Spielsystem, Kaderplanung und das große Problem der 2. HBL: Konstanz-Geschäftsführer Andre Melchert gibt Einblicke
HSG-Geschäftsführer Andre Melchert hat die Kaderplanungen für die neue Saison größtenteils abgeschlossen. Als Neuzugänge kommen Janne Pietrusky (Handball-Internat SC DHfK Leipzig), Philipp Hlawatsch (TuS Fürstenfeldbruck), Jannik Hohlweg (TuS Steißlingen), Torwart Adam Studentkowski (SG Pforzheim/Eutingen) sowie Tim Enninghorst und Sven Iberl (beide eigene U21). Foto: Michael Elser/HSG Konstanz
Trotz des in der Schlussphase verspielten Sechs-Tore-Vorsprungs gegen die zweite Mannschaft der Rhein-Neckar-Löwen am vergangenen Wochenende erlebte die HSG Konstanz in der 3. Liga zuletzt einen Aufwärtstrend. Nun allerdings gibt es eine beinahe unvergleichbare Verletztenmisere.
Dies ist nur eines der Themen, über das wir mit HSG-Geschäftsführer Andre Melchert gesprochen haben. Der 45-Jährige erzählt auch, welche Impulse der in der Winterpause gekommene Trainer Ralf Bader bereits setzen konnte, warum es für Drittligisten immer schwieriger wird, den Sprung in die 2. HBL zu schaffen und warum die Jugendarbeit der HSG sich immer mehr bezahlt macht.
Herr Melchert, mindestens sieben Feldspieler und drei Torhüter fallen für das Spiel gegen den TV Bittenfeld II aus. Klingt nach einer schwierigen Situation.
Andre Melchert: Da müssen wir durch. In diesem Ausmaß haben wir das noch nie gehabt. Aber es ist Pech, es sind alles unterschiedliche Themen.
Zuletzt hat ihre Mannschaft bei der Zweitvertretung der Rhein-Neckar Löwen in der Schlussphase eine Sechs-Tore-Führung verspielt, doch zuvor gab es vier Siege in Folge. Auch die Aussagen der Spieler legen nahe, dass sich gewisse Dinge in die richtige Richtung entwickeln. Wie ist Ihr Blick auf die Entwicklung des Teams?
Andre Melchert: Seit Ralf Bader unser Trainer ist, wird es von Woche zu Woche besser. Sein Spielsystem tut uns gut. Er geht viele Themen strukturiert an. Das tut insbesondere unsicheren Spielern gut.
Von Spielern ist zu lesen, dass die Abwehr nun deutlich besser steht, das Tempospiel besser funktioniert. Welche Impulse konnte Ralf Bader aus Ihrer Sicht setzen?
Andre Melchert: Er hat im Angriff mehrere Spielsysteme, aus denen heraus die Spieler klare Entscheidungen treffen sollen. Es gibt nicht viel Raum für Kreativität. Für die Mannschaft ist es einfacher, wenn du nur ein, zwei oder drei Möglichkeiten anstatt vier oder fünf. Außerdem gefällt mir sehr, wie er verteidigen lassen will. Es geht bei ihm darum, sich körperlich einzubringen und nicht zu viel den Ball abfangen zu wollen.
Es gibt auf Ihrer Webseite gefühlt im Tagesrhythmus neue Personalmeldungen. Ist die Kaderplanung nun bereits abgeschlossen?
Andre Melchert: Eventuell wird es noch auf einer Position eine Veränderung geben, ansonsten sind wir komplett. Es ist ja im Handball so, dass man bereits im Oktober Gespräche führt. Das Ziel ist es dann, die Kaderplanung im Februar oder März fertig zu haben. In diesem Jahr sind wir wirklich schnell fertig, aber das kann auch anders laufen.
Wenn man auf die Neuverpflichtungen schaut, dann fällt neben Philipp Hlawatsch, der in dieser Saison einer der besten Torschützen der 3. Liga Süd ist, auch der Name Jannik Hohlweg auf. Hohlweg ist ein Spieler, der aktuell für TuS Steißlingen in der Regionalliga aufläuft. In der Pressemitteilung zum Transfer bezeichneten sie ihn als einen Spieler, der „neue Elemente einbringen“ könne. Wie meinen Sie das?
Andre Melchert: Mit Jan Stotten haben wir im Rückraum einen Spieler, der spielerische Elemente reinbringt. Jo Knipp ist eher der Werfertyp. Hohlweg ist genau der Spielertyp zwischen den Beiden. Er ist spielerisch gut und kann aus dem Rückraum werfen. Außerdem spielt er eine vernünftige Abwehr. Er ist ein extrem interessanter Spieler.
Es fällt schon auf, dass viele Spieler das professionelle Umfeld in Konstanz hervorheben.
Andre Melchert: Wir sind da im Ligavergleich sicherlich nicht ganz an der Spitze, aber brauchen uns auch nicht verstecken. Unser Umfeld ist professionell, trotzdem sind wir ein Familienverein. Ein Problem bei uns ist die Infrastruktur. Sämtliche Infrastrukturen in der Stadt sind viel zu knapp. Das ist schon extrem. Wir haben nur eine Halle, in der man mit Harz spielen darf. Hinzu kommt, dass die Hallenzeiten sehr beschränkt sind.
Umso erstaunlicher ist, dass die HSG Konstanz in sechs der vergangenen zehn Saisons in der 2. Handball Bundesliga spielte. Muss das in Zukunft wieder der Anspruch sein?
Unser Ziel ist es immer, oben anzugreifen. Mit den Finanzen wird das aber immer schwieriger. Die Vorgaben der Bundesliga werden immer größer und die Vorgaben bzw. die Strukturen vom DHB (3.Liga) entwickeln sich nicht weiter. Da ist es beinahe egal, wie viel Geld du mitbringst. Auch Vereine wie Krefeld und Oppenweiler, die deutlich mehr Geld mitbringen als wir, schaffen es nicht, sich in der 2. Bundesliga zu halten. Du musst sehr viel richtig machen, zum Beispiel bei den Neuzugängen.
Ihr Konzept ist es, auf junge Spieler zu setzen. Warum?
Andre Melchert: Wir haben ja keine Profis hier, sondern es sind alle Studenten. Hier zählt nicht nur Handball. Es ist uns wichtig, dass die Spieler ihr Studium vernünftig machen und dann sagen: Wir hatten eine super Zeit. Aber ja, wir haben unser Konzept dahingehend sogar noch mehr angepasst, dass wir mehr und mehr auf eigene Spieler setzen. Wir schaffen es jetzt, dass jedes Jahr ein bis drei junge Spieler aus der Jugend rauskommen.
Wie haben Sie das geschafft?
Andre Melchert: Stetige Arbeit. Das war ein Prozess über mehrere Jahre. Es fängt ziemlich weit unten im Jugendbereich an. Wir haben jetzt immer gute Spieler aus der U21 und A-Jugend, die bereit dafür sind. Nächste Saison werden wir neun Spieler aus der eigenen Nachwuchs in der ersten Mannschaft haben.
Das Interview führte Lukas Bergmann.
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