Tommi Steffen vom EC Peiting: Goalie-Druck, finnische Schule und trügerische Statistiken
Tomi Steffen (rechts) – hier im Duell mit Dante Hahn (Nummer 91) vom Deggendorfer SC – sieht eine seiner größten Stärken darin, die Schüsse des Gegners gut lesen zu können. Foto: Holger Wieland
Tommi Steffen wird beim EC Peiting auch in der kommenden Saison zwischen den Pfosten stehen. Im Gespräch mit „Logbuch Sport“ hat der 24-jährige Deutsch-Finne über die mentalen Herausforderungen als Goalie, die finnische Eishockey-Schule und trügerische Statistiken gesprochen.
Zehn Tage ist es mittlerweile bereits her, dass der EC Peiting gegen die Hannover Indians aus den Playoffs der Eishockey Oberliga Süd ausschied. Nach einer intensiven Saison, die im September begann und meist zwei Spiele pro Woche beinhaltete, könnte man nun glauben, dass die Spieler des EC Peiting quasi im Eisbad übernachten. Goalie Tommi Steffen hingegen dürfte, wenn man den Klischees glaubt, die Anstrengung vermutlich eher in der Sauna abbauen, denn Steffen ist Deutsch-Finne.
Im Alter von neun oder zehn Jahren, da ist er sich nicht mehr ganz sicher, ist Steffen nach Finnland umgezogen, wo er mit dem Eishockey anfing. 2020 wechselte der 24-Jährige in die DNL zur U20 des EV Landshut. Über die Black Dragons Erfurt, die Lausitzer Füchse, die EG Diez-Limburg und die EV Lindau Islanders kam er 2025 zum EC Peiting.
Mentale Herausforderungen und finnische Eishockey-Schule
Womit wir wieder in der Gegenwart wären, in der Steffen – nun ja – wenig macht: „Ich habe ein bisschen abgeschaltet, hatte Zeit für mich selbst. Das war ganz entspannt.“ Wissen, wann man da sein muss und wann nicht. Den Kopf steuern. Wichtige Eigenschaften sind dies für einen Eishockey-Torhüter, dessen Fehler qua seiner Rolle große Konsequenzen haben können. Der 24-Jährige weiß: „Man hat als Goalie schon eine große Verantwortung. Trotz dessen ist es das beste Gefühl, wenn du mit diesem Druck umgehen kannst und ihn in Energie umwandeln kannst.“
Das kann er. ECP-Trainer Landon „Lanny“ Gare betonte jüngst in unserem Exklusiv-Interview Steffens Bereitschaft, sich immer weiter zu verbessern. Michael Baindl, der Noch-Trainer der Lindau Islanders, für die Steffen zwischen 2023 und 2025 spielte, erwähnte einst die Fähigkeit, sich zu fokussieren und schlechte Aktionen wegstecken zu können. Ist das angeborene Charakterstärke? „Das ist Übung“, entgegnet der ECP-Goalie, der sich selbst als „eher ruhiger“ bezeichnet. „Du musst jede Situation vergessen. Die wichtigste ist immer die nächste Situation. Du musst im Jetzt bleiben.“
Neben den mentalen Aspekten lobte Baindl auch Steffens „starke Reflexe“. Steffen beschreibt: „Ich kann Schüsse gut lesen, bin schnell und sehr athletisch.“ Diese Stärken haben ihren Ursprung in der finnischen Eishockey-Schule, wo großen Wert auf die Technik und insbesondere auf die Lauftechnik gelegt wird. Allerdings gibt es auch noch sehr viele Details, an denen Steffen arbeiten muss, wie er eingesteht.
Statistik-Jünger sind in Peiting Fehlanzeige
Zur ganzen Geschichte gehört nämlich auch die unterduchschnittliche Fangquote des ECP-Goalies. Diese lag in der Hauptrunde bei 88,6 Prozent, was Rang 19 von 25 Torhütern bedeutet. Entschuldigend könnte man anfügen, dass Steffen zwischen November und Januar sechs Wochen lang aufgrund einer Unterkörperverletzung fehlte. Zudem stellt sich die Frage, wie aussagekräftig die Fangquote überhaupt ist. Steffen jedenfalls zeigt sich „schon ganz zufrieden“ mit seiner Leistung und mit der Leistung seines Teams in der Saison 2025/26. Er verweist auf die Statistik Goals Saved Above Expected (GSAx), die in der nordamerikanischen NHL verwendet wird und die eine deutlich höhere Aussagekraft hat als die Fangquote. Die GSAx-Statistik beschreibt anhand der Schussqualität, wie viele Gegentore ein Torhüter verhindert hat.
Offenbar sind auch die Verantwortlichen des EC Peiting keine Statistik-Jünger, denn sie haben den Vertrag ihres Goalies um eine Saison verlängert. „Es ist mal gut, Kontinuität zu haben. Mir gefällt das Umfeld und die Mannschaft. Ich spüre das Vertrauen vom Trainer und der Organisation“, meint Steffen, der in einer Mannschaft, in der mehr als die Hälfte der Spieler nebenbei berufstätig ist, als Vollprofi agiert.
Der ECP-Goalie wird „in nächster Zeit“ mit dem Trockentraining anfangen. Das Mannschaftstraining startet im August. Im Juni und Juli wird Steffen in Finnland, dort lebt seine Mutter, trainieren. Die Grundlagen für den neuen Winter werden im Sommer gelegt.
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