Selber Wölfe vor dem Saisonstart: Kleine Schritte, große Baustellen

Selbs Sportlicher Leiter Frank Hördler attestiert Tom Pauker „Durchsetzungsvermögen, Charakter und Herz“. Foto: Mario Wiedel

Wo stehen die Selber Wölfe vor dem Start in die Oberligasaison 2026/27? Mit Eigengewächs Tom Pauker blicken wir auf eine schwierige Saisonvorbereitung und ein Gefühl, das über den Sommer hängen geblieben ist. Außerdem gewährt der 32-Jährige Einblicke in seinen spannenden Karriereweg.

Das Eishockeygeschäft kann sehr schnelllebig sein. Im Januar kam Tom Pauker von den IceFighters Leipzig zurück zu seinem Heimatverein, zu den Selber Wölfen. Nur einen Monat später wurde Trainer Felix Schütz entlassen. „Ich hatte auch vorher schon Kontakt zu Felix. Er wollte unbedingt, dass ich zu ihm nach Selb komme. Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen“, so Pauker.

Der 32-Jährige ist sich darüber im Klaren, dass Trainerwechsel im Eishockey nichts Ungewöhnliches sind. Erst im November vergangenen Jahres erlebte er mit, wie bei den IceFighters Leipzig Patric Wener entlassen und durch Christopher Straube ersetzt wurde. Für Pauker wiederum war, nachdem die Möglichkeit entstand, sofort klar, dass er zurück in seine Heimatstadt wechseln möchte.

Wenn Euphorie zu Ernüchterung wird

Pauker spielte bis er 18 Jahre alt war bei den Selber Wölfen. Nach je einem Jahr im Nachwuchs der Starbulls Rosenheim und der Tigers Bayreuth schaffte er es zwischen 2014 und 2016 sich in der Oberligamannschaft der Selber Wölfe zu etablieren und sammelte dort in beiden Saisons je 21 Hauptrundenpunkte. Somit empfahl er sich für die DEL2.

Beim EC Bad Nauheim erlebte er, ähnlich wie Marcel Pfänder vom Deggendorfer SC, ein schwieriges Jahr. „Zu der Zeit, als ich nach Bad Nauheim gegangen bin, war ich natürlich sehr euphorisch. Man freut sich, dass man den Sprung in die zweite Liga geschafft hat. Sportlich gesehen war das aber nicht so wertvoll, sondern eher ein charakterbildendes Jahr, um vielleicht resilienter mit Rückschlägen umzugehen“, gibt Pauker, der zum Saisonstart der Saison 2016/17 mit einer Fußentzündung zu kämpfen hatte, zu. „Es hat dann nie wirklich gereicht für regelmäßige Einsätze, um sich da vielleicht zu zeigen und vielleicht auch anderen Mannschaften in der Liga zu zeigen, was man kann. Dann ging es nach einem Jahr wieder runter. Es gibt Jahre, in denen man sät und es gibt Jahre, in denen man erntet“, bilanziert Pauker.

Neuanfang im Norden 

Nach einem guten Jahr bei den Blue Devils Weiden ging es für den 32-Jährigen bei den Starbulls Rosenheim weiter, auch weil diese damals im Gegensatz zu den Blue Devils klare Aufstiegsambitionen hatten. 2019 folgte etwas überraschend ein Wechsel zu den Rostock Piranhas. „In Rosenheim hat man ohne mich geplant. Dann war es wichtig für mich, aus dem Süden rauszukommen. Der damalige Trainer der Rostock Piranhas, Tomáš Kůrka, hat sich sehr um mich bemüht. Er hat mich dann voll und ganz von dem Wechsel überzeugt. Das hat mir schon sehr, sehr gut getan, dass ich da mal aus allem weg war, was ich kannte.  und dass ich einen kompletten Neuanfang machen konnte im Norden“, erklärt Pauker.

Mit seiner heutigen Frau zog er also in den hohen Norden. Weil er dort weit weg war von seinem eigentlichen Umfeld, konnte er sich voll auf das Eishockey und auf eine Lehre zum Koch konzentrieren, was ihm damals guttat. Pauker bekam in Rostock viel Spielzeit, viel Verantwortung und fühlte sich erstmals wie ein Anführer. „Das war schon eine schöne Zeit“, sagt er im Rückblick. Diese endete 2023 mit einem Wechsel zu den Black Dragons Erfurt.

