Insel-Power und THW Kiel-Gene: Ben Connar Battermann vom TV Großwallstadt in der Analyse
Ben Connar Battermanns Haare standen im DHB-Pokalspiel gegen SC Magdeburg in die Höhe, als wehe in der Untermainhalle in Elsenfeld eine stramme Ostseebrise. Foto: TV Großwallstadt
Ben Connar Battermann schaffte den Sprung von der beschaulichen Insel Föhr zum THW Kiel bis in die Handball Champions League. Seit einem Jahr trägt der 21-Jährige nun das Trikot des TV Großwallstadt – und passt gut in das Spielsystem von Trainer André Lohrbach.
Wer sich auf dem YouTube-Kanal des TV Großwallstadt die Highlights des Spiels zwischen dem TVG und TuSEM Essen anschaut, der sieht beinahe einen reinen Highlight-Zusammenschnitt von Ben Connar Battermann. Der 21-Jährige passt den Ball zum freistehenden Mitspieler nach außen, zimmert einen harten Wurf aus neun Meter unter die Latte, lässt seinen Gegenspieler mit einem Haken nach links stehen, trifft unter höchster Bedrängnis. Zehn Tore stehen am Ende in der Bilanz.
Aber was passiert im entscheidenden Moment, wenn es um Sieg oder Niederlage geht? Ja, auch dann behält Battermann die Nerven. Zumindest hier, zumindest an diesem Abend. Eine Minute vor Spielende in diesem ach so wichtigen Abstiegsthriller tanzt der gebürtige Lemgoer erneut seinen Gegenspieler aus und zwirbelt den Ball dann per Drehwurf ins gegnerische Tor. Essen fand keine Antwort mehr und verlor in Elsenfeld mit 33:34.
„Es war ein klassisches Vier-Punkte-Spiel“, resümiert Battermann. „Es war nicht das schönste Spiel, aber sehr kämpferisch-emotional. Man hat gesehen, wie sehr wir es wollten.“ Möglicherweise sogar ein paar Prozent mehr als der Gegner, vermutet der TVG-Rückraumspieler, der sein Team in der entscheidenden Phase als „etwas cleverer“ wahrnahm.
Die Spannung ist raus? Von wegen!
Sechs Punkte beträgt der Vorsprung der Unterfranken auf den ersten Abstiegsplatz, auf dem sich aktuell die formstarke HSG Krefeld befindet, momentan. Weiter geht es nach der Länderspielpause mit einem Auswärtsspiel bei Schlusslicht HC Oppenweiler/Backnang. Die Situation des TVG hat sich auf den ersten Blick also deutlich entspannt, doch Battermann warnt: „Wenn man sieht, wie Krefeld aktuell performt, kann es schon noch einmal spannend werden. Unser Ziel muss es aber sein, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Wir haben jetzt zwei wichtige Spiele, da wollen wir zweimal punkten. Ich mag es nicht, wenn man darauf hofft, dass andere verlieren.“
Das Leben auf der Insel
Gewinnen, das will Battermann. Handball spielen. Schon als kleines Kind fing er mit dem Sport an, zunächst beim Heimatverein Handball Bad Salzuflen. Als er zehn Jahre alt war und seine beiden älteren Geschwister ausgezogen waren, zog Battermann Junior mit seinen Eltern auf die Insel Föhr, unweit von Sylt. Sein Vater besitzt dort eine Glasmanufaktur. „Meine Eltern leben bis heute dort und sind dort total glücklich“, erzählt Battermann von der Landwirtschaft auf der Insel und den Touristenströmen im Sommer. „Wenn ich dort bin, fühlt es sich ein bisschen wie Urlaub an. Alles ist ein bisschen ruhiger.“ 8000 Menschen wohnen auf der Insel, Handball gibt es dort nur in den untersten Spielklassen, deswegen pendelte Battermann mit der Fähre 45 Minuten bis zum Festland, um dort seinem Hobby nachzugehen.
Vom Wattenmeer an die Förde: Reifeprüfung beim Rekordmeister
Mit Erfolg: Der THW Kiel wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn als 14-Jährigen ins Internat. Wobei das Wort Internat nicht ganz zutreffend sein dürfte, mehr wie betreutes Wohnen war das, erinnert sich Battermann. „Für mich war das ein ganz großer Schritt“, erinnert er sich. „In den ersten Jahren ist mir das schwer gefallen. Ich hatte ein bisschen Heimweh.“ Die größere Selbstständigkeit, auch das gibt er zu, sei für ihn zunächst nicht ganz so einfach gewesen.
