FRISCH AUF! Göppingen-Trainer Nico Kiener: „Wir sind jetzt in der Bundesliga angekommen“
Bevor er seine aktive Karriere beenden musste, war FRISCH AUF!-Trainer Nico Kiener als Spielertrainer beim Württembergligisten HC Wernau tätig. Foto: HEIKO HERRMANNFOTOGRPHIE
Nico Kiener, Trainer der Frauen von FRISCH AUF! Göppingen, blickt auf eine schwierige, letztlich aber erfolgreiche Saison zurück. Im Gespräch mit Logbuch Sport spricht er über das Karriereende von Leonie Patorra, die Neuzugänge und den vom Verein eingeschlagenen Weg der kleinen Schritte.
Sie haben es wieder geschafft. Die Frauen von FRISCH AUF! Göppingen erreichten in der vergangenen Spielzeit zum zweiten Mal in Folge den Klassenerhalt in der Handball Bundesliga Frauen (HBF). In einer zeitweise von Verletzungen geprägten Saison schaffte es die Mannschaft von Trainer Nico Kiener erneut auf Rang acht.
„Das war definitiv ein Erfolg, dass wir es frühzeitig hingekriegt haben, den Klassenerhalt zu schaffen. Die Verletzungsthematik hat uns zwischen Januar und April sehr stark getroffen, das hat man dann auch an den Ergebnissen gemerkt. Wir haben dann Gott sei Dank am Ende der Saison den ganzen Kader wieder gehabt und die entscheidenden Spiele gewinnen können. So können wir von einer schwierigen Saison mit vielen Höhen und Tiefen, aber am Ende auch von einer erfolgreichen Saison sprechen“, bilanziert Kiener.
Der gebürtige Herrenberger ist seit Anfang 2021 im Amt. Er übernahm den Verein in einer kniffligen Situation und konnte den Abstieg nicht mehr verhindern. Nachdem es mit dem Wiederaufstieg in den folgenden beiden Saisons durch Niederlagen in der Relegation jeweils knapp nicht klappte, kehrten die Schwäbinnen 2024 in die erste Liga zurück. „Es stand ein großer Umbruch an, viele neue Spielerinnen waren da. Das hat uns ein, zwei Jahre gekostet“, erinnert sich Kiener.
Ein Weg der kleinen Schritte
FRISCH AUF! Göppingen ist damit nun also der einzige Verein, der sowohl in der 1. Bundesliga bei den Männern als auch bei den Frauen vertreten ist. Teil der Vereinsphilosophie ist unter anderem, junge Spielerinnen zu entwickeln. Zu diesem Konzept passt die Personalie Nico Kiener auf dem Papier hervorragend, denn Kiener ist seit 2009 auch beim Handballverband Württemberg (HVW) tätig. 2015 übernahm er die Position des Landestrainers.
Nun wird er mit FRISCH AUF! also in die dritte Bundesliga-Saison in Serie gehen: „Wir sind jetzt in der Bundesliga angekommen. Im zweiten Jahr unterschätzt dich keiner mehr. Du hast lauter schwere Spiele, aber wir machen kleine Schritte. Zunächst konnten wir Luisa Schulze hinzugewinnen und nun in diesem Jahr Haruno Sasaki. Beide sind sehr zufrieden, wollen auch bei uns bleiben. Das ist ein gutes Zeichen. Wir versuchen, unser System und unser Umfeld weiterzuentwickeln in guten, kleinen Schritten und da sind wir auf einem guten Weg.“
Allerdings müssen auch einige Abgänge verkraftet werden: Kapitänin Louisa De Bellis hat ihre Karriere beendet, Sina Ehmann wechselt nach Neckarsulm und Anna Ehmann zum ESV Regensburg. Während Gianina Bianco eine Handballpause einlegt, wagt Petra Hlogyik den Schritt ins Ausland. „Wir hätten gerne mit allen Spielerinnen weitergemacht“, sagt Kiener und verweist darauf, dass dies aus „unterschiedlichen Gründen“ nicht möglich war.
Eine lange Leidenszeit
Auf der Abgangsseite steht derweil auch der Name Leonie Patorra. Die 24-Jährige zog sich im Frühjahr 2025 einen Kreuzbandriss zu und muss nun ihre Karriere beenden. Auch Kiener beendete seine Karriere nach einem Kreuzbandriss. Er, der als Spieler für die SG H2Ku Herrenberg und den VfL Pfullingen in der 2. Liga spielte, kann die Situation von Patorra also vermutlich besonders gut nachvollziehen.
