gesprächen über eine mögliche Fortsetzung unserer Zusammenarbeit und haben dabei auch über die entsprechenden Rahmenbedingungen gesprochen. Dieser Prozess hat sich über die vergangenen Wochen entwickelt. André hat uns nun mitgeteilt, dass er sich gegen eine Vertragsverlängerung entschieden hat. Diese Entscheidung respektieren wir“, erklärt Geschäftsführer Michael Spatz.
Der TV Großwallstadt wird sich nun eingehend mit den verschiedenen Möglichkeiten für die Besetzung der Trainerposition beschäftigen, um eine für die weitere sportliche Entwicklung des Vereins passende Lösung zu finden.
Voller Fokus auf die Laufende Saison
Der TVG bedankt sich bei Andre Lohrbach für die bis jetzt geleistete Arbeit und das Engagement und gleichzeitig liegt der gemeinsame Fokus von Verein, Trainer und Mannschaft bis zum Saisonende vollständig auf den sportlichen Aufgaben. „Wir haben noch einen langen gemeinsamen Weg in dieser Saison vor uns und wollen diesen mit André und der Mannschaft bestmöglich gestalten. Darauf liegt jetzt unser gemeinsamer Schwerpunkt“, so Spatz abschließend.
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