Selber Wölfe: Neue Verletzungssorgen, ein Hoffnungsträger für die Zukunft und die Chance auf ein Wunder

Alexander Rose Selber Wölfe

21 Jahre ist Alexander Rose erst alt, dennoch hat der neue Goalie der Selber Wölfe bereits einiges zu erzählen. Foto: Mario Wiedel

Die Selber Wölfe gehen mit erheblichen Personalsorgen in die neue Oberliga-Saison. Neuzugang Alexander Rose spricht über die angespannte Situation, die Insolvenz der Eagles Essen-West und seine prägende Zeit in Finnland.

Es kommt gerade einiges zusammen bei den Selber Wölfen. Lukas Valasek fehlt für mehrere Monate. Auch Simon Boyko, Niko Lahtinen und Philip Ziesche verpassen den Saisonstart. Immerhin Daniel Weiß und Philip Rubin könnten zurückkehren. Dennoch ist die Personalsituation angespannt, die Selber Wölfe sondieren den Markt. 

Neuzugang Alexander Rose erklärt vor dem Saisonstart am Freitag (19.30 Uhr) bei den HC Tigers: „Natürlich ist das nicht optimal, aber das ist Sport. Man muss immer damit rechnen, dass man im Laufe der Saison verletzungsbedingte Ausfälle hat. Dass es uns natürlich so hart direkt am Anfang trifft, ist nicht vorteilhaft. Aber am Ende des Tages können wir leider daran nichts ändern, sondern nur das Beste daraus machen.“

Eine „Selber Invasion“ in Vorarlberg

Beim 21-jährigen Goalie ist die Vorfreude auf die neue Saison groß. Begeistert spricht er über die 450 Fans, die die Selber Wölfe voraussichtlich nach Vorarlberg begleiten werden: „Es ist etwas Besonderes. Ihr Team war noch nie in der Oberliga, deswegen ist es für alle etwas Neues. Außerdem ist es unsere längste Auswärtsfahrt und der Ansturm unserer Fans ist ja trotzdem riesig. Das macht es noch besonderer, dass man direkt das erste Spiel vor so vielen heimischen Fans spielen darf.“

Schnelle Integration in die neue Mannschaft

Er persönlich brauchte etwas Zeit, um sich in die Mannschaft zu integrieren, kannte mit Daniel Ulrich und Fabjon Kuqi allerdings bereits zwei Spieler von vorherigen Stationen. Dass der Kader der Wölfe in weiten Teilen zusammenblieb, habe bei seiner Integration in die Mannschaft allerdings geholfen. Sein Fazit: „Es ging relativ zügig, dass man sich zurechtgefunden hat. Man hat schnell ein gutes Mannschaftsgefühl gehabt.“

Das neue Goalie-Duo der Selber Wölfe

Besonders wichtig für ihn dürfte eine gute Zusammenarbeit mit seinem Goalie-Kollegen Michel Weidekamp sein, der in der vergangenen Saison erstmals als Stammgoalie der Wölfe gesetzt war und dies auch in der kommenden Saison zunächst sein wird. „Er ist ein Routinier und weiß, was er macht. Er hat unfassbar viele Erfahrungen gesammelt, von denen man einfach viel lernen kann, zum Beispiel was das Thema Spielintelligenz betrifft. Es macht einfach unfassbar Spaß, mit ihm auf dem Eis zusammenzuarbeiten“, betont Rose.

Es stellt sich aber schon die Frage, ob es für ihn und seine Entwicklung nicht besser wäre, Stammtorhüter bei einem anderen Verein zu sein. Rose widerspricht: „Es ist einfach eine Frage der Einstellung. Für mich ist wichtig, egal ob ich viel oder wenig spiele, dass ich immer mit der gleichen Arbeitsmoral an die Sache rangehe, auf die Details achte, einen gesunden Lebensrhythmus pflege, damit ich mir möglicherweise eine Chance erarbeite. Ich glaube, man kann auch als Spieler, der weniger spielt, extrem viel lernen. Der Lerneffekt ist immer gegeben.“ Ungewöhnlich ist es ja ohnehin nicht, sich als junger Goalie erst einmal hinten anstellen zu müssen, auch hier kann Weidekamp, der selbst für einige Jahre Backup war und sich dann einen Startplatz erarbeitet hat, möglicherweise ein Vorbild für den 21-Jährigen sein.

