ESV 1927 Regensburg: Joelle Arno über Comeback nach Gehirnerschütterung und Torwartspiel - „Bunkerladies" geben zwei Spielerinnen ab

Joelle Arno, ESV Regensburg.

Joelle Arno überzeugte im Spiel gegen den TSV Bayer 04 Leverkusen mit einer Paradenquote von 39,5 Prozent. Quelle: Hans-Christian Wagner

Joelle Arno, Torhüterin des EVS 1927 Regensburg hatte sich im Spiel gegen den VfL Waiblingen eine Gehirnerschütterung zugezogen. Im Gespräch erklärt Arno, warum Sie trotzdem lieber im Tor steht als im Feld, wann sie „verrückt werden“ kann und warum der ESV Regensburg bereits ihr achter Verein ist. Außerdem gibt es neue Personalnews von den „Bunkerladies“.

Es war ein verhängnisvoller Moment am 7. Februar im Spiel zwischen dem VfL Waiblingen und dem ESV 1927 Regensburg. ESV-Torhüterin Joelle Arno bekam einen Ball ins Gesicht, konnte aber weiterspielen. Zwei Tage später ging es ihr dann aber „sehr schlecht“. Arno hatte ein Gehirnerschütterung, musste ins Krankenhaus gebracht werden. Ihr Torfrau-Dasein stellt sie wegen solchen Vorfallen allerdings nicht in Frage: „Im Handball gibt es keine Position, die nicht gefährlich ist. Ich kriege lieber einen Ball ins Gesicht, als eine Faust in die Magengrube.“

Nach eineinhalb Wochen konnte die 25-Jährige, die ihren Vertrag beim ESV Regensburg vor vier Wochen bis 2027 verlängert hat, das Krankenhaus aber bereits wieder verlassen. Am vergangenen Wochenende gab sie beim 36:33-Erfolg gegen den TSV Bayer 04 Leverkusen ihr Comeback. Es war ein rasantes Spiel, in dem Arno ihre Qualitäten unter Beweis stellte und das Torwart-Duell mit einer Paradenquote von 39,5 Prozent klar gewann.

Dass Arno zu einer solchen Leistung im Stande ist, hat sie sich erarbeitet. Die Mitarbeiterin eines Eletrotechnik-Konzerns wuchs in der Nähe von Tuttlingen auf. „Bei mir im Dorf ist nicht so viel Handball“, erklärt Arno. Sie wechselte oft den Verein, spielte insgesamt für sechs verschiedene Klubs, bevor sie zum Studieren nach Konstanz ging, wo sie für den benachbarten Drittligisten SV Allensbach auflief. 2023 folgte mit dem Wechsel zum ESV 1927 Regensburg der nächste Schritt.

Die Psychologie des Torwartspiels

Die 25-Jährige ist neben der Halle jedoch auch im Sand aktiv. 2025 gewann sie bei der Beachhandball-Europameisterschaft in Antalya die Bronzemedaille. „Das Spiel, im Sand ist als Torwart viel intensiver, man muss immer rein- und rauswechseln und es gibt viel mehr Nahdistanzwürfe“, erklärt Arno. Ihrem Spiel komme das entgegen: „Meine Stärken liegen eher bei den freieren Situationen, wo ich verrückt werden kann.“ Mit verrückt werden meint die ESV-Torfrau in diesem Fall den psychologischen Teil des Handballspiels, der ihr sehr viel Spaß macht.

Es geht darum, in den Kopf der Angriffsspielerin zu kommen, mal „eine Seite anzubieten“ oder „anzudeuten die Beine zu öffnen“ und es dann doch nicht zu machen. Als Torfrau lernt man von klein auf reflexartig zu reagieren. Mit den Jahren komme die Erfahrung, das Stellungsspiel verbessere sich, man werde analytischer. Ein wichtige Rolle spielt auch die Kommunikation mit der Verteidigung: „Man versucht, das Blockspiel von hinten zu korrigieren.“ Arno sieht sich als ziemlich komplette Torhüterin, die die verschiedenen Ebenen des Torwartspiels gut abdeckt. Wenn da nicht diese „Kullerbälle“ wären. Die vermeintlich einfachen Würfen liegen Arno nicht, hier erlaubt sie sich teilweise den einen oder anderen Fehler.

Mut zum Risiko

Aber die 25-Jährige ist dennoch ein starker Rückhalt, hat die füntmeisten Paraden aller Torfrauen in der 2. HBF vorzuweisen. Gleichzeitig hat der ESV Regensburg die viertmeisten Gegentore aller Mannschaften kassiert.  „Das war mir nicht bewusst, dass ich so viele Gegentore kassiert habe“, staunt Arno. Sie weiß aber auch um das temporeiche Spiel ihrer Mannschaft, das nunmal Risiken birgt.

Weil diese mutige Spielweise aber auch dazu führt, dass die Regensburgerinnen viele Tore werfen, steht die junge Mannschaft in der Tabelle auf einem guten sechsten Platz und wird voraussichtlich weder mit dem Aufstieg noch mit Abstieg noch etwas zu tun haben. In den vergangenen sieben Spielen wechselten sich Siege und Niederlagen jeweils ab. Gegen die SG 09 Kirchhof soll diese Serie am Samstag (18.30 Uhr) mit dem zweiten Sieg in Serie aber enden. Joelle Arno jedenfalls wird alles reinwerfen.

Julika Birnkammer und Lisa Opitz verlassen den ESV Regensburg

In der 2. Handball Bundesliga der Frauen sind für die meisten Mannschaften noch elf Spiele zu absolvieren, doch die Personalplanungen für die neue Saison laufen natürlich bereits auf Hochtouren. Der ESV Regensburg hat am Freitag bekanntgegeben, dass Julika Birnkammer und Lisa Opitz in der kommenden Saison nicht mehr für die „Bunkerladies“ auflaufen werden.

95 Feldtoren in 19 Spielen: Die bisherige Saisonbilanz von Julika Birnkammer kann sich sehen lassen. Quelle: Hans-Christian Wagner

Birnkammer, in dieser Saison bisher die erfolgreichste Werferin des ESV, wird in die Bundesliga zum Europapokalteilnehmer VfL Oldenburg wechseln. „Die Entscheidung, den ESV zu verlassen, ist mir alles andere als leichtgefallen. In den zwei Jahren, in denen ich hier gespielt habe, ist mir das ganze Team unglaublich ans Herz gewachsen und ich habe wunderschöne Momente mit tollen Menschen erlebt. Sportlich hat hier alles gepasst – vom Team über das Team um das Team bis hin zu meiner eigenen sportlichen Entwicklung“, lässt sich Birnkammer in der Pressemitteilung des ESV Regensburg zitieren.

Lisa Opitz will sich künftig vermehrt auf ihr Referendariat und ihr privates Umfeld konzentrieren und wechselt daher zu den Kurpfalz Bären Ketsch. Opitz kam vor der Saison von Drittligist HSG Blomberg-Lippe II nach Niederbayern und wird den Verein nun nach nur einer Saison wieder verlassen, dies aber mit positiven Gefühlen, wie sie in der ESV-Pressemitteilung wissen lässt: „Ich bin dem ESV sehr dankbar für die Zeit hier in Regensburg. Ich habe mich sportlich weiterentwickelt, aber vor allem menschlich auch viel mitgenommen. Das Team und alle drumherum sind mir enorm ans Herz gewachsen, weshalb mir die Entscheidung, den Verein zu verlassen, alles andere als leichtgefallen ist.“

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