Pforzheimer Handball-DNA: Wie Familie Meißner die SGP prägt – und warum die 3. Liga vorerst Endstation bleibt
Vater und Sohn: Ulf Meißner (rechts) und Finn Meißner (links) sind beide für die SG Pforzheim/Eutingen aktiv. Während Ulf Meißner im Vorstand des Vereins tätig ist, spielt Finn Meißner in der 3. Liga Süd. Foto: Ulf Meißner
Handball als Familiensache: Seit der Gründung der SG Pforzheim/Eutingen im Jahr 2007 ist Ulf Meißner im Vorstand. Auf dem Feld ist sein 17-jähriger Sohn Finn deutlich gereift – als Jugend-Nationalspieler und bester Werfer des Teams hat er seinen Vertrag im Februar vorzeitig bis 2028 verlängert. Doch trotz der sportlichen Entwicklung ist ein Aufstieg in die 2. Handball Bundesliga für den Verein aktuell kein Thema. Ein Gespräch über Handball am Esstisch und die wirtschaftliche Realität der 3. Liga.
Manchen Menschen liegt der Handball einfach in den Genen. Bei Alex und Daniel Dujshebaev, deren Vater Talant 1992 Olympiasieger wurde, war das so. Nikola und Luka Karabatić hatten mit Branko Karabatić einen Handball-Torhüter als Vater. Melvyn Richardsons Vater Jackson war Welthandballer 1995 und zweimaliger Weltmeister. Zugegebenermaßen: Von diesen Granden des Handball-Sports ist der Weg zur Familie Meißner – bei allem Respekt – noch ziemlich weit. Und dennoch: Gibt es so etwas Handball-DNA in den menschlichen Genen, dann hat Ulf Meißner ziemlich viel von ihr an seine Kinder weitergegeben.
Jedes seiner vier Kinder spielt nämlich bei der SG Pforzheim/Eutingen Handball. Der 17-jährige Finn, der bereits sieben Spiele für die Jugend-Nationalmannschaft absolviert hat, ist vermutlich noch ein wenig talentierter als seine beiden Brüder und als seine Schwester. Ulf Meißner wiederum war als Spieler nicht besonders begabt, wie er zugibt. Zwischenzeitlich war er einige Jahre als Jugendtrainer aktiv, musste diese Tätigkeit aus zeitlichen Gründen aber beenden. Dafür ist er bereits seit der Gründung des Vereins 2007 durchgängig im Vorstand der SG Pforzheim/Eutingen, kümmert sich dort um Finanzen und Administratives.
Ulf Meißner, der sich auch als Hallensprecher des Vereins engagiert, gibt zu: „Über den sportlichen Teil müssen wir uns im Vorstand dann immer gegenseitig informieren.“ Da hilft es, dass er aufgrund seines Sohnes „etwas näher dran“ an der Kabine ist. „Wir versuchen das aber zu trennen. Es gibt Dinge die bleiben in der Kabine und das ist auch gut so“, betont er.
Die ersten Schritte in der 3. Liga und in der Jugendnationalmannschaft
In dieser Kabine der ersten Mannschaft ist Finn Meißner, der von klein auf Handball spielt, ohnehin noch nicht allzu lange. Sein erstes Spiel machte er am 4. Oktober 2025 im Auswärtsspiel bei den Wölfen Würzburg. Aufgrund seines Status als Nationalkaderspieler, den er Ende August erreichte, war er bereits mit 16 Jahren in der dritten Liga spielberechtigt. Sieben Länderspiele stehen mittlerweile auf seinem Tacho: „Bei der Nationalmannschaft zu sein, war sehr besonders, echt cool.“ Er gesteht aber auch: „Dort hat man noch ein bisschen mehr Stress und mehr Drucksituationen.“ Gleichzeitig habe er von den Trainern wichtige Tipps erhalten.
Stärken und Schwächen
Sich selbst bezeichnet der Rückraumspieler als Allrounder. Meißner ist ein Spieler, der sowohl Schlag- als auch Sprungwürfe beherrscht, der ins Eins-gegen-Eins geht, eine „ziemlich gute Dynamik“ hat und der damit in der harmlosesten Offensive der 3. Liga Süd (726 Tore) mit 91 Treffern der erfolgreichste Werfer ist. Besonders große Probleme hat die SG Pforzheim/Eutingen im Tempospiel, hier gibt Finn Meißner die Marschroute „üben, üben, üben“ vor. Sein Vater erklärt: „Wir spielen mit ein, zwei Abwehrspezialisten. Das macht es nicht ganz so einfach, ein gutes Tempospiel zu haben.“ Außerdem lege Trainer Alexander Lipps den Fokus eher auf Positionsangriffe.
