Stuttgart Rebels: Bereit für große Namen?
Mit dem Herner EV war für David Kirchhoff zweimal im Playoff-Achtelfinale Schluss, mit den Rebels wartet er noch auf die erste Playoffteilnahme. Foto: cin3matic_mode
Im dritten Spiel klappt es mit dem ersten Sieg: Die Stuttgart Rebels gewinnen gegen die Höchstadt Alligators mit 2:1. Wir sprechen mit Verteidiger David Kirchhoff über Taktik, Entwicklung und Momente, in denen es Zeit für etwas Neues ist.
Das Wort Erlösung wäre vermutlich zu hoch gegriffen, aber so ein erster Saisonsieg kann schon einiges freisetzen. Die Stuttgart Rebels fuhren diesen am Freitag mit einem 2:1 gegen die Höchstadt Alligators ein, obwohl die Gäste im von Strafen geprägten zweiten Drittel durch einen Handgelenkschuss von Michail Guft-Sokolov in Überzahl in Führung gegangen waren. Nach einem herausragend ausgespielten Konter glich Kalvyn Watson in der Schlussphase des 2. Drittels zum 1:1 aus. Elvis Gorontzy-Slack erzielte in der 3. Minute des dritten Drittels nach Vorlage von Owen Lalonde den Siegtreffer.
Über Taktik und Entwicklung
Am Eröffnungswochenende der Saison hatten die Schwaben noch mit 2:6 beim EC Peiting und mit 3:4 gegen die HC Tigers verloren und dabei Konstanz und Konterabsicherung teilweise vermissen lassen. Dass es nun mit dem ersten Sieg geklappt hat, freut natürlich auch Rebels-Verteidiger David Kirchhoff, der „wie erwartet ein sehr umkämpftes Spiel auf Augenhöhe“ sah. „Wir konnten aber, bis auf ein paar Situationen im zweiten Drittel, das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten und viel Druck machen. Am Ende haben wir vor allem durch eine gute Defensivleistung, endlich die ersten drei Punkte mitnehmen können.“ Weil beide Teams mit einem kleinen Kader antreten mussten, sei die Taktik beider Teams ähnlich gewesen. Es ging für beide Mannschaften darum, eher defensiv zu stehen und sich die Kräfte über das Spiel hinweg einzuteilen.
Die Entwicklung seiner Mannschaft sieht der 23-jährige Iserlohner derweil positiv: „Ich würde sagen, dass wir als Team schon recht gut zusammengewachsen sind. In den ersten Spielen ist es vielleicht noch nicht so, dass jeder Pass oder jeder Spielzug sitzt, aber es ist klar, dass das ein bisschen Zeit braucht. Aber ich denke, dass das von Spiel zu Spiel besser wird.“
Die Zusammenstellung der Rebels-Verteidigung
Zu diesem Prozess gehört auch dazu, sich an neue Verteidigungspartner zu gewöhnen. Die ersten beiden Saisonspiele absolvierte David Kirchhoff an der Seite des kanadischen Neuzugangs Owen Lalonde: „Man merkt, dass er eine gute Ausbildung genossen hat in Nordamerika. Er ist sehr ruhig an der Scheibe, hat ein gutes Spielverständnis, macht smarte Plays.“ Nach einer Operation im Sommer hatte Lalonde einige Vorbereitungsspiele verpasst, das sei für Lalonde „nicht leicht“ gewesen. Der Kanadier habe sich mittlerweile aber eingefunden.
Im Zusammenspiel mit Lalonde war Kirchhoff eher der defensivere Part. Entsprechend beschreibt er sich auch als „Zwei-Wege-Verteidiger (…), der primär erstmal seine Defensivarbeit macht“. Kirchhoff kann zwar offensive Akzente setzen, kommt aber eher über die Physis. Gegen Höchstadt spielte der 23-Jährige nun aber mit Xaver Tippmann, der vor der Saison vom EC Bad Nauheim nach Stuttgart kam, in einer eher defensiv geprägten zweiten Reihe. „Mit Xaver zu spielen macht auf jeden Fall Spaß, da er sehr abgeklärt ist und vor allem defensiv sehr gut spielt“, betont Kirchhoff. Für Lalonde bedeutete dies wiederum, dass er in die erste Reihe rückte, in der er gemeinsam mit Toni Ritter ein Verteidgerpaar bildete.
Diese neue Reihenzusammenstellung funktionierte bereits ganz gut, schließlich ließ man gegen Höchstadt zwar immerhin 31 Schüsse zu, doch Rebels-Trainer Tom Coolen lobte nach dem Spiel ausdrücklich, wie gut es sein Team schaffte, Goalie Daniel Allavena freie Sicht zu verschaffen. Setzt sich dieses Muster fort, spricht einiges dafür, dass die Rebels eine ordentliche Saison spielen werden.