Doch Battermann passte sich an, entwickelte sich sportlich weiter, schaffte sogar den Sprung in die erste Mannschaft. Mit 18 Jahren absolvierte er sein erstes Champions League-Spiel. „Das war unfassbar. Die Ostseehalle ist schon so ein bisschen das Nonplusultra“, meint der 21-Jährige. Sich nachhaltig in der ersten Mannschaft zu etablieren, gelang ihm aber nie. Was sicherlich keine Schande ist bei einem der größten Handball-Vereine der Welt.
Besonderes Kapitel bei der Jugend-Nationalmannschaft
Nicht unerwähnt bleiben sollen Battermanns Erfolge mit der Jugendnationalmannschaft. 2022 gewann er mit dem U18-Nationalteam in Montenegro EM-Bronze. Bei der U19-WM 2023 in Kroatien, bei der die deutsche Mannschaft im Viertelfinale ausschied, erzielte er 38 Tore. Nur Marvin Siemer, der aktuell beim 1. VfL Potsdam spielt, war aus deutscher Sicht vor dem Tor erfolgreicher. „Viele Spieler, die ich von dort kenne, spielen mittlerweile in der 1. oder in der 2. Bundesliga. Ich habe dort Freunde fürs Leben gefunden“, so Battermann. David Móré von den Rhein-Neckar Löwen ist einer seiner besten Freunde, die beiden treffen sich regelmäßig. Auch mit Spielern wie Linnus Kutz von Liga-Rivale VfL Eintracht Hagen und Henri Pabst von TuS N-Lübbecke ist er regelmäßig in Kontakt.
Taktik und Ballgefühl
Doch zurück zum Sport: Mit Zweitspielrecht ausgestattet absolvierte Battermann 14 Spiele beim Drittligisten TSV Altenholz. Dort war André Lohrbach sein Trainer, heute bekanntlich Trainer des TV Großwallstadt. Es folgte ein Jahr beim TBV Lemgo Lippe. Im Januar 2025 erhielt er ein Zweitspielrecht für den TV Großwallstadt, seit Sommer ist er nun fester Bestandteil der Unterfranken.
Das Lohrbach-Spielsystem, es passt zu ihm. Mutig wollen sie verteidigen, auch mal antizipieren, Bälle erobern. Das gelingt Battermann. Elf Steals hat er in dieser Saison bereits vorzuweisen, ligaweit ist das Rang sechs. Als Rückraumspieler wohlgemerkt. Und auch offensiv darf er Verantwortung übernehmen, wenn dies in den Matchplan passt. Dieser ist meist gegnerabhängig.
Im Spiel gegen TuSEM Essen war beispielsweise auffällig, wie breit die TVG-Offensive angelegt war. Battermann hatte im Zentrum viel Raum für sich alleine und konnte seine Qualitäten im Eins-gegen-eins ausspielen. „Wir haben im Video gesehen, wie viele Räume Essen lässt. Dann war das unser Mittel“, erklärt Battermann, der sich in diesem Spiel 17 Würfe nahm, mit Abstand die meisten von allen Spielern auf dem Feld. Entsprechend komisch hört es sich an, wenn er preisgibt: „Viele aus meiner Mannschaft sagen, ich sollte öfters werfen.“ Dass die Entscheidungsfindung mit 21 Jahren noch nicht immer passt, ist bei den vielen Aspekten des Spiels, die bereits passen, für Außenstehende fast schon ein wenig tröstlich.
Zurück auf die Insel?
Jetzt aber weg vom Handball. Weit weg. Battermann fährt zu seinen Geschwister nach Nordrhein-Westfalen. „Das tut jetzt ganz gut, mal weg zu sein“, meint Battermann. Und nach der Handball-Laufbahn? Wieder ganz weit weg? Zurück auf die beschauliche Insel? „Ich weiß es nicht. Ich könnte mir das schon vorstellen“, sagt er.
Anmerkung: Auch über Ben Connar Battermanns Teamkollegen Maxim Schalles habe ich einen Text geschrieben. Diesen lesen Sie hier.
Dir gefällt, was du hier liest?
Ich stecke viel Herzblut und Zeit in die Recherche und die Interviews für das Logbuch Sport. Wenn dir meine Texte einen Mehrwert bieten, freue ich mich über eine freiwillige Unterstützung via PayPal, um dieses Projekt weiterbetreiben zu können. Jeder Betrag hilft mir direkt dabei, die Kosten zu decken und weiterhin unabhängig zu berichten.