Kabinenkrach in Rosenheim - Kaufbeuren düpiert Regensburg

Ravensburg Towerstars, DEL2.<br />

Die Ravensburg Towerstars (hier im Spiel gegen die Starbulls Rosenheim) stehen nach 48 Spieltagen auf Rang vier. Bild: Kim Enderle

Die Starbulls Rosenheim haben den EHC Freiburg mit 5:1 besiegt – trotzdem musste Starbulls-Coach Jari Pasanen in der Kabine laut werden. Der ESV Kaufbeuren gewinnt überraschend mit 7:3 gegen die Eisbären Regensburg.

ESV Kaufbeuren – Eisbären Regensburg 7:3 (1:1, 5:1). Der ESV Kaufbeuren lebt. Nach dem überzeugenden 5:2-Erfolg bei den Kassel Huskies am Freitag gewann das Team von  Trainer Leif Carlsson am Sonntag mit 7:3 gegen die Eisbären Regensburg. Eine entscheidende Rolle spielte der in aus Dresden verpflichtete Neuzugang Travis Turnbull, der mit zwei Toren und zwei Assists bei seinem Heimdebüt für die bayrischen Schwaben glänzte.

Doch der Reihe nach: In der 7. Spielminute gingen die Eisbären zunächst mit 1:0 in Führung. Ein Blueliner von Jakob Weber wurde von Cody Porter nach vorne abgewehrt, Corey Trivino staubte ab. Ebenfalls in Überzahl folgte die Antwort der Gastgeber: Konrad Fiedler wehrte Travis Turnbulls Schuss nur zur Seite ab, Nikolaus Heigl drosch den Puck ins halbleere Gästetor. Ein bis dato ausgeglichenes Spiel kippte Mitte des zweiten Drittels klar in die Richtung der Gastgeber. In der 31. Minute setzte der ESV nach einer schönen Einzelaktion von Tyson McLellan entschlossen nach. Turnbull schaltete am Schnellsten und netzte aus kurzer Distanz zum 2:1 ein. Nur eine Minute später fand Vadim Schreiner Alec Zawatsky vor dem Gästertor, der Kanadier legte die Scheibe an Fiedler vor und schob sie ins leere Gehäuse. Wieder nur eine Zeigerumdrehung später lud Regensburg Pavels Nikitins zum 4:1 ein. Keiner fühlte sich für den im Slot stehenden 19-jährigen Letten zuständig, der es Zawatsky gleichmachte und Fiedler austanzte. Den Schlusspunkt im zweiten Spielabschnitt setzte in Überzahl Turnbull, der von Heigl freistehend im Slot gefunden wurde. Kurz gesagt: Die Regensburger Defensive zerfiel in dieser Phase förmlich in ihre Einzelteile.

Den schönsten Treffer des Spiels hob sich der ESV Kaufbeuren für die 44. Minute auf: Turnbull kombinierte mit Maximilian Hadraschek und dem vors Tor skatenden Maximilian Kislinger das 6:1 heraus. Nikolaus Heigl erhöhte noch zum 7:1, Donat Peter und Constantin betrieben für die Gäste nur noch Schadensbegrenzung.

Gäste-Coach Peter Flache sah trotz klarer Niederlage beim Tabellenletzten nicht nur Negatives: „Wir haben in den ersten 30 Minuten ein sehr gutes Auswärtsspiel geliefert. Von Anfang an waren wir bereit. Wir haben die Latte getroffen und haben Druck gemacht, gute Chancen gehabt – und dann innerhalb von zwei Minuten steht es plötzlich 4:1. Das war einfach zu einfach vor unserem eigenen Tor. Diese Desperation, die Kaufbeuren heute gezeigt hat, hat mir ein bisschen gefehlt und das müssen wir einfach zeigen, wenn wir die Top sechs schaffen wolllen.“  Leif Carlsson war erfreut über den Auftritt seines Teams: „In Kassel war es sehr gut, heute über 60 Minuten war es ganz gut. Wir machen Tore jetzt im Moment. Das ist wichtig für uns und unser Selbstvertrauen. Es gibt viele gute Sachen von unserer Seite heute.“

Leichter werden die Aufgaben für den Tabellenletzten aber so schnell nicht. Weiter geht es am kommenden Freitag (19.30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die Krefeld Pinguine. Allerdings dürften die bayrischen Schwaben schon mit einem Auge in Richtung Playdowns blicken. Für Regensburg geht es derweil um die direkte Playoff-Teilnahme. Am Freitag (20 Uhr) gastiert der EHC Freiburg in der Energie Schwaben Arena.

