Felix Sproß sagt tschüss: Warum die HSG Konstanz für ihn einzigartig ist

Felix Sproß HSG Konstanz

Vier Tore warf Felix Sproß am vergangenen Samstag im Spiel gegen Saase³Leutershausen. Damit war er der drittbeste Werfer seiner Mannschaft. Foto: Michael Elser/HSG Konstanz

Nach drei Saisons verlässt Felix Sproß die HSG Konstanz. Der 29-Jährige erklärt, warum die HSG für ihn ein „einzigartiger“ Verein ist, erzählt aber auch, warum der Klub den eigenen Erwartungen hinterherläuft und es im Verein Unruhe gibt.

Das letzte Heimspiel der Saison war längst vorbei, da trat Konstantin Poltrum in der Schänzlehalle ans Mikrofon. Der Torhüter kündigte an, es kurz zu machen, machte es dann aber – nun ja – nicht kurz. Seine Abschiedsworte an Felix Sproß, der die HSG Konstanz nach der Saison verlassen wird, waren ausführlich, Beschreibungen wie „unfassbarer Optimist“ und „super viel Energie“ wurden in den Raum geworfen.

Komplizierte Gefühlslage

Während sich einer seiner besten Freunde ausführlich bei ihm bedankte, war die Reaktion von Sproß schwer zu deuten. War es ihm etwa ein wenig unangenehm, so mit Lob überschüttet zu werden? Einige Tage später erreichen wir den 29-jährigen Rückraumspieler am Telefon. Sproß betont: „Ich wusste gar nicht, dass er so eine Abschiedsrede hält, fand das aber total schön. Schön war auch, dass meine Familie da war und vor allem auch die Familie meiner Freundin. Ich hätte aber natürlich auch gerne gewonnen. Ich finde es irgendwie auch traurig, dass wir in der letzten Saisonphase so viele Niederlagen kassiert haben. Eigentlich passt das nicht zur HSG. Konstanz bedeutet mir viel, der ganze Verein und die Stadt. Ich hatte eine richtig schöne Zeit.“

In der Halle nach dem Spiel klang Sproß beinahe noch emotionaler, als er sagte: „Ihr Fans seid etwas sehr Besonderes. Ich hatte schon mehrere Stationen und das hier ist einzigartig.“ Einzigartig sei der Verein, weil er „sehr familiär“ sei, weil es viele Ehrenamtliche gebe, die sich engagieren, erklärt Sproß auf Nachfrage. „Dieses Gefühl nach dem Spiel im Foyer und in der Halle ist schon etwas sehr Besonderes. Man hat das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, zu dem viele beitragen.“ Hinzu komme eine der schönsten Drittliga-Hallen sowie eine tolle Stadt: „Das Gesamtpaket ist etwas ganz besonderes.“

Bedeutungslos und doch sinnbildlich

Über weite Phasen nicht ganz so schön war das Handballspiel, das die Zuschauer in der Schänzlehalle am vergangenen Wochenende zu sehen bekamen. Zwar startete Konstanz gegen Saase³Leutershausen mit einer 3:0-Führung, doch dann landeten Würfe neben dem Tor, wurden geblockt, Pässe wurden abgefangen oder in den Rücken gespielt. Kurzum: Offensiv sah das Konstanzer Spiel unrund aus. Hinten bekam die offensive Deckung der Südbadener Probleme, Leutershausen brach insbesondere über die halblinke Offensivseite immer wieder durch.

Weil Konstanz in der zweiten Halbzeit früh in Unterzahl geriet und Leutershausen das leere Tor traf, stand es schnell 14:21. Zwar schafften es die Gastgeber in der Folge sich öfters am Kreis freizuspielen und wirkten defensiv phasenweise stabiler, doch am Ende stand eine verdiente 28:32-Niederlage auf der Anzeigetafel. Auch wenn das Spiel tabellarisch bedeutungslos war, passte es in das Bild einer Saison, in der Konstanz zu wenig Konstanz zeigte.

