Jakob Nigg beim TVB Stuttgart: Fehlstart, Nachwuchstraining und ein Konkurrenzkampf unter Freunden
Jakob Nigg will seine Wurfvarianten verbessern, um für die gegnerischen Torhüter noch schwerer ausrechenbar zu sein. Foto: TVB Stuttgart/Marco Wolf
Nach dem bitteren Pokalaus gegen den HC Erlangen trifft der TVB Stuttgart am Donnerstag (19 Uhr) auf den ThSV Eisenach. Wieder mit von der Partie sein könnte Jakob Nigg, der in seiner ersten Saison beim TVB bereits viel erlebt hat.
Es war ein doppelt bitterer Abend für Jakob Nigg am vergangenen Donnerstag. Der 23-jährige Rechtsaußenspieler des TVB Stuttgart war angeschlagen und konnte deswegen beim DHB-Pokalspiel des TVB Stuttgart gegen den HC Erlangen nicht mitwirken und musste dann auch noch mitansehen, wie sein Team etwas überraschend mit 26:29 aus dem Wettbewerb ausschied.
„Das war unser schlechtestes Spiel. Wir sind da nicht zusammen aufgetreten, das ganze Spiel über“, kritisiert Nigg. Der Österreicher sieht aber auch positive Aspekte: „Obwohl wir 16 freie Bälle verwerfen, haben wir oft die Chance, wieder ranzukommen und können diese Chance nicht nutzen. Deswegen kam es zu dieser Niederlage. Ich glaube aber, wir haben das gut analysiert. Wir haben mit Misha viel analysiert und Videos geschaut und wissen jetzt, woran es gelegen hat.“
Neben taktischen Details hat womöglich auch der mentale Aspekt eine Rolle gespielt. Schaffte es Erlangens Torhüter Pierre Rubens in die Stuttgarter Köpfe? Nigg zufolge war eine Mischung aus taktischen und mentalen Aspekten entscheidend. Wenn man sich auf sich selbst konzentriere, wirke ein vermeintlich übermächtiger Torhüter plötzlich nicht mehr so übermächtig, betont er allerdings.
Jakob Niggs Fehlstart beim TVB Stuttgart
Klar, die Stuttgarter haben in dieser Saison auch schon mit 27:32 bei der MT Melsungen verloren, eine auch in dieser Höhe verdiente Niederlage gegen einen an diesem Tag deutlich überlegenen Gegner, doch die Niederlage gegen Erlangen ist der wohl größte Rückschlag der bisherigen Saison. Für Nigg sollte ein solcher Rückschlag aber nichts sein, was ihn direkt umwirft. Bereits seine erste Saison beim TVB Stuttgart war von einigen Aufs und Abs geprägt.
Sein Start beim TVB Stuttgart im vergangenen Jahr war alles andere als einfach. Erst spielte er nicht. Dann spielte er schlecht. „Ich habe einfach immer weiter trainiert und mich weiterentwickelt. Ich habe versucht, jeden Tag ein bisschen besser zu werden“, so Nigg, der sich im Saisonverlauf dann auch deutlich steigern konnte. Er ergänzt: „Ich habe schon in der ersten Saison irgendwie alles, was man in einer Saison erleben kann, erlebt. Deswegen war das als Vorbereitung für die nächsten Jahre optimal, dass es genauso gelaufen ist. Ich bin eigentlich auch dafür dankbar, dass es am Anfang eben noch nicht so gelaufen ist.“
Konkurrenzkampf unter guten Freunden
Fakt ist aber, dass Nigg sich weiterhin in einem harten Konkurrenzkampf mit Kasper Thorsen Lien befindet. Lien war stark in die Saison gestartet und verfehlte in manchen Spielen kaum einen Wurf. Zuletzt gegen Erlangen verwandelte er aber nur zwei von sieben Würfen. Gegen Melsungen und Balingen war derweil Nigg die erste Wahl von Trainer Misha Kaufmann.