Blue Devils Weiden – Bietigheim Steelers 2:5 (0:1, 2:3). Zweite Niederlage im zweiten Spiel: Der neue Blue Devils-Trainer Alan Letang hatte sich sein Heimspieldebüt bei den Oberpfälzern natürlich anderes vorgestellt. Doch zunächst sah der 50-Jährige aus Ontario, der als Assistenztrainer der kanadischen U 20-Nationalmannschaft zweimal Weltmeister wurde, ein chancenarmen erstes Drittel, in dem die Blue Devils, wie über weite Strecken der Partie, gut mithielten.

Eine Unachtsamkeit erlaubte sich allerdings Constantin Vogt, der sich von Cole Fonstad in der 4. Spielminute den Puck abluchsen ließ, was der 25-jährige Kanadier eiskalt zum 1:0 ausnutzte. Der zweite Spielabschnitt war deutlich unterhaltsamer, im Ping Pong-Stil ging es hin und her: Noah Samanski spielte einen Traumpass über das halbe Spielfeld auf Bruder Neal Samanski (23./1:1), Mick Hochreiter mit einem Schuss  von der blauen Linie brachte die Gäste wieder in Führung (32./1:2).  Nachdem sich Cedric Schiemenz von der Bande aus ins Zentrum schlängelt, legte er auf Maximilian Kolb quer, der die Scheibe mit etwas Glück durch die Schoner von Olafr Schmidt trudeln ließ (2:2/37.). Kurz darauf hatte Paul Vinzens freistehend vor Schmidt sogar die Chance, die Blue Devils in Führung zu bringen, vergab diese aber. Was die Gäste auf der anderen Seite auf umstrittene Art zu nutzen wussten: Brett Kemp leitete mit viel Körpereinsatz den erneuten Führungstreffer der Gäste ein – unter großen Protesten der Heimfans, die einen Crosscheck gesehen haben wollen. Marek Racuk nutzte die Situation aus und verwandelte zum 3:2. Im Schlussdrittel sorgten Tim Schüle und Marek Racuk mit zwei Empty-Nettern für die Entscheidung.

„50 Minuten war das ein wirklich gutes Eishockey-Spiel. Enges Forechecking, keine Zeit und kein Raum. Beide Mannschaften haben relativ schnell gespielt. Sie spielen sehr ähnlich zu dem Stil, den wir spielen wollen“, beobachtete der neue Blue Devils-Trainer Letang. Sein Gegenüber Alexander Dück sah „wie erwartet ein enges Spiel. Wir haben verhalten angefangen zu spielen, haben ein paar Sachen zugelassen. Dann kamen wir besser ins Spiel. Die ganze Mannschaft hat Charakter gezeigt, angefangen dagegenzuhalten, auch körperlich.“ Während die Blue Devils nun auf die Düsseldorfer EG treffen (Freitag, 20 Uhr), will das Team von Alexander Dück gegen den EV Landshut (Freitag, 19.30 Uhr) den sechsten Sieg in Folge einfahren.

Eispiraten Crimmitschau – EV Landshut 2:0 (1:0, 2:0). Jener EVL bringt weiterhin keine Konstanz in die eigenen Ergebnisse und erwies sich für die Eispiraten, die in den drei vorherigen Spielen 18 Gegentore kassiert hatten, als richtiger Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Adam McCormick erzielte beide Treffer der Sachsen. Sehr unübersichtlich war die Situation vor dem 1:0 in der 15. Spielminute. „Das war, glaube ich, dreimal abgefälscht und eine wirklich unglückliche Sache“, beobachtete EVL-Trainer Uwe Krupp ein „gutes Auswärtsspiel. Wir hatten zweimal Latte, jede Menge Chancen.“ Im Powerplay erhöhten die Eispiraten aber auf 2:0, hatten ebenfalls ihre Momente und wurden, wenn es darauf ankam, von ihrem starken Goalie Kevin Reich „gerettet“.