Kiener sagt: „Sie hatte eine lange Leidenszeit. Es ging jetzt darum, im Alltag wieder schmerzfrei durchzukommen und wieder schmerzfrei Sport treiben zu können. Da ist sie auf einem guten Weg. Sie hat jetzt einen Schlussstrich gezogen und ist eine tolle Handballerin gewesen mit großer Spielfähigkeit. Sie hat ihren Frieden mit der Sache geschlossen, hat uns im letzten halben Jahr ja auch im Trainerteam unterstützt und war ein wichtiger Teil der Mannschaft. Sie ist immer noch nah an der Mannschaft und wird sicherlich oft bei uns sein, aber es ist die richtige Entscheidung gewesen, weil sie nach ihrem Körper schauen muss.“
Die Neuzugänge
Die einzigen drei Zugänge der FRISCH AUF!-Frauen in diesem Sommer sind Sophia Mohr (19 Jahre, eigene Jugend), Mathilda Ehlert (21, Bensheim) und Mikaela Possatti (24, ZJRK Bor). Mohr ersetzt auf der Rechtsaußenposition die 21-jährige Gianina Bianco. Im Rückraum soll Ehlert die von Sina Ehmann, 25, hinterlasse Lücke schließen. Berechnet man mit ein, dass die 24-jährige Brasilianierin Possatti die 27-jährige Ungarin Petra Hlogyik ersetzt, so ergibt sich eine leichte Verjüngung im Kader, die in Kieners Überlegungen aber offenbar keine signifikante Rolle gespielt hat. Er betont: „Wo wir nochmal jünger geworden sind, ist am Kreis, wo wir Aylin Bornhardt, die jetzt als zweite Kreisläuferin fix im Kader haben.“ Die 19-Jährige nimmt den Kaderplatz der 28-jährigen Louisa de Bellis ein.
Sowohl Mohr als auch Ehlert und Bornhardt trainierte Kienert bereits in der Verbandsauswahl. „Das hat natürlich Vorteile“, gibt der Göppinger Trainer zu. „Ich weiß, wen wir da verpflichten. Ich kenne die Charaktere, die Eltern und das Umfeld. Da ist kein großes Risiko drin, sondern ich weiß, was die Spielerinnen können und wo sie sich noch weiterentwickeln müssen. Bei Aylin und Sophia geht es darum, sie in die Bundesliga heranzuführen und bei Mathi geht es darum, den nächsten Schritt zu machen und eine Führungsspielerin zu werden.“
Über die neue Torfrau aus Brasilien, die bei dem Verein mit dem schönen Namen Blumenau-Litoral de Santa Catarine Club mit dem Handball begann, sagt Kiener: „Sie hat internationale Erfahrung, hat in der brasilianischen Nationalmannschaft gespielt, hat jetzt in Serbien gespielt. Sie bringt Größe mit, bringt Ausstrahlung mit, bringt Präsenz mit.“ Possati, die laut EHF 1,87 Meter groß ist, soll „ein interessanter, neuer Teil der FRISCH AUF!-Familie werden“.
Umstrukturierung im Trainerteam
Eine Veränderung gibt es zudem auf der Co-Trainer-Position. Gerhard Rohr geht in Rente. „Es war seine Entscheidung. Wir hätten sehr gerne mit ihm weitergearbeitet. Auch er trifft die Entscheidung aber aus Vernunft. Letztes Jahr ist er in Rente gegangen in der Schule, dann hat er noch ein Jahr Handball gemacht und jetzt hat er Zeit für seine Familie und für sich.“ Man werde sich nun umstrukturieren, was noch zwei oder drei Wochen dauern werde.
Mit Unterstützung der „Hölle Süd“ zu einer Überraschung?
Der Start in die Saisonvorbereitung ist derweil bereits am 1. Juli. Kiener betont: „Wir können von der Zielsetzung her auch im nächsten Jahr nicht bemerkenswert große Sprünge nach vorne machen.“ Eine Faktor dafür, vielleicht dennoch für eine positive Überraschung zu sorgen, könnte für die Frisch Auf!-Frauen die bemerkenswert große Unterstützung der Zuschauer werden. 2050 waren es in der vergangenen Saison im Durchschnitt. Zuschauerkrösus Oldenburg hatte nur vier Zuschauer mehr. Die Unterstützung der „Hölle Süd“ könnte somit auch in der kommenden Spielzeit wieder ein wichtiger Faktor werden.
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