Valentin Busch von den Lindau Islanders: Von der Tribüne zum Schlüsselspieler
Valentin Busch von den Lindau Islanders erzielte in der Hauptrunde des Saison 2025/26 14 Tore und legte 30 Treffer auf. Foto: Betty Ockert
Mit seinen 28 Jahren hat Valentin Busch in seiner Eishockey-Karriere bereits einiges erlebt. Bei den Grizzlys Wolfsburg schien er sich zunächst in der DEL zu etablieren. Nach einem Trainerwechsel wurde er dann aber aussortiert. Nach weiteren Rückschlägen ist er nun ein wichtiger Bestandteil der Lindau Islanders – und gibt Einblicke in die Gefühlswelt eines Eishockey-Spielers.
Die Welt eines Eishockeyspielers kann sich einsam anfühlen. Wenn das einer weiß, dann Valentin Busch. Busch wurde in Erding geboren, stand zwischen 2018 und 2022 allerdings bei den Grizzlys Wolfsburg unter Vertrag. Sie haben mit ihm geplant in der Autostadt, noch 2021 wurde sein Vertrag bis zum Jahr 2023 verlängert. Dann aber kam es zu einem Trainerwechsel. Pat Cortina, der den Verein in das DEL-Finale geführt hatte, wurde durch Mike Stewart ersetzt.
Doch wie auch einige andere junge Spieler im Team kam Busch mit Stewart nicht klar. Der mittlerweile 53-jährige Kanadier setzt auf „Chip & Charge-Eishockey“, also das Tiefspielen des Pucks und das darauffolgende Hinterherjagen. Für Busch war diese Veränderung der Spielweise fatal. Der gebürtige Erdinger liebt es, mit klugen Pässen das Spiel zu diktieren und mit seinen Offensivqualitäten Spiele zu entscheiden. Nun waren in der dritten Reihe aber andere Qualitäten gefragt. Vorchecking, körperliches Spiel.
In der Saison 2021/22 absolvierte Busch nur elf Spiele für die Grizzlys. Sein neuer Platz war plötzlich: Auf der Tribüne. Weit weg von zu Hause. Busch beschreibt seine Situation als eine Welle, auf der es plötzlich nach unten statt nach oben ging. Vielleicht hat sie ihn sogar abgeworfen, mag man ergänzen. Der 28-Jährige erinnert sich: „Es war wirklich nicht einfach. Wolfsburg ist von meiner Heimat aus nicht um die Ecke und dann war ich dort alleine und saß auf der Tribüne. Du spürst den ganzen Druck von den Medien, Trainern und Bekannten. Du willst es allen zeigen.“
Die Anfänge
Vor allem wenn du einer bist, für den Eishockey im bisherigen Leben immer ein fester Bestandteil war. Wahrscheinlich sechs Jahre alt war er, als er in Erding erstmals auf dem Eis stand, erinnert sich Busch. Zwei Jahre verbrachte er in der Jugend des EV Landshut, es folgte der Schritt zur RB Hockey Academy, an der er zwischen 2014 und 2016 war. In Salzburg trainieren Fußballer und Eishockey-Spieler an einem Ort. Die Trainingsbedingungen waren herausragend, so kann dort beispielsweise mit einer sich bewegenden, künstlichen Eisfläche die Lauftechnik trainiert werden, beschreibt Busch.
Die Karriere des Flügelstürmers nahm dann aber erst bei den Bayreuth Tigers in der DEL2 richtig Fahrt auf. Zwischen 2016 und 2018 wurde Busch von den Nürnberg Ice Tigers an die Bayreuth Tigers ausgeliehen. Busch schlug dort direkt ein und wurde 2017 zum „Rookie des Jahres“ gewählt. 2018 folgte der Wechsel zu den Grizzlys Wolfsburg. In seiner ersten Spielzeit bekam Busch dann allerdings erst einmal viel Spielzeit in der DEL2 bei den Kassel Huskies, die Busch ausgeliehen hatten.
Die Entscheidung
2019 übernahm Pat Cortina das Amt des Cheftrainers bei den Grizzlys Wolfsburg. „Er hat mir Selbstvertrauen gegeben“, erinnert sich Busch, der sich in Wolfsburg festzubeißen schien. Bis zum erwähnten Trainerwechsel, nachdem Busch nicht mehr die als junger Spieler erforderliche Eiszeit erhielt. Mit seinem Berater Marton Ancicka beschloss er daher, seinen Vertrag aufzulösen und einen neuen Verein zu suchen. Den Rest der Saison verbrachte Busch dann bei den Bietigheim Steelers.
