Erfahrung an der Bande, Neuanfang auf dem Eis: Vincent Schlenkers neuer Anlauf bei den Stuttgart Rebels

Vor der Saison 2025/26 unterschrieb Vincent Schlenker (links) einen vierwöchigen Tryoutvertrag beim EHC Freiburg. In beidseitigem Einvernehmen entschieden sich beide Seiten dann aber gegen eine weitere Zusammenarbeit. Foto: Carrie Wølf

Mit einem neuen Trainer und einigen Neuzugängen wollen die Stuttgart Rebels in der neuen Saison den nächsten Schritt machen. Einer der Neuen ist der 33-jährige Flügelstürmer Vincent Schlenker. Er spricht über seinen neuen Coach Tom Coolen, eine Karriereentscheidung, die er heute womöglich anders treffen würde, und darüber, warum er sich für Stuttgart entschieden hat.

Man muss schon ehrlich sein: Die ganz großen Heldengeschichten haben die Stuttgart Rebels noch nicht geschrieben, seit sie in die Oberliga Süd gekommen sind. In den ersten Saisons standen am Ende die Plätze 14, 13 und 13 in der Tabelle zu Buche, auch wenn die Punktzahl von Jahr zu Jahr jeweils deutlich gesteigert werden konnte. Dennoch brauchte das Team aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt Verstärkungen, zumal die beiden Topscorer der Vorsaison, Verteidiger Dane Montgomery (Hannover Scorpions) und Stürmer Alex Blais (Passau Black Hawks) den Verein verlassen haben.

Neu bei den Rebels ist unter anderem der 33-jährige Flügelstürmer Vincent Schlenker, der nach einigen schwierigen Jahren mit Verletzungen und wenig Eiszeit bei den Rebels eine größere Rolle bekommen soll und dort auch im Powerplay eingesetzt wird. In den vergangenen beiden Saisons konnte Schlenker bei den Blue Devils Weiden (32 Spiele, zwei Tore und vier Assists) sowie beim ESV Kaufbeuren (26 Spiele, ein Tor) seine Scoringqualitäten allerdings nicht unter Beweis stellen. 

Schlenker und Stuttgart: Es könnte ein Match sein 

Dies wieder zu tun, wird ihm von den Rebels-Verantwortlichen um den Sportlichen Leiter Matthew Pistilli allerdings zugetraut. Schlenker selbst meint: „Ich habe es ja schon bewiesen, dass ich es kann. In Crimmitschau oder in Kassel habe ich immer meine Punkte gemacht.“ Sein Wechsel nach Stuttgart war eine sehr bewusste Entscheidung, bei der verschiedene Faktoren eine Rolle spielten.  

Zum einen wollte er wieder näher an seiner Heimat Schwenningen sein, zum anderen wohnt sowohl seine Freundin als auch sein Bruder in Stuttgart. Auch sportlich sei es sofort ein Match gewesen: „Als das Angebot kam, habe ich gedacht: Warum nicht. Ich glaube, es geht in die richtige Richtung hier in Stuttgart. Ich will dem Verein helfen, hier etwas aufzubauen.“

Mehr Breite im Kader?

Neben Schlenker haben die Rebels drei in Deutschland relativ unbekannte Kanadier verpflichtet: Owen Lalonde (Miami University), Mack Stewart (University of Calgary) und Kalvyn Watson (Tranas IF) beeindruckten Schlenker in den Testspielen mit ihren Skills bereits nachhaltig. Zieht man dann noch weitere Neuzugänge wie zum Beispiel Jayden Schubert (Memmingen Indians) oder Xaver Tippmann (EC Bad Nauheim) in Betracht, so kann man wie Schlenker durchaus zu der Meinung gelangen, dass der Kader der Rebels in dieser Saison mehr Breite vorzeigen kann, als in der vergangenen Saison. Mit vier Siegen aus sechs Testspielen konnte man jedenfalls schonmal ein kleines Ausrufezeichen setzen, zumal man auch die Heilbronner Falken sowie den EV Füssen besiegte. 

