Schwäbischer Aufstiegkampf, fränkisches Mittelmaß

2. Handball Bundesliga Zwischenfazit
Während Balingen und Bietigheim das Oberhaus im Blick haben, ist der HC Oppenweiler-Backnang in akuter Abstiegsgefahr. Quelle: Jean-Louis Servais/pixabay
In der Saison 2025/2026 spielen drei Teams aus Baden-Württemberg und zwei Mannschaften aus Bayern in der 2. Handball Bundesliga. Während die SG BBM Bietigheim und der HBW Balingen-Weilstetten erwartungsgemäß um den Aufstieg mitspielen, befinden sich die HSC 2000 Coburg und der TV Großwallstadt im Mittelfeld der Tabelle. Aufsteiger HC Oppenweiler/Backnang droht der direkte Wiederabstieg. Ein Überblick über die Situation der süddeutschen Teams in der 2. HBL.

SG BBM Bietigheim (Platz 2, 28:6 Punkte): 8. Juni 2025 in der Bietigheimer Ege-Trans-Arena: Die SG BBM Bietigheim hatte mit 25:35 gegen den SC Magdeburg verloren und war nach einem dramatischen Abstiegskampf denkbar knapp zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte aus der HBL in die 2. Handball Bundesliga abgestiegen, weil sowohl der TVB Stuttgart als auch der HC Erlangen zeitgleich gewannen. SG BBM-Kreisläufer Fabian Wiederstein saß an der Bande, vergoss Tränen.

Doch wer glaubte, dass die SG BBM an diesem nicht ganz überraschenden aber doch extrem bitteren Abstieg  lange zu knabbern hat, sieht sich getäuscht. Die Ellentäler, angeführt von ihrem neuen Kapitän, eben jenem Fabian Wiederstein, spielen eine starke Zweitliga-Saison. Basis für den Erfolg ist die stärkste Defensive der Liga (449 Gegentore), an der die beiden vor der Saison verpflichteten Torhüter Jan Hrdlicka und Martin Tomovski einen entscheidenden Anteil haben. Hrdlicka steht mit einer Paradenquote von 34,96 Prozent im Ligavergleich auf Rang drei, Tomovski folgt mit 33,86 Prozent auf Rang fünf.

Damit es mit dem direkten Wiederaufstieg aber klappt, muss sich die zehntbeste Offensive der Liga deutlich steigern. Ein entscheidender Faktor dafür könnten Rückraumspieler Dominic Claus und Kreisläufer Jonathan Fischer werden. Letztgenannter wird von seinen Mitspieler viel gesucht und spielt mit seiner Wucht eine wichtige Rolle in der Offensive von Trainer Iker Romero. Der Spanier wiederum wird die SG BBM nach fünf gemeinsamen Jahren nach der Saison verlassen, um sich auf die österreichische Nationalmannschaft zu konzentrieren. Sein Nachfolger wird Hartmut Mayerhoffer, der Bietigheim 2014 und 2018 bereits zum Aufstieg geführt hat. Es bleibt spannend im Ellental.

HBW Balingen-Weilstetten (Platz 3, 26:8 Punkte): Die „Gallier“ aus dem Zolleralbkreis waren seit 2006 in 15 Saisons erstklassig. Mit einer Rückkehr in die Bundesliga war vor der aktuellen Runde allerdings nicht unbedingt zu rechnen, zu groß war der Balinger Umbruch mit insgesamt sieben Zu- und Abgängen im Sommer.

Doch trotz einiger Verletzungsprobleme und kleinerer Anlaufschwierigkeiten fand die Mannschaft von Trainer Matthias Flohr schnell zueinander. Die Offensive um den flinken Außenspieler Sascha Pfattheicher, mit 141 Toren mit Abstand der erfolgreichste Werfer der gesamten Liga, bereitet den  gegnerischen Abwehrreihen regelmäßig große Probleme. Insbesondere aufgrund ihres hohen Tempos und ihrer Heimstärke in der Mey-Generalbau-Arena gehört Balingen neben dem HC Elbflorenz 2006 (Platz 1, 28:6 Punkte), Bietigheim, dem 1. VfL Potsdam (Platz 4, 25:9 Punkte) und der HSG Norhorn-Lingen (Platz 5, 25:9 Punkte) zu den heißesten Aufstiegsanwärtern. Hinzu kommt, dass die „Gallier“ ligaweit die meisten Tore nach Tempogegenstößen und über außen werfen. Allerdings kassierte das Team bereits 88 Gegentore am Kreis, der dritthöchste Wert der Liga.

Die Partien gegen Potsdam (7. Februar, 19.30 Uhr) und eine Woche danach in Dresden (18 Uhr) könnten bereits vorentscheidenden Charakter im Aufstiegsrennen haben. Große Fehler kann sich in dieser Saison, in der die Topteams verlässlich punkten, jedenfalls niemand mehr erlauben.

