Training, Taktik, Team: Was sich bei der HSG Konstanz verändert

Michel Stotz HSG Konstanz

Die HSG Konstanz gab im März bekannt, dass Kapitän Michel Stotz seinen Vertrag am Bodensee verlängert hat. Foto: Michael Elser

Nach einer durchwachsenen Vorsaison möchte die HSG Konstanz in der neuen Saison neu angreifen. Dazu hat der Drittligist vieles verändert, wie Kapitän Michel Stotz im Gespräch mit Logbuch Sport berichtet.

Es wurde in diesem Sommer viel verändert bei der HSG Konstanz, man könnte auch sagen, dass viel verändert werden musste, nach einer inkonstanten Spielzeit 2025/26, in der die HSG den eigenen Ansprüchen hinterherlief. Kapitän Michel Stotz betont, dass sich die Veränderungen durch alle Bereiche ziehen: „Vom Mindset über Routinen, über Trainingsbedingungen. Es gab Veränderungen außenrum im Staff von Physios und so weiter. Wir trainieren zum Teil anders unter der Woche. Wir trainieren etwas länger als zuvor, haben den Umfang gesteigert. Wir haben ein komplett neu aufgesetztes Kraft- und Athletikprogramm.”

Alles glänzt, so schön neu?

Im Testspiel gegen Amicitia Zürich holte die Mannschaft von Coach Ralf Bader zudem in der neuen und für den modernen Handball eher ungewöhnlichen 3-2-1-Abwehrformation einen Neun-Tore-Rückstand auf und spielte 30:30. „Natürlich gibt es auch im Angriff taktische Sachen, die sich verändern werden. Auch aus dem Grund, dass wir jetzt andere Spieler in der Mannschaft haben“, verrät Kapitän Michel Stotz.

Dieser hebt die Qualität der Neuzugänge hervor: „Philipp Hlawatsch ist körperlich stark und bringt auf Mitte Zweikampfstärke rein, Aggressivität. Jannik ist ein Shootertyp, etwas was wir auf halbrechts vielleicht nicht ganz so hatten, in den letzten Jahren. Im Tor macht das Adam extrem gut, jetzt schon in den ersten Testspielen. Er hat quasi keine Eingewöhnungszeit gebraucht. Janne auf Rechtsaußen schlägt sich auch sehr gut. Er ist noch extrem jung, aber ich habe selten bei so einem jungen Außenspieler so viele Wurfvarianten gesehen.”

Ein kleiner Tritt auf die Euphoriebremse

Drei Testspiele absolvierte die HSG Konstanz bereits. Nach dem Remis gegen Zürich gab es Siege gegen Verbandsligist TG Schömberg (30:13) und Drittliga-Aufsteiger Albstadt (27:21). Trainer Ralf Bader beobachtete im Spiel gegen Zürich „extreme Höhen und Tiefen”. Stotz meint: „Ich glaube, vor allem am Anfang der Vorbereitung gehört das auch einfach dazu, das ist auch dem Trainerteam bewusst. Da arbeiten wir auch weiter dran. Und ja, gegen Zürich waren extrem gute Phasen dabei am Anfang und vor allem auch in der zweiten Halbzeit, aber auch ziemlich schlechte Phasen. Dafür ist die Vorbereitung da, dass wir uns dessen bewusst werden, dass wir solche schlechten Phasen natürlich aufs Möglichste zu reduzieren haben und im Optimalfall natürlich auch ganz abstellen können.”

Michel Stotz ist seit 2018 bei der HSG Konstanz und erlebte entsprechend drei Aufstiege in die 2. Handball-Bundesliga mit dem Verein. Der 27-Jährige kennt also das Rezept für den Schritt in die Zweitklassigkeit. Zunächst einmal müsse die Einstellung stimmen: „Die Basis muss sein, dass jeder Spieler und auch das Team ums Team herum alles reinwirft. Und da sind vor allem die Spieler dann mit Training gefordert, mit Disziplin, dass wir für diesen Verein dann auch auf der Platte alles lassen.”

Michel Stotz´ Zutatenliste für den Erfolg

Darüber hinaus muss die wirtschaftliche Basis stimmen, denn immer weniger Vereine erfüllen die Voraussetzungen für einen Aufstieg in die 2. Liga oder wollen den Schritt dorthin überhaupt wagen, was HSG-Trainer Ralf Bader im Interview mit „Logbuch Sport” deutlich kritisierte. „Da ist dann natürlich der Verein gefragt, diesen Rahmen dann auch dauerhaft bieten zu können”, so Stotz, der darauf verweist, dass der Verein in diesem Bereich „fleißig dabei” sei, aufgrund seiner Randlage allerdings nicht die größten wirtschaftlichen Player gewinnen könne.

Die weiteren Zutaten für einen möglichen weiteren Aufstieg in den kommenden Jahren: „Man muss schauen, dass man eine gute medizinische Versorgung hat, dass das Athletikprogramm nach und nach aufs nächste Level gehoben wird, nicht nur das handballerische Training, dass man in die eigene Jugend schaut.” Hier kann der Verein darauf verweisen, dass mit Sven Iberl und Tim Enninghorst zwei Spieler aus der U21 in die erste Mannschaft hochgezogen wurden. Generell sei es ein großes Anliegen von Trainer Ralf Bader, die Jugend im Blick zu haben, betont Stotz.

Ob die vielen Veränderungen den gewünschten Effekt haben, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Michel Stotz ist jedenfalls optimistisch.

 

 

Über Michel Stotz

Michel Stotz, 27, kam 2018 vom TV Neuhausen/Erms zur HSG Konstanz. Der Schwabe arbeitet mittlerweile in Vollzeit für einen Saft-Hersteller im E-Commerce. In seiner Freizeit sitzt er gerne auf dem Rennrad und erkundet beispielsweise die Schweiz oder die Schwäbische Alb. Stotz übernahm 2022, im Alter von 23 Jahren, das Kapitänsamt von Tim Bornhauser. „Ich glaube, es hat mir auch in meiner persönlichen Entwicklung auch außerhalb vom Handballfeld extrem viel gebracht, da relativ jung schon so viel Verantwortung zu übernehmen”, so Stotz, der im Verein auch ein wichtiger Ansprechpartner für Themen außerhalb des Handballs ist.