Starbulls Rosenheim – EHC Freiburg 5:1 (1:0, 3:1). Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich verschiedene Trainer ein und dasselbe Spiel einordnen. Juraj Faith, Trainer des EHC Freiburg, war nach der 1:5-Niederlage seines Teams bei den Starbulls Rosenheim kurz angebunden: „Es ist ein heftiges Resultat für uns. Der größte Unterschied heute war, dass Rosenheim die Chancen heute genutzt hat und wir nicht. Das wars.“ Im krassen Gegensatz dazu monologisierte sich Starbulls-Trainer Jari Pasanen im Nachgang minutenlang durch das Spiel. Dieses hatte einiges zu bieten. Eine starke Anfangsphase der Gastgeber zum Beispiel, in der Dominik Tiffels die Rosenheimer in Führung brachte, woran allerdings Freiburg-Goalie Patrik Cerveny, der die Scheibe mit der Kelle unglücklich ins eigene Tor wischte, nicht ganz unbeteiligt war. Dann folgten allerdings zehn Minuten, die Pasanen als „grausam“ bezeichnete. „Da hat Christopher Kolarz uns gerettet, Freiburg hätte locker drei Tore schießen können. Ich weiß nicht, was da passiert ist, wir haben einfach aufgehört zu spielen. Das war grausam zu sehen, wie schlecht wir gespielt haben, wie schlecht wir die Scheibe gemanagt haben.“ Unter anderem Lynden McCallum und Nikolas Linsemaier vergaben beste Chancen. Somit ging Rosenheim zwar mit einer 1:0-Führung in die erste Drittelpause, allerdings auch mit einem angefressenen Trainer: „Dass man in dieser Jahreszeit in der Kabine noch laut werden muss, hat mich echt überrascht“.

Die deutlichen Worte in der Kabine und die Reihenumstellung nach der Verletzung von Jordan Taupert fanden ihre Wirkung. „Dann kam Lauffreudigkeit zurück und wir haben das Spiel mehr oder weniger übernommen“,  freute sich Pasanen. Zwar erzielte Linsenmaier das zwischenzeitlich 1:1, doch die Starbulls konterten und vergaben in Person von Lukas Laub, der das halbleere Tore verfehlte, eine Großchance. Scott Feser machte es nach Querpass von Lewis Zerter-Gossage besser, chippte den Puck in den Winkel (32.). Charles Sarault leitete mit seinem genialem Zuspiel hinter dem Körper auf Zerter-Gossage, der die Scheibe über den Schoner von  Cerveny ins Tor hob (35.), das 3:1 ein. Scott Feser im Powerplay durch die Beine von Cerveny und Ville Jarvelainen ins leere Tor setzten die Schlusspunkte. Und Pasanen konnte doch noch bilanzieren, dass die zehn „grausamen“ Minuten im ersten Spielabschnitt einfach vergessen werden sollten. Stattdessen dürfte sich der Fokus auf das Heimspiel gegen den EC Bad Nauheim am Freitag (19.30 Uhr) richten. Für Freiburg geht es am Freitag um 20 Uhr in Regensburg weiter.

Lausitzer Füchse – Ravensburg Towerstars 0:3 (0:1, 0:2). Nach zuletzt zwei Niederlagen haben die Towerstars in Weißwasser wichtige drei Punkte eingefahren. Erik Karlsson fälschte in der vierten Spielminute einen Schuss von Niklas Hübner zum 1:0 ab. Mark Rassell (34./2:0) und Robert Czarnik im Powerplay (41./3:0) erzielten die weiteren Treffer. Towerstars-Coach Bohuslav Subr bilanzierte: „Ich bin glücklich mit dem Spiel. Wir haben den Puck viel besser gemanagt als in den vorherigen Spielen gegen die Lausitzer Füchse. Wir hatten hier und da ein paar Fehler, haben ihnen aber nicht diese großen Chancen gegeben.“ Am Freitag (20 Uhr) wird dies auch gegen die offensiv in der Regel eher harmlosen Eispiraten Crimmitschau wichtig werden.

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