„Wir sind richtig gut befreundet, also da ist auf jeden Fall keine Eifersucht und kein Neid dabei, sondern ich fokussiere mich einfach auf mich und will mich jeden Tag entwickeln. Wer dann spielt, entscheidet Misha. Wenn ich spiele, weiß ich, dass er mich unterstützen wird und wenn er spielt, werde ich ihn unterstützen. Aber klar: Wir wollen beide spielen. Das ist Leistungssport“, betont Nigg.
Der 23-Jährige sieht bei sich noch einiges an Verbesserungspotenzial: „Ich glaube, körperlich kann man sich immer weiterentwickeln. Meine Physis kann vielleicht noch etwas stärker werden.“ Vor allem wolle er sich aber mehr Wurfvarianten aneignen, eine Formulierung, die man von Außenspielern oft hört, die aber auf dieser Position, die vom Abschluss lebt, auch eine große Bedeutung hat.
Ein Handballspieler als Jugendtrainer
Bereits im März wurde von Vereinsseite bekanntgegeben, dass der gebürtige Wiener seinen Vertrag bis 2029 verlängert. Warum sich für Profisportverhältnisse direkt so langfristig an einen Verein binden, wenn einem doch womöglich noch die Welt offensteht? „Weil ich an das Projekt glaube. Weil ich an Misha glaube. Weil ich an unser Team glaube. Und weil ich wirklich Bock habe, diese Geschichte, die wir jetzt schreiben, mitzuschreiben und ein Teil davon zu sein.“
Es macht den Eindruck, als sei Niggs Verbindung zum Verein, trotz seiner noch recht kurzen Zeit dort, bereits recht eng. Dafür spricht jedenfalls, dass er auf den Verein zukam, um als Nachwuchstrainer zu helfen. „Erstens liebe ich Handball, das ist schonmal ein Grund“, erklärt der TVB-Rechtsaußen sein Engagement in der Jugendarbeit. „Und man muss schon sagen, als Leistungssportler, zumindest als Handballprofi, hast du schon viel Freizeit. Von den Tagen her hast du nicht viel frei, aber tagsüber teilweise schon. Unser Nachmittagstraining ist meistens um 17.30 Uhr vorbei und dann habe ich den ganzen Abend frei. Ich habe also Zeit und Kapazität.“ Er habe einfach seinen Verein unterstützen wollen.
Außerdem betont der Österreicher: „Ich liebe es, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Ich glaube, ich kann ihnen schon handballerisch etwas mitgeben und vor allem will ich mit ihnen an der Persönlichkeitsentwicklung arbeiten. Es ist wichtig, früh damit anzufangen.“ Dabei nutzt Nigg sowohl Erkenntnisse, die er sich selbst angeeignet hat, als auch Informationen, die er von Misha Kaufmann aufgeschnappt hat.
Ein feuriges Auswärtsspiel in Eisenach
Mit gutem Beispiel vorangehen kann er womöglich auch am Donnerstag (19 Uhr) im Auswärtsspiel des TVB beim ThSV Eisenach. Stand Dienstagabend ist es aber noch nicht ganz sicher, ob er wieder einsatzfähig sein wird. Nigg betont: „Es wird darauf ankommen, wie wir mit dieser Halle umgehen können, mit diesem Druck, der kommen wird, der immer kommt, in Eisenach umgehen zu können und einfach beim eigenen Team zu bleiben. Bei den eigenen Aufgaben zu bleiben. Beim eigenen Fokus zu bleiben und dann natürlich dieser Stimmung, die das Team von Eisenach hat, entgegenzuwirken mit der eigenen Teamstimmung. Also musst du eine unglaubliche Energie als Team aufbringen, weil man schon gesehen hat: Jeder kann in Eisenach scheitern. Deswegen ist es noch mal umso wichtiger, da gemeinsam und geschlossen als Team aufzutreten.“
Gegen den THW Kiel verlor Eisenach nur mit 27:28, dennoch sind die Thüringer auf Platz 15 aktuell im Tabellenkeller unterwegs. Nach drei Niederlagen aus den vergangenen vier Spielen wird es für den TVB mal wieder Zeit für einen Sieg.
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