Sandro Schönberger: Zwischen Straubing-Besuch, Jugend-Kritik und Zukunftsplänen

Sandro Schönberger Tölzer Löwen

Sandro Schönberger hat mit den Tölzer Löwen noch einiges vor: „Die Motivation ist immer da. Wenn ich mich jeden Tag in die Kabine quälen müsste, würde ich aufhören“, so Schönberger. Foto: Philipp Schmitz

Sandro Schönberger ist mit seinen 39 Jahre bei den Tölzer Löwen in der Oberliga Süd immer noch ein wichtiger Spieler. Der Flügelstürmer spricht mit „Logbuch Sport“ über einen Besuch bei seinem Ex-Klub Straubing Tigers, kritisiert die Jugend und deutet ein mögliches Karriereende an.

Passenderweise ruft uns Sandro Schönberger aus dem Auto heraus an. Er ist auf dem Weg nach Straubing. Im Viertelfinale der DEL-Playoffs treffen die Straubing Tigers auf die Eisbären Berlin. Was Schönberger zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Sein Ex-Klub gewinnt an diesem Abend mit 2:1 nach Verlängerung und verkürzt in der Best-of-seven-Serie auf 2:3.

Schönberger, die meisten Leser werden es wissen, spielte zwischen 2009 und 2024 für die Tigers, war zwischen 2012 und 2024 Kapitän und erreichte mit dem Verein zweimal das DEL-Halbfinale. Bis heute hat er eine enge Verbindung zu den Tigers: „15 Jahre deines Lebens kannst du nicht einfach so wegwischen. Meine Kinder sind dort geboren.“

Sandro Schönberger und die Straubinger Erfolgsgeschichte

Schönberger hat drei Kinder. „Es gefällt mir, wenn ich meine Erfahrungen weitergeben kann. Meine Kinder spielen ja selbst Eishockey. Ich bin U13-Trainer“, erzählt der gebürtige Weidener, der mit dem Standort Straubing viele prägende Momente verbindet. Als „wahrscheinlich größten Erfolg“ betitelt Schönberger das Erreichen des DEL-Halbfinals in der Saison 2011/12, das damals eine große Überraschung war.

In der Zwischenzeit haben sich die Straubing Tigers allerdings stark entwickelt und zu den Topteams der DEL aufgeschlossen. „Ich bin stolz darauf, dass ich daran teilhaben konnte“, betont Schönberger, der bei den Tigers mit über 700 DEL-Spielen Rekordspieler ist. Als weiteres Highlight hebt er die Teilnahme am Spengler-Cup hervor. Offiziell hatte Schönberger keinen Vertrag mehr in Straubing, doch der Verein lud ihn  als Gastspieler ein, was Schönberger „eine unglaublich tolle Erfahrung“ bescherte. 

Vom DNL-Buben zum Tölzer Leitwolf

2024 wechselte Schönberger zu den Tölzer Löwen, für die er bereits zwischen 2002 – damals war Schönberger 15 Jahre alt – und 2009 auf dem Eis stand. Bis 2005 allerdings zunächst in der Deutschen Nachwuchsliga DNL. „Für mich schließt sich der Kreis – auch mit Axel (Kammerer, dem Trainer der Tölzer Löwen; Anm. der Red.). Ich wollte etwas zurückgeben. Er hat mir damals die Chance gegeben. Ich wollte meine Karriere dort beenden, wo sie so richtig angefangen hat.“, erklärt der Flügelstürmer seine Rückkehr.