Black Dragons Erfurt und IceFighters Leipzig

Paukers Partnerin hatte den Wunsch, wieder näher an der Heimat zu wohnen. Auch sportlich ergab der Wechsel Sinn, mit 43 Punkten erlebte Pauker in Erfurt statistisch gesehen eine der besten Saisons seiner Karriere. Nach nur einer Saison ging es dann aber zum Lokalrivalen Leipzig. Zwar könne er den Unmut über seinen Wechsel zum Lokalrivalen verstehen, so Pauker, doch Leipzig habe sich sehr um ihn bemüht. Auch sportlich habe sich Leipzig für ihn noch einmal wie der nächste Schritt angefühlt, was sich aus seiner Sicht mit einer überraschend guten ersten Saison und der Viertelfinalteilnahme dann auch bestätigte.

Ein Gefühl, das hängenbleibt

Im Januar kam Pauker dann also nach Selb, erlebte eine restliche Hauptrunde, die er passenderweise als „durchwachsen“ beschreibt und dann Playoffs, in denen die Wölfe mit 2:4 gegen die Hannover Scorpions im Viertelfinale ausschieden. „In den Playoffs haben wir es geschafft, den Schalter umzulegen. Wie wir dann gegen die Scorpions gespielt haben, ist aller Ehren wert“, meint der 32-Jährige, der sich gleichwohl über den ein oder anderen Fehler ärgert.

Womit man bei der Grundsatzfrage wäre, ob es nach so einem Ausscheiden darum geht, das Ganze möglichst schnell abzuhaken oder es intensiv zu analysieren. In Selb entschied man sich laut Pauker offenbar für Zweiteres, wobei man die Detailanalyse verständlicherweise nicht mit der Öffentlichkeit teilen will. Pauker gibt zu: „Man nimmt schon dieses Gefühl von der Enttäuschung mit, was es gegeben hat nach dem Ausscheiden gegen Hannover. Vor allem, wenn man selbst auch weiß, dass mehr möglich gewesen wäre. Und dieses Gefühl trägt einen schon so ein bisschen auch durchs Sommertraining.“

Kleine Schritte, große Baustellen

Die Selber Wölfe stiegen erst 2025 aus der DEL2 in die Oberliga ab. Die Ambitionen sind groß, sie müssen groß sein. Pauker meint: „Wir müssen unter den ersten vier landen, allein schon deswegen, damit wir keinen Rückschritt zur Vorsaison haben, dass wir in die richtige Richtung weitergehen. Weil ich denke, dass der Verein so wie er jetzt aufgestellt ist, auch mit der Infrastruktur, was es für Möglichkeiten gibt, wie die Abläufe sind, dass der Verbleib in der Oberliga kein Ziel sein kann, sondern der Verein will auf jeden Fall wieder hoch in die DEL2. Und jetzt geht es darum, die richtigen Schritte zu machen und immer kleine Schritte in die richtige Richtung zu machen.“

Auch Pauker gibt allerdings zu, dass die Saisonvorbereitung durchwachsen war, was nicht nur anhand der Testspielergebnisse (zwei Niederlagen gegen Leipzig, je ein Sieg und eine Niederlage gegen Halle und ein 2:1-Sieg gegen Amberg) deutlich wird. Importspieler Simon Boyko verletzte sich in der vergangenen Woche, Lukas Valasek musste das Testspiel gegen Amberg verletzt frühzeitig verlassen, was wohl zu einer Reihenumstellung führen dürfte. Spieler wie Patrick Klöpper und Daniel Weiß fehlten angeschlagen. Richard Gelke und Tom Pauker mussten gegen Leipzig eine Sperre absitzen. Die angespannte Personalsituation führte dazu, dass die Wölfe teilweise mit drei Reihen spielen mussten, was aus Sicht von Pauker einen Riesenunterschied ausmacht und alles andere als eine ideale Saisonvorbereitung ist.

Somit müssen die Fans und die Verantwortlichen der Selber Wölfe zum Saisonstart möglicherweise etwas Geduld mitbringen. Die Wölfe eröffnen ihre Saison am Freitag (19.30 Uhr) mit einem Auswärtsspiel bei Oberliga-Neuling HC Tigers.

Ein Interview mit Daniel Weiß über ein Stigma im Profisport lesen Sie hier. Wer mehr über Max Klughardt und die DNA der Selber Wölfe erfahren will, findet hier weitere informationen.

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