HSC 2000 Coburg (Platz 9, 20:14 Punkte): Der HSC Coburg entstand nicht etwa im Jahr 2000, sondern 1992, als sich der TV Ketschendorf und der TV 48 Coburg zusammenschlossen. Im Jahr 2000 kam der TV Neuses hinzu, wodurch der HSC 2000 Coburg in seiner heutigen Form entstand. In der 2. Handball Bundesliga spielte Coburg erstmals 2007. Neun Jahre später folgte der Aufstieg in die Bundesliga. Ein weiteres kurzes Gastspiel im Oberhaus absolvierte der Verein in der Saison 2020/2021, es sollte das bis dato letzte werden.

In der aktuellen Zweitliga-Saison beträgt der Rückstand auf einen Aufstiegsplatz acht Punkte. Auffällig ist, dass das Team von Trainer Anel Mahmutefendic eine sehr offensive 3-2-1-Deckung spielen kann, sich aber auch erfolgreich tiefer zurückziehen kann. Die Coburger Defensiver wirkt phasenweise durchaus massiv, auch wenn sie statistisch „nur“ oberes Mittelmaß ist und die Gegner regelmäßig über außen treffen (58 Gegentore über außen, dritthöchster Wert der Liga). Problematisch ist auch, dass der HSC nur 35 Gegenstoßtore verbuchen konnte, der fünftschwächste Wert der Liga.

Das Offensivspiel lebt vom italienischen Nationalspieler Mikael Helmersson und von den Kreisläufer Nils Röller und Bartolomiej Bis, die sehr oft in Szene gesetzt werden. Nur der TSV Bayer Dormagen erzielte mehr Tore über den Kreis. Auch deshalb gewann der HSC 2000 Coburg fünf der letzten sechs Spiele vor der EM-Pause und darf wieder vorsichtig nach oben schielen. Dies will in Zukunft auch Torhüter Petros Boukovinas, der seinen Vertrag bei den Oberfranken um zwei Jahre verlängert hat.

TV Großwallstadt (Platz 13, 12:22 Punkte): Größer als in Coburg ist die  Handball-Historie des TV Großwallstadt. Die „Goldenen Zeiten“ des ersten Deutschen Meisters und zweimaligen Europapokal der Landesmeister-Siegers sind aber längst vorbei. Die sportliche und finanzielle Abwärtsspirale des TVG, die eng mit dem Rückzug eines bedeutenden Sponsors zusammenhängt, fand 2015 mit der Insolvenz und dem Absturz in die Drittklassigkeit ihren Tiefpunkt.

Nach dem direkten Wiederaufstieg etablierte sich Großwallstadt wieder in der 2. Handball Bundesliga, in der der TVG aktuell allerdings im unteren Mittelfeld der Tabelle festhängt. Nach einem guten Saisonstart sind die Unterfranken seit nunmehr acht Spielen sieglos. Insbesondere die Defensive bereitet der Mannschaft von Trainer Andre Lohrbach große Probleme (viertmeiste Gegentore der Liga). Bei der 30:33-Niederlage gegen Coburg vor der EM-Pause wirkte die Abwehr in vielen Situationen den berühmten Schritt zu weit weg vom Gegenspieler.

Hinzu kommen die Schwächen auf der Torhüterposition. Nur Krefelds Tormänner haben eine noch schwächere Paradenquote. Der TVG hat diese Problematik allerdings erkannt und zur kommenden Saison Ziga Urbic von den Eulen Ludwigshafen verpflichtet. Stefan Hanemann wird den Verein verlassen. Dies gilt auch für Mario Stark. Der Spielmacher wird nach zehn Jahren beim TVG zum TV Kirchzell zurückkehren.

HC Oppenweiler/Backnang (Platz 18, 2:32 Punkte): Ganz so hoffnunglos wie der Blick auf die Tabelle und diverse Statistiken es vermuten lassen würde, ist die Situation beim Aufsteiger und abgeschlagenen Tabellenletzten nicht. Zum Einen ist da der Fakt, dass der HCOB in vielen Spielen eine gute Figur abgab. Neben zwei Unentschieden verlor das Team aus dem Rems-Murr-Kreis drei Spiele mit nur einem Tor.

Außerdem vermeldete der Verein in der EM-Pause die Verpflichtung von Rui Silva als neuem Cheftrainer. Silva hatte zuvor erfolgteich beim griechischen Tabellenführer AEK Athen gearbeitet und wird die Interimstrainer Tobias Klisch und Volker Blumenschein ablösen, die auf den entlassenen Stephan Just folgten. 

Und dann ist da ja noch Timm Buck. Der 24-jährige Rückraumspieler spielt seit 2019 für dem HCOB und ist in der aktuellen Saison der viertbeste Torwerfer der gesamten Liga. Im Dezember hat Buck hat seinen Vertrag bis 2028 verlängert. Ja, es riecht nach Abstieg. Aber ja, es wirkt noch nicht so als breche der Verein deswegen auseinander. 

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