Trainer Axel Kammerer gilt als emotional. Liest man Facebook-Kommentare (nicht immer zu empfehlen), so merkt man, dass Kammerer bei Eishockey-Fans stark polarisiert. Doch wie ist es, unter ihm zu spielen? „Er bezeichnet sich ja gerne als deutschen Diego Simeone“, schmunzelt Schönberger. „Ich glaube, dass die ältere Generation das besser wegstecken kann, als die junge Generation, die eher gepudert wird.“

Good Cop, Bad Cop: Sandro Schönberger kritisiert junge Spieler

Dazu muss man sagen, dass Schönberger teilweise mit Spielern zusammenspielt, die 20 Jahre jünger als er sind und dass ihm das durchaus Spaß macht: „Die Jungs halten mich jung.“ Außerdem rede er „ab und zu genauso viel Schmarrn daher“ wie die jungen Spieler. „Ich verlange nur das, was ich vorlebe. Ich muss immer zeigen, dass das nicht nur Sprüche sind, sondern dass auch was dahinter steckt.“

Seine Philosophie: „Du darfst nicht nur draufhauen, sondern es muss ein gutes Verhältnis sein. Ich nenne das Good Cop und Bad Cop.“ Generell müsse aber viel von den jungen Spieler selbst kommen: „Sie machen es sich ab und zu zu leicht. Jeder muss die Ambition haben, so hoch wie möglich zu spielen. Das vermisse ich ab und zu.“ Schönberger bezeichnet sich als „extrem ehrgeizigen Mensch“. Er war keiner, der mit dem allergrößten Talent gesegnet war, deshalb betont er: „Für mich ist es immer so, dass Ehrgeiz Talent schlagen wird.“

Zusammenfallende Kartenhäuser und abblätternder Rost

Weil er diese Ambition, die er selbst in sich hat, auch beim Verein sieht, hat er seinen Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. Diese Entscheidung bereut er, auch nachdem seine Mannschaft im Viertelfinale der Oberliga-Playoffs mit 0:4 gegen die Tilburg Trappers ausgeschieden ist, nicht. Gleichwohl hat die Serie die Schwächen der Tölzer Löwen aufgezeigt. Im letzten Drittel der Serie kassierten die Löwen sieben Gegentreffer. Schönberger sah ein „Kartenhaus“, das zusammenfiel. „Das war das erste Mal, dass meine Mannschaft sieben Eier in einem Drittel kassiert hat“, glaubt er.

Diese defensive Instabilität ist auch auf vielzitierte Gründe, wie die mangelnde Breite im Kader und die größere Müdigkeit im Vergleich zum „extrem frischen“ Gegner, zurückzuführen. Diese Erklärungen führt auch Schönberger an, der betont: „Wir waren natürlich alle enttäuscht und hätten uns mehr ausgerechnet.“ Trotzdem sei die Saison mit Blick auf die Hauptrunde, die die Löwen auf Rang drei abschlossen, ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Als zentralen Grund für den Aufschwung an diesem zwischenzeitlich eingerosteten Traditionsstandort nennt Schönberger „unglaublich viel harte Arbeit. Die Fans und die Sponsoren honorieren das. Ich finde es toll, dass der Standort erwacht ist.“

Das Ende ist nah

Zu helfen, diesen Aufwärtstrend fortzusetzen, das ist sein Ziel. Schönberger weiß aber selbst am Besten: Auch er wird nicht jünger. Zwar gehe es ihm gesundheitlich „noch recht gut“, aber: „Als ich jung war, habe ich die älteren Jungs immer angelächelt nach dem Motto: Tut nicht so. Jetzt muss ich jeden Sommer noch mehr und noch härter trainieren.“ Zumal Schönbergers Spielweise mit vielen Checks und Zweikämpfen nicht gerade schonend für seinen Körper ist.

Auch deshalb wird er den Staffelstab irgendwann weiterreichen: „Ich gehe stark davon aus, dass es meine letzten beiden Jahre sein werden. Irgendwann ist es auch mal gut. Dann können sich die jungen Spieler beweisen.“ Was er am meisten vermissen wird? „Jeden Tag in die Kabine zu kommen. Wenn du neun Monate miteinander verbringst, dann schweißt das schon zusammen. Man kennt sich irgendwann sehr gut.“

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