Zurück zu Finn Meißner: Schwächen hat dieser noch bei Würfen aus dem Rückraum und im Verteidigen von körperlichen Angreifern. Die sehr gut eingespielten Abwehrsysteme 6-0 und 3-2-1 helfen der SG Pforzheim/Eutingen aber dabei, Meißners defensive Schwächen zu kaschieren. Ulf Meißner ergänzt: „Bei den Erwachsenen sind andere Gewichte im Spiel. Finn isst viel und trainiert viel, aber hat natürlich noch nicht den Körper eines Erwachsenen. Das versucht der Eine oder andere Spieler auszunutzen. Hauptsächlich lebt er von seiner Dynamik und von einem sehr guten Spielverständnis.“
Vater und Sohn
Womit die Frage naheliegend wäre, ob der Vater oder der Sohn mehr vom Handball versteht. „Auf jeden Fall ich“, muss Finn Meißner nicht lange überlegen. „Das lass ich mal so stehen“, meint sein Vater, um es dann doch nicht „so stehen“ zu lassen: „Er beschäftigt sich sehr mit Handball-Theorie, studiert Spielvarianten und schaut sich Dinge ab.“ Ob am Esstisch oder auf der Couch: Handball, Handball, immer wieder Handball. Finn Meißner schaut beim Streaminganbieter „Dyn“ viele Handball-Spiele, redet mit seinem Vater über die 3. Liga, teilt Handball-Informationen aus den sozialen Medien mit ihm.
Ulf Meißner versucht manchmal als Ratgeber weiterzuhelfen. Er gibt zu: „Klar, bei meinem Sohn schaue ich genau hin.“ Diesen scheint das nicht zu stören: „Klar gibt es auch negative Aspekte, aber das Positive überwiegt. Eigentlich ist es ganz cool, dass sich mein Vater im Ehrenamt engagiert.“ Ob auf der Platte oder außerhalb: Handball scheint dieser Familie einfach in den Genen zu liegen.
Das (nicht-vorhandene) Aufstiegsrennen in der 3. Liga Süd
Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick auf das Aufstiegsrennen in der 3. Liga Süd. Mit dem SV Salamander Kornwestheim, den Wölfen Würzburg und dem TSG Heilbronn-Horkheim hatten die Mannschaften auf den Plätzen eins, drei und vier bereits frühzeitig angekündigt, nicht aufsteigen zu wollen. Der HC Erlangen II (Platz zwei) und die Rhein-Neckar Löwen II (Platz sieben) sind nicht aufstiegsberechtigt. Somit wäre die SG Pforzheim-Eutingen auf Rang fünf in einer aussichtsreichen Position gewesen, wenn sie denn aufsteigen hätten wollen.
Vorstand Ulf Meißner erklärt auf Nachfrage von Logbuch Sport jedoch, warum die SG Pforzheim/Eutingen – wie übrigens auch alle anderen Vereine aus der 3. Liga Süd – nicht für die Aufstiegrunde gemeldet hat: „Das würde einen erheblichen Aufwand bedeuten. Wir arbeiten daran, alles zu professionalisieren, aber die zweite Liga hat sich seit dem Streaming-Deal mit „Dyn“ erheblich professionalisiert. Es gibt einen Riesenabstand. Sie sind uns davongelaufen. Wir hoffen aber, dass wir wieder heranrücken können. Da spielen auch finanzielle Fragen eine Rolle. Die Mannschaften in der zweiten Liga haben den dreifachen Etat von uns. Wir haben uns in der dritten Liga eingerichtet. Die zweite Liga wäre deswegen auch für unsere Spieler eine große Umstellung, denn in der zweiten Liga gibt es ein Halb- bis Dreiviertelprofitum. Wir bräuchten also eine ganz andere Mannschaftsstruktur. In der Theorie hätten wir sogar eine Halle, die in der zweiten Liga zugelassen wäre. Allerdings ist das eine Schulsporthalle. Freitagabendspiele würden uns zum Beispiel organisatorische Schwierigkeiten bereiten. Also kurz gesagt: Wir bräuchten einen längeren Vorlauf für einen Aufstieg in die 2. Liga. Das müsste länger vorgeplant werden. Das ist ein Prozess von zwei bis drei Jahren.“
Für diesen Zeitraum hat der Verein zumindest eine Personalie geklärt: Finn Meißner hat seinen Vertrag trotz Angebote namhafter Handball-Internate im Februar bis 2028 verlängert. Trotz des Fernziels Bundesliga setzt das Talent also weiterhin auf die Ausbildung im Heimatverein.
Wenn ihr mehr über die Situation der 3. Liga erfahren wollt, dann lest gerne die System-Kritik von HSG Konstanz-Trainer Ralf Bader sowie das Interview mit Drittliga-Boss Andreas Tiemann.
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