Rückschläge und Neustart
Es folgte ein Wechsel zu den Iserlohn Roosters. Im Sauerland stellte sich die Situation, dann aber ähnlich wie in Wolfsburg dar. Nach dem Trainerwechsel von Kurt Kleinendorst zu Greg Poss passte Busch nicht mehr ins Spielsystem. Hinzu kamen Verletzungen und Krankheiten. Muskelfaserriss, Zerrungen, Schulterprobleme. „Ich war dann oft im Gym und in der Rehaklinik in Dortmund, aber du merkst das dann schon auf dem Eis, wenn du nicht ganz fit bist“, erinnert sich Busch.
Nach der Saison stand Busch zunächst ohne Verein da. „Ich habe mir deswegen aber keinen Stress gemacht, ich wusste das viele Vereine auf mich zukommen werden“, so Busch. Ein Wechsel zu den Ravensburg Towerstars soll laut seinen Aussagen „im Spiel“ gewesen sein. Doch dann zwang eine Verletzung im Kader die Memmingen Indians zum Handeln. Sie legten Busch ein attraktives Angebot vor, dem er schließlich nicht widerstehen konnte.
Nur eine Saison später klopften die Lindau Islanders an, bei denen er sich schnell zu einem Schlüsselspieler entwickelte, auch wenn der Scoring-Output noch größer sein könnte, wie er selbstkritisch zugibt. „Ich habe nur Gutes über die Organisation gehört. Außerdem habe ich gewusst, dass Lindau schön sein soll“, begründet Busch seinen Wechsel an den Bodensee. Dort wird langsam aber sich etwas aufgebaut. Nach der Bayernliga-Meisterschaft 2014/15 und dem Aufstieg ein Jahr später hat sich der Verein in der Oberliga Süd etabliert, in den vergangenen Jahren reihten sich die Platzierungen neun, acht, sieben und sechs in zufriedenstellender Reihenfolge aneinander.
Scouting, Vertrauen, Trainer
Die Fortschritte erscheinen logisch, weil der Verein finanziell stabil dasteht und im Scouting viel Aufwand betreibt, wie Busch mit einem Beispiel untermauert: „Marko (Šakić, neuer Cheftrainer; Anm. der Red.) und Milo (Markovic, sportlicher Leiter; Anm. der Red.) waren vor Kurzem in Atlanta und haben dort Spieler gescoutet. Sie klemmen sich wirklich dahinter und schauen sich die Spieler live an, anstatt nur auf Plattformen wie Elite Prospects zu gucken.“
In Lindau hat Busch von Anfang an das Vertrauen der Verantwortlichen gespürt, er fühlt sich wohl und wird auch in der kommenden Saison am Bodensee auflaufen. Dann wird allerdings erwähnter Marko Šakić als neuer Cheftrainer an der Bande stehen, da Michael Baindl den Verein verlassen wird. „Michi ist ein junger, guter Coach. Ich bin immer gut mit ihm klargekommen. Er hat mir Eiszeit und Vertrauen gegeben“, sagt Busch. „Es freut mich für ihn persönlich, dass er offenbar ein gutes Angebot erhalten hat.“
Den neuen Cheftrainer Marko Šakić kennt Busch bereits, denn Šakić ist seit 2022 Co-Trainer und Nachwuchstrainer der Islanders. „Ich bin gespannt und glaube, dass er sich gut macht“, blickt Busch voraus. Derweil verlässt nicht nur Trainer Baindl die direkt am Bodensee liegende und seitlich offene BPM-Arena endgültig, sondern auch einige Spieler gehen neue Wege. Der am schwierigsten zu kompensierende Abgang dürfte Goalie Keanu Salmik sein, der in die DEL2 wechseln wird. Patrick Raaf-Effertz und Noah Kane bleiben den Islanders allerdings erhalten, wie der Verein kürzlich kommunizierte.
Ein zweiter Weg
Busch ist derweil mit seinem Umzug nach Erding beschäftigt. Während der Saison bekommt er vom Verein eine Wohnung in Lindau gestellt, wo er mittlerweile auch eine Freundin gefunden hat und sich sehr wohl fühlt. In der Off-Season geht es aber in die Heimat. Busch arbeitet nebenbei im Büromanagement. Nach seiner Eishockey-Laufbahn will er bei seinem Vater einsteigen, der eine Reha- und Physiopraxis hat. „Ein zweiter Weg ist wichtig, wenn man nicht in der DEL spielt“, betont Busch.
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