Tor Immo vom EV Landshut: „Wir haben jeden Stein umgedreht"

Tor Immo jubelt mit seinen Teamkollegen vom EV Landshut.

„Goldhelm“ Tor Immo will mit seinen Teamkollegen zukünftig wieder öfters jubeln. Foto: Christine Vincon

Der EV Landshut kämpft sich durch eine schwierige Saison, läuft den eigenen Erwartungen hinterher. Doch nun nähren zwei Siege in Folge die Hoffnung auf eine Wende. EVL-Toptorjäger Tor Immo gibt Einblicke in einen Klub, bei dem man sich mit Prognosen vermutlich lieber zurückhalten sollte.

In kaum einem anderen Sport wird eine Floskel so gebetsmühlenartig wiederholt wie im Eishockey, wo landein- und landauswärts davon die Rede ist, das Spiel „einfach“ zu halten. Wie „einfach“ dieses „einfache“ Spiel einer Mannschaft, die zahlreiche Probleme umschiffen muss, fällt, ist eine andere Frage. Die Situation des EV Landshut erinnert an ein Expeditionsschiff in der Arktis, das die sich vor ihm auftürmenden Eisberge umfahren muss. Nur dass dann plötzlich immer neue Hindernisse vor dem Schiff auftauchen, mit denen gar niemand gerechnet hat.

Die Saison des EV Landshut ist nämlich mit Sicherheit eines nicht: Einfach. Nach acht Spielen stand die Mannschaft des neuen EVL-Cheftrainers Uwe Krupp noch auf dem ersten Tabellenplatz, nach 17 Spielen stand Rang zwei zu Buche. Doch dann ging den Niederbayern das Glück abhanden, in einigen Spielen erlaubte sich die Mannschaft ein „schreckliches Management“ der defensiven Zone, wie es EVL-Toptorjäger Tor Immo ausdrückt. Es folgten Spiele ohne offensive Durchschlagskraft, Spiele mit schlechter Chancenverwertung, Spiele in denen die Special Teams Probleme bereiteten. Schlechte Entscheidungen und individuelle Fehler prägten eine Saison, in der der EV Landshut vorne angreifen wollte, anstatt in den Untiefen des Tabellenmittelmaßes festzuhängen. Wenn Tor Immo über die Saison spricht, ist ihm eine gewisse Fassungslosigkeit anzuhören. Eine Phase wie diese habe er noch nie gesehen: „Normalerweise hat man Probleme in der defensiven Zone zum Beispiel. Wir hatten viele verschiedene Probleme, es gab nicht dieses eine Muster.“

Über umgedrehte Steine und wechselnde Reihen

Der 31-jährige Schwede ist einer, der viele Fragen stellt, sich intensiv mit Trainern und Mitspielern unterhält. Er will, dass es vorangeht in Landshut, hat seinen Vertrag in der vergangenen Saison bis 2027 verlängert: „Wir sind alle hier, um zu gewinnen. Wir haben jeden Stein umgedreht.“ Herausgekommen sind einige kleine Anpassungen in der Spielweise. Dass Coach Uwe Krupp am vergangenen Wochenende dann auch noch erstmals der komplette Kader zur Verfügung stand, trug dazu bei, dass der EVL die Bietigheim Steelers (6:3) und den ESV Kaufbeuren (5:2) besiegte. „Wir haben diese Siege gebraucht. Für das Selbstvertrauen des Teams war es wichtig  zu gewinnen und gut zu spielen“, so Immo.

Auch für den Schweden persönlich war dieses Wochenende mit drei Toren und drei Assists ein Positives, wenngleich der 31-Jährige gegen Bietigheim in der Schlussphase das leere Tor aus kurzer Distanz verfehlte. Ein kurioser Moment, der ohne Folgen blieb. Und der nicht kaschieren kann, dass Immo mit 26 Toren sowie 59 Scorerpunkten in dieser Saison erneut Topzahlen liefert. Zufrieden ist er aber nicht: „Es war okay. Ich weiß, dass ich in dieser Liga produzieren kann. In meiner Reihe gab es offensiv aber durchaus Probleme. Ich war auch nicht gut genug. Es fällt mir schwer zu sagen, dass ich eine gute Saison spiele, wenn wir auf Rang acht stehen.“ Zwar ist die Chemie zwischen Immo und David Stieler eine gute, doch daneben wechselte Uwe Krupp viel durch. So spielten bereits Tobias Lindberg und Tobias Schwarz in Immos Reihen, nun ist Trevor Gooch dort zu finden. Möglicherweise könnte dies eine Lösung sein, die den EVL voranbringt.

Tor Immo und die „Liebe auf den ersten Blick“

Tor Immo hat schon zahlreiche Stationen hinter sich, er weiß, dass er in schwierigen Situationen Verantwortung übernehmen muss. Der Stürmer wurde in Köping, mit dem Auto etwa zwei Stunden westlich von Stockholm, geboren. Sein Vater hat in der Jugend Eishockey gespielt und brachte den Sohnemann bereits in jungen Jahren aufs Eis. Drei oder vier Jahre alt sei er da gewesen, erinnert sich Immo erstaunlich präzise an die „Liebe auf den ersten Blick“ bei dem, was man in Deutschland als „Laufschule“ bezeichnen würde.

Der 31-Jährige probierte auch Fußball, Floorball und Handball, blieb aber beim Eishockey. Seine erste Auslandserfahrung sammelte er bei den Bratislava Capitals, spielte mit der slowakischen Mannschaft aber in der österreichischen ICE Hockey League, die er als „langsamer, kontrollierter und weniger fehlerbehaftet“ als viele andere Ligen, in denen er gespielt hat, bezeichnet. Über Tschechien landete Immo in der Saison 2022/23 beim EHC Freiburg. Nach einem einjährigen Ausflug in die slowakische Liga („hohes Tempo“) folgte 2024 der Wechsel zum EV Landshut. Seine Einschätzung zur DEL2: „Die Liga ist sehr offen. Es gibt viele junge Leute, die sich auch mal einen Fehler erlauben. Es ist deutlich offensiver als in anderen Ligen.“ Besonders beeindruckt ist Immo über die tolle Atmosphäre in den Hallen.

Vorfreude auf ein „riesiges Spiel“

Bereits Ende 2024 verlängerte der Schwede seinen Vertrag in Landshut bis zum Jahr 2027. „Hier ist alles perfekt aufgestellt für uns. Die Mitspieler, das Team um das Team herum, die Organisation. Es ist toll. Nach all den Vereinswechseln in den vergangenen Jahren fühlt es sich einfach richtig an, für ein paar Jahre zu bleiben.“ Auch weil sich Immo, der sich aktuell mit Themen wie Gesundheitsversorgung und Kindergarten beschäftigt, mit seiner Frau Eveline und Tochter Freya in Landshut  privat pudelwohl fühlt. Eine Situation, die von außen betrachtet durchaus vergleichbar mit der Situation von Mark Rassell in Ravensburg zu sein scheint.

Doch zurück zu Immo, dessen Fokus nun erst einmal den Spielen gegen die Starbulls Rosenheim (Freitag, 19.30 Uhr) und bei den Kassel Huskies (Sonntag, 17 Uhr) gilt. Zwei der Top-3-Teams der Liga also. „Alles was wir tun können, ist rausgehen und unser Bestes geben“, meint Tor Immo. „Das Derby gegen Rosenheim ist kein normales Spiel. Es ist ein riesiges Spiel. Wir müssen gewinnen.“ Einfach wird es nicht. Einfach kann aber auch jeder.

 

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