Probleme und Unruhe

Jenseits aller abgenutzten Wortspiele sollte der Verein in der Fehleranalyse genau hinschauen und sich nicht zu sehr auf die zweifelsohne bedeutenden Ausfälle von wichtigen Spielern wie Christos Erifopoulos und Maxim Pliuto in der Rückserie berufen. Warum es nicht wie gewünscht lief? „Ich habe auch schon viel darüber nachgedacht“, gibt Sproß zu. Neben der „Verletztenmisere“ erwähnt er auch den Trainerwechsel von Vitor Baricelli zu Ralf Bader im Dezember. „Natürlich bringt ein Trainerwechsel immer eine gewisse Instabilität rein. Neue Abläufe zu lernen benötigt seine Zeit“, gibt der 29-Jährige zu und ergänzt: „Ich glaube schon, dass wir durch die vielen Niederlagen in der vergangenen Saison auch noch ein Päckchen mitgetragen haben. Wir strotzten nicht vor Selbstbewusstsein.“ In der 2. Handball Bundesliga gewann die HSG Konstanz in der Saison 2024/25 nur zwei von 34 Spielen.

„Dann ist natürlich auch der Verein in Unruhe, weil nicht so viel Geld da ist“, gibt Sproß zu. 2025 beendeten die beiden Hauptsponsoren, die Rothaus-Brauerei und die ETO GRUPPE Stockach, ihr Engagement für den Verein. Geschäftsführer André Melchert sprach im März 2025 in einem Interview mit den Kollegen vom Südkurier sogar davon, Angst um den Verein zu haben. Weil die HSG daraufhin Sponsorenplätze verloste, könnte sich der Klub etwas stabilisieren. Dennoch scheint der Verein nicht gerade – Achtung Floskel – im Geld zu schwimmen. Doch was Hoffnung macht: Die HSG Konstanz will sich in der kommenden Saison „ein Stück neu erfinden“ wie Trainer Ralf Bader bereits im Vorfeld des Spiels gegen Leutershausen mitteilte. Insgesamt möchte der Verein vermehrt auf junge Spieler aus der eigenen Region setzen, wie André  Melchert auch im exklusiven Interview mit Logbuch Sport erklärte.

Coburg, Schweden, Schulter

Das abschließende Saisonspiel am Samstag (20 Uhr) bei Meister SV Salamander Kornwestheim ist in diesem Gesamtkontext nur eine Randnotiz und für die Tabelle bedeutungslos. „Ich freue mich trotzdem drauf“, sagt Sproß. Der Vater des gebürtigen Mindeners spielte für GWD Minden in der Bundesliga, Sproß spielte dort zunächst in der Jugend, ehe er mit 15 Jahren in das Handballinternat des TV Großwallstadt kam. 2016 wechselte er zum TV Kirchzell in die Dritte Liga, es war sein erster Schritt im Erwachsenenbereich. Zwischen 2017 und 2021 spielte er für den HSC 2000 Coburg („Ich hatte dort eine gute Zeit.“). Mit den Franken spielte er sogar eine Saison in der ersten Liga. Nach zwei Saisons in Schweden, in denen er fließend Schwedisch lernte, kam Sproß 2023 zur HSG Konstanz.

In seinen ersten zwei Saisons am Bodensee war er Stammspieler, doch in der dritten kam er – zurückgeworfen von einer schweren Schulterverletzung – meist von der Bank. „Die Verletzung habe ich schon auch im Kopf mit mir rumgetragen. Das habe ich schon gemerkt. Ich brauchte eine lange Zeit, um wieder der Alte zu sein und mich wieder zu trauen. Das hat mich in vielen Situationen ein bisschen gehemmt.“

Was bleibt und was kommt

Dennoch spielte er eine Saison, die er als „gut bis durchwachsen“ einordnet. Mit 120 Toren ist er der bisher der drittbeste Werfer der HSG in dieser Spielzeit, auch gegen Leutershausen warf er trotz geringer Spielzeit vier Tore. Und dennoch: „Im Vordergrund steht, dass wir als Mannschaft im Mittelfeld der 3. Liga spielen und das nicht der Konstanzer Anspruch ist.“

Sproß erlebte mit der HSG einen Aufstieg, in Erinnerung bleiben werden ihm aber vor allem die Menschen: „Das ist das, was bleibt. Die Erinnerungen an sehr viele coole Menschen.“ Von diesen muss er sich nun verabschieden. Sproß, der als selbstständiger Psychologe arbeitet, wird nach seinem Psychologie-Masterstudium nun in Münster Medizin studieren. 6,5 Jahre wird das dauern. „Ich habe richtig Bock darauf“, sagt er. Zu seiner handballerischen Zukunft möchte er sich öffentlich noch nicht äußern.

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