Handwerk und Handball: Kreisläufertalent Caspar Mosblech auf der Suche nach dem Feinschliff
Caspar Mosblech freut sich auf seine erste Saison in der 3. Liga. Foto: SG Pfozheim-Eutingen
Der 19-jährige Caspar Mosblech arbeitet als Schreiner und gilt auch auf dem Handballfeld als großes Talent. Warum sich der Kreisläufer für einen Wechsel vom ALPLA HC Hard zur SG Pforzheim/Eutingen entschied, welche gravierenden Unterschiede er zwischen dem österreichischen und deutschen Handball sieht und in welchem Bereich er sich besonders verbessern möchte.
Man mag glauben, dass es diverse Gemeinsamkeiten zwischen dem Handball und dem Schreiner-Handwerk gibt: Beides erfordert eine gewisse Geschicklichkeit, die Hände spielen eine große Rolle und anstrengend ist beides sowieso. Der handballspielende Schreiner Caspar Mosblech belehrt Einen allerdings eines Besseren: „Ich würde jetzt nicht unbedingt sagen, dass das beim Handball wirklich weiterhilft. Ich wollte einfach etwas machen, für das ich auch meinen Körper benutze und das vielleicht auch ein bisschen rougher ist. Einfach etwas, das mir Spaß macht.“
Warum es beim ALPLA HC Hard nicht mehr passte
Wie für jeden ambitionierten Nicht-Profisportler führt das allerdings zur Frage, wie sich Beruf und Hobby am Besten miteinander vereinbaren lassen. Aus einem „zeitlichen Aspekt“ sei dies für ihn in der vergangenen Saison beim ALPLA HC Hard durchaus problematisch gewesen, gibt Mosblech zu. Die frühen Trainingszeiten ermöglichten ihm kaum Zeit zum Durchschnaufen oder für andere Beschäftigungen.
Hard gehört in der österreichischen Liga seit Jahren zu den Topmannschaften, das Team ist gespickt mit Routiniers aus dem Ausland, entsprechend hoch ist die Qualität und entsprechend schwierig ist es für junge Spieler Spielzeit in der ersten Mannschaft zu sammeln. Ein weiterer Unterschied zur deutschen 3. Liga, wo viele junge Talente zum Einsatz kommen, ist, dass die Förderung in Deutschland „eine ganz andere“ ist, wie Mosblech es ausdrückt.
In Österreich war Mosblech aufgrund der hohen Konkurrenz vor allem für die zweite Mannschaft vorgesehen, das sogenannte Future-Team, das in der HLA Challenge, der zweiten Liga, spielt. Dort sammelte der 19-Jährige zwar regelmäßig Spielpraxis, allerdings kamen auch Spieler aus der ersten Mannschaft zum Einsatz, wenn sie dort nicht berücksichtigt wurden – ein großer systematischer Unterschied zum deutschen Handball, wo zwischen erster und zweiter Mannschaft meist eine deutlich klarere Trennung besteht.
Warum sich Caspar Mosblech für einen Wechsel zur SG Pforzheim/Eutingen entschied
Entsprechend fällt dann auch die Begründung des Kreisläufers für seinen Wechsel zur SG Pforzheim/Eutingen aus: „Ich hoffe natürlich, dass ich noch mal mehr Spielpraxis bekomme. Der Hauptgrund für meinen Wechsel war, dass ich gesagt habe: Ich muss spielen, spielen, spielen, weil dass das Wichtigste ist, um sich weiterzuentwickeln.“
Der 19-Jährige erhofft sich in der jungen Pforzheimer Mannschaft eine „andere Rolle“ zu übernehmen, als er dies in Österreich tat: „Logisch hat jeder so seinen Platz, aber den muss man jetzt auch erstmal finden, erst recht, wenn man neu dazukommt. Aber man versucht natürlich, sich da gut einzubringen und auch eine verantwortungsvolle Rolle zu übernehmen.“
Wie der 19-Jährige sein Spiel auf das nächste Level heben möchte
Für den jungen Kreisläufer, der seine Stärken in der Raumerkennung und im Hinterlaufen der gegnerischen Abwehr hat, liegt ein wichtiger Fokus darauf, das eigene Sperrenspiel zu verbessern. Mit seinen 1,91 Metern ist Mosblech zwar bei Weitem nicht so klein wie beispielweise Nicholas Schley von TUSEM Essen, aber sonderlich großgewachsen ist er für einen Kreisläufer auch nicht.