Neue Namen, neue Qualität?
Was sich dann wiederum in eine recht positive Gesamtentwicklung einfügen würde, die sich allerdings eher an gewonnenen Punkten als an Tabellenplatzierungen festmachen lässt. David Kirchhoff spielt in Stuttgart, seit der Verein 2023 die Oberliga-Bühne betrat und hat die Entwicklung somit hautnah miterlebt. Neben der Punktzahl habe sich auch die Spielweise aus seiner Sicht weiterentwickelt.
Ein weiterer Pluspunkt: „Man sieht, dass immer mehr Spieler Interesse haben, hier hinzukommen. Darunter sind auch größere Namen wie zum Beispiel Vincent Schlenker, dessen Verpflichtung vor drei Jahren nie machbar gewesen wäre. Oder auch Toni Ritter. Solche Spieler helfen dem Verein natürlich brutal dabei, sich zu entwickeln.“
Ausbildung bei den Iserlohn Roosters
Kirchhoffs eigene Entwicklung startete bei Heimatverein Iserlohn, bei dem er mitunter sogar mit der DEL-Mannschaft mittrainieren durfte, was ihm sehr geholfen hat in seiner eigenen Entwicklung. Die Jugendförderung der Roosters wurde in der vergangenen Saison mit 5 Sternen Plus ausgezeichnet. Nur sieben Klubs aus der DEL und DEL2 wurde diese Ehre zuteil.
„Ich glaube, Iserlohn hat schon ein gutes Konzept gefunden“, lobt Kirchhoff, der nur noch wenig Kontakt zu seinem Ex-Klub hat, wenngleich er das Geschehen natürlich mitverfolgt. „Seitdem ich da mein letztes Jahr gespielt habe, hat sich da auch nochmal vieles getan. Ich glaube, der komplette Trainerstab hat sich da nochmal verändert in der Zeit. Aber ja: Man hat eine gute Kooperation mit den Schulen, man hat ein kleines Internat, man hat eine große Eisfläche, eine kleine Eisfläche. Man hat schon echt gute Möglichkeiten.“ Junge Spieler hätten in Iserlohn die Chance Profiluft in der DEL zu schnuppern und per Förderlizenz in der Oberliga Spielzeit zu sammeln. Kirchhoffs Fazit: „Iserlohn hat gute Schritte gemacht und dass sie sich die 5 Sterne Plus verdient.“
Auf ins Ländle
In die erste Mannschaft der Iserlohn Roosters schaffte Kirchhoff es nicht, was ihn dazu veranlasste, zum Herner EC zu wechseln (zunächst per Förderlizenz), für den er etwa eineinhalb Saisons auflief. 2023 folgte der Wechsel nach Stuttgart. „Ich wollte einfach ein bisschen mehr Eiszeit haben, mehr Verantwortung“, erklärt der Rebels-Verteidiger, der sich in Stuttgart offenbar sehr wohl fühlt: „Auch im Nachhinein war es für mich die beste Entscheidung, hier hinzugehen. Vor allem für mich aus sportlicher Sicht, zum anderen aber auch, weil es mich menschlich weitergebracht hat, weil ich zum ersten Mal komplett von zu Hause weggekommen bin. Es hat einfach gepasst. Ich konnte hier direkt von Anfang an eine wichtige Rolle übernehmen und habe mich mittlerweile echt gut im Verein eingefunden.“
Zeit für etwas Neues
Vor allem in den vergangenen beiden Saisons nahm Kirchhoff eine deutliche Entwicklung war, zu dieser Geschichte gehört aber auch dazu, dass die Rebels im Januar Trainer Jan Melichar nach fünf Niederlagen in Folge entließen, obwohl sie tabellarisch für ihre Verhältnisse noch ordentlich dastanden (Platz zwölf). „Du weißt ja, wie es im Sport ist. Irgendwann muss man mal etwas Neues probieren. Das wurde dann so entschieden von der Vereinsführung“, so Kirchhoff.
Neue Eindrücke sammelt Kirchhoff derweil nicht nur unter seinem neuen Coach Tom Coolen, sondern auch im Sommer, wenn er „mit Freunden oder mit meiner Freundin oder auch mit meinem Hund“ auf Reisen ist. Auf seinem Instagramaccount sind Eindrücke aus Spanien, Italien, Österreich, Schweden und Griechenland zu sehen. „Das hilft mir dabei, ein bisschen runterzukommen. Es macht einfach super viel Spaß, neue Länder und Kulturen kennenzulernen“, betont er.
Mit Erholung sieht es aktuell aber eher schlecht aus. Bereits am Sonntag (18 Uhr) geht es für die Stuttgart Rebels mit einem Auswärtsspiel bei den Erding Gladiators – Kirchhoff rechnet mit einem läuferisch starken Gegner – weiter.
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