Emotionaler Abschied von den Eagles Essen-West

In der vergangenen Saison war Roses Situation eine andere. Spätestens nachdem Ilya Andryukhov die Eagles Essen-West im Januar verließ, war Rose im Ruhrgebiet gesetzt und wurde mit dem Team Regionalliga-Meister. Vor der Saison hatte er bei den Moskitos Essen unterschrieben. Der Verein bekam dann aber keine Lizenz für die Oberliga und musste Insolvenz anmelden.

Nach der vergangenen Saison folgte dann auch die Insolvenz der neu gegründeten Eagles Essen-West. Medienberichten zufolge gab es in Essen finanzielle Probleme, Misswirtschaft und andere Querelen. So berichtete zum Beispiel die WAZ von Rassismusvorwürfen des Vereins gegenüber Meister-Trainer Mikhail Nemirovsky sowie von offenen finanziellen Forderungen. Für Rose war die Entwicklung ein harter Schlag: „Natürlich war es frustrierend, denn wir hatten alle bis nach der Meisterschaft das Gefühl, dass wir aufsteigen werden. Wir hatten eine unfassbar coole Mannschaft, einen sehr guten Trainer. Wir hatten viel Spaß miteinander. Erfolge. Ich habe sehr enge Freundschaften geschlossen und das Leben im Pott auch sehr zu lieben gelernt. Aber wie es manchmal so ist, haben die Dinge einen anderen Lauf genommen.“

Der gebürtige Bad Tölzer tut sich schwer damit, seinen Goalie-Stil zu beschreiben, zu ähnlich sind die Grundprinzipien, die jeder Goalie beachten sollte. Mit seiner Körpergröße von 1,91 Metern ist er ein Goalie, der etwas konservativer spielen kann und nicht ganz so aggressiv aus dem Tor herausrücken muss, wie ein kleinerer Goalie das müsste. Großen Wert legt er derweil – und damit ist er in der Goalie-Welt alles andere als eine Ausnahme – auf seine Sprungkraft und auf seine Beweglichkeit. Davon abgesehen gebe es viele Gemeinsamkeiten mit dem Feldspielertraining.

Aufeinandertreffen mit einem großen Vorbild

Im Januar 2025 kam Rose für die Starbulls Rosenheim zu seinem bislang einzigen DEL2-Einsatz – ausgerechnet gegen Dresden und damit gegen eines seiner großen Torwart-Vorbilder, Danny aus den Birken. Weil der eigentliche Starbulls-Stammgoalie Oskar Autio nach dem Aufwärmen passen musste, sprang Rose ein.

„Ich war nicht darauf vorbereitet, in dem Moment wirklich zu spielen, aber trotzdem war es cool“, betont der 21-Jährige. „Als heranwachsender Torhüter war Danny aus den Birken für mich schon immer der Name schlechthin im deutschen Eishockey. Es gab ja wenige Torhüter, die so erfolgreich in Deutschland und auf internationaler Ebene waren wie er.“ Besonders bewundert Rosen, welche Ruhe aus den Birken, der seine Karriere nach der Saison 2025/26 beendet hat, selbst in wichtigen Spielen ausstrahlte.

Ein finnischer Film

Prägend war für den jungen Goalie auch ein Engagement im Ausland. In der Saison 2024/25 spielte Rose für die U20 von Tappara in Finnland. „Das war mit die coolste Zeit in meinem Leben, sowohl auf dem Eis als auch neben dem Eis. Ich war schon ein paar Mal dort oben im Sommer und habe mit Torhüter-Trainern trainiert. Deswegen habe ich die Kultur und die Art zu leben, das Land und das Eishockey dort sehr wertgeschätzt. Als ich die Chance hatte, nach Finnland zu wechseln, in eine der besten Juniorenligen Europas, war es für mich eine ganz klare Entscheidung. Das Niveau, wie professionell alles ist, auch schon im Nachwuchsbereich, das war einfach atemberaubend. Manchmal hat man sich ein bisschen gefühlt, als ob man im Film ist und nicht in der Realität“, schwärmt der neue Wölfe-Goalie.

Die Hoffnung auf ein Wunder

In Selb hat er sich so gut eingelebt, dass er bereits davon spricht, mit seinem Wechsel die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Dennoch darf man sportlich insbesondere aufgrund der großen Verletzungsmisere ein paar Fragezeichen haben. „Natürlich beeinflusst das uns als Team, wenn solche Schlüsselspieler fehlen, aber der Anspruch an uns selbst und an unser Team ändert sich dadurch nicht“, glaubt Rose. „Wir haben immer noch das gleiche Ziel vor Augen. Es wird deutlich schwieriger für uns, aber mit Mentalität und Kameradschaft im Team sind auch die größten Wunder möglich.“

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