Der neue Head Coach der Stuttgart Rebels 

Auf der Trainerposition hat sich der Verein mit dem 72-jährigen Kanadier Tom Coolen für viel Erfahrung entschieden. Coolen war unter anderem bereits als Assistenztrainer der kanadischen und lettischen Nationalmannschaft, sowie der Buffalo Sabres tätig und bringt offenbar Charaktereigenschaften mit, die zu seinem Namen passen: „Er ist ein entspannter Trainer. Wenn du einen Fehler auf dem Eis machst, rastet er nicht gleich komplett aus. Er redet sehr sachlich mit dir und versucht, jeden Spieler besser zu machen. Ich hatte schon in den letzten Jahren ein paar Trainer, mit denen ich nicht so gut klargekommen bin, die mit einem nicht in dieser Art und Weise zusammenarbeiten wollen. Tom sieht es als seine Aufgabe an, jeden Spieler besser zu machen. Das geht nur zusammen, wenn jeder am gleichen Strang zieht.“ 

Zwischen Abstieg und Meisterschaft

Schlenker hat in seiner Karriere bereits die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwer ist, eine Negativdynamik aufzuhalten, wenn sie denn entsteht. Nachdem er im Dezember zum ESV Kaufbeuren kam, stieg er mit dem Team ab. „Wir sind nie so wirklich reingekommen und ich finde auch, dass wir verdient abgestiegen sind. Wir waren nicht gut genug. Ich glaube, dass der Kader in dieser Saison in der Oberliga sogar besser ist als letztes Jahr in der DEL2.“ 

Bei seiner Station zuvor bei den Blue Devils Weiden hatte Schlenker mehr Erfolg. Als Zweite-Reihe-Stürmer hatte er seinen Anteil am Aufstieg der Blue Devils von der Oberliga in die DEL2. Aufgrund von einigen Verletzungsproblemen inklusive einer Knie-OP blickt er allerdings mit gemischten Gefühlen auf seine Zeit in der Oberpfalz zurück. 

Ein Wechsel, der vielleicht nicht hätte sein müssen

Zwischen 2015 und 2022 spielte Schlenker für die Eispiraten Crimmitschau, wo er in seiner letzten Saison sogar Kapitän war. „Das war meine beste Eishockeyzeit, vor allem die letzten drei, vier Jahre. Da hatte ich auch eine gute Rolle in der Mannschaft, hatte was zu sagen, es hat gepasst mit Patrick Pohl zusammen in einer Reihe“, erinnert sich der 33-Jährige. Fans, Mannschaft, Stimmung: Schlenker gerät ins Schwärmen, wenn er über die Eispiraten redet. 

Er verließ die Westsachsen 2022, um zu den Kassel Huskies zu wechseln. „Ich bereue den Schritt nach Kassel schon ein bisschen, aber ich wollte den Cup gewinnen“, gibt er zu. Nach einer traumhaften Hauptrunde, die die Huskies souverän auf Rang eins beendeten, folgte im Playoff-Halbfinale dann aber eine überraschende 2:4-Niederlage gegen den EC Bad Nauheim. Schlenker begann zudem in Nordhessen Hüft- und Rückenprobleme zu bekommen. 

Kopf ausschalten und Spaß haben

Insgesamt sei er aber glücklich mit seiner bisherigen Karriere, die ja 2012 und 2013 mit zwei deutschen Meisterschaften mit den Eisbären Berlin schon ziemlich furios Fahrt aufnahm. „Die Emotionen und das Ganze als junger Spieler aufzusaugen, war schon etwas Außergewöhnliches und Einmaliges“, so Schlenker. In Stuttgart könnte sich nun ein Kreis schließen. An seine großen sportlichen Erfolge wie seine drei Meistertiteln wird er in Stuttgart vermutlich nicht unmittelbar anknüpfen können. Emotional könnte er den guten alten Zeiten aber noch einmal nahekommen. Schlenker betont: „Ich fühle mich gut. Ich möchte einfach nochmal den Kopf ausschalten und Spaß haben.“ Und achso: Die Preplayoffs wollen sie in Stuttgart schon erreichen, wie Schlenker klarstellt. 

Die ersten Spiele der Stuttgart Rebels

EC Peiting – Stuttgart Rebels (Freitag, 19.30 Uhr)

Stuttgart Rebels – HC Tigers (Sonntag, 17.30 Uhr)

Stuttgart Rebels – Höchstadt Alligators (Freitag, der 25. September, 19.30 Uhr) 

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