Der 19-Jährige erklärt: „Ich versuche durch genügend Krafttraining einen tiefen Körperschwerpunkt zu entwickelm, sodass ich die Bälle dann auch in der Sperre untenrum fangen kann. Das macht natürlich auch was her, weil es für die Abwehrspieler nochmal schwieriger ist, wenn die Bälle untenrum kommen als wenn die oben drüberfliegen. Mit meiner Größe muss ich so ein bisschen schauen, dass ich da ein gutes Mittelmaß finde beim Krafttraining.“ Unter anderem mit diesem Sperrenspiel möchte Mosblech das eigene Repertoire erweitern. Die ersten Schritte hat er bereits gemacht, indem er insbesondere in der vergangenen Saison an Gewicht zugelegt hat, es sollen aber weitere folgen.
Warum Mosblech dem Bergischen HC und dem VfL Gummersbach einen Korb gab
Seine allerersten handballerischen Schritte machte Mosblech beim Leichlinger TV, später wechselte er zu TuS 82 Opladen und daraufhin zu Bayer Dormagen. Nach zweijährigem Pendeln zog Mosblech auf das dortige Handballinternat. Der 19-Jährige spielte übrigens in diversen Auswahlmannschaften und sorgte entsprechend für Aufsehen, so dass er auch zum Bergischen HC oder zum VfL Gummersbach hätte wechseln können.
Warum er sich für Dormagen entschied? „Ich bin nach Dormagen gegangen, weil ich einfach überzeugt war, dass das für vor allem für den Jugendhandball der richtige Schritt war, um mich bestmöglich weiterzuentwickeln und weil ich die Möglichkeiten gesehen habe, die der Verein mir geboten hat und die Entwicklungschancen. Natürlich hat man dann auch den guten Anschluss an die zweite Liga im Hinterkopf, außerdem spielt man dort in der Jugend immer oben mit.“ Diverse Teilnahmen an der Deutschen Meisterschaft bestätigen Mosblech in seiner Annehme, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sein Fazit: „Der Plan ist auf jeden Fall aufgegangen.“
Warum Pforzheim-Trainer Alexander Lipps in der Theorie zu Mosblech passen könnte
In Österreich sammelte Mosblech dann weitere wichtige Erfahrungen und lernte auch eine andere Handballphilosophie kennen, schließlich sei auch das Training dort „ein bisschen anders“ gewesen als in Deutschland. „In Deutschland versucht man wirklich, das ist so mein Eindruck, vor allem mit den jüngeren Spielern, das Spiel weiterzuentwickeln, an den Fähigkeiten der Spieler zu arbeiten, damit man noch so ein bisschen den letzten Feinschliff rausholen kann. Natürlich hat man in Österreich auch geschaut, wie man das Spiel optimieren kann, aber dort hatte ich das Gefühl, dass nicht mehr so die Fähigkeiten der einzelnen Spieler gefördert würden, weil dort auch schon viele ältere Spieler waren, die auch schon länger dabei sind und die ihre Fähigkeiten bereits entwickelt hatten.“ In Pforzheim jedenfalls dürfte sich Coach Alexander Lipps der Erfahrung nach auf jeden Fall als Mann für den Feinschliff ansehen, auch wenn er kein Schreiner ist, sondern hauptberuflicher Handballtrainer.
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