Lindau-Neuzugang Sandro Mayr: „Ich habe schon oft gehört, dass ich zu klein bin“

Sandro Mayr Lindau Islanders

Sandro Mayr ist immer auf der Suche nach Anspielstationen und dem entscheidenden Pass in die Offensive. Foto: Kevin Eimertenbrink

2024 gewann Sandro Mayr mit den Eisbären Regensburg überraschend die DEL2-Meisterschaft. Nur ein Jahr später war der Verteidiger vereinslos und musste bis Oktober auf einen neuen Klub warten. Über den EV Füssen führte ihn der Weg nun zu den Lindau Islanders. Ein Gespräch über das Erfolgsrezept von Meistermannschaften, schwierige Monate ohne Verein und seine neuen Ziele am Bodensee.

2024 passierte etwas, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: Die Eisbären Regensburg gewannen die DEL2-Meisterschaft. Anhand der Aussagen des damaligen Eisbären-Verteidigers Sandro Mayr lässt sich erahnen wie überraschend diese außergewöhnliche Geschichte selbst für die Beteiligten war: „Ganz ehrlich: Für uns war das auch eine Überraschung, wir waren am Anfang auch gar nicht so gut. Ab der Hälfte der Saison dachten wir: Okay, da könnte was gehen, wir sind nicht schlecht. Aber wir dachten nicht, dass wir die Favoriten sind. In den Playoffs denkt man Schritt für Schritt, aber als wir immer weiter gekommen sind, haben wir gemerkt, dass etwas gehen kann und dass wir auch die ganz Großen, wie Kassel, ärgern können. Das hat dann ganz gut geklappt.“

Glaubt man Mayr, so erfüllte die Regensburger Meistermannschaft sämtliche Klischees einer Meistermannschaft: „Wir hatten eine brutale Teamchemie. Da hat keiner gemeckert, es gab keinen Einzelgänger. Wir haben wirklich an einem Strang gehalten. Es gab fast gar keinen Streit. Wir haben von vorne bis hinten zusammengehalten. Das ist ein großer Punkt, wenn du erfolgreich sein willst.

An der Grenze zum Profieishockey

Wer erfolgreich sein will und solche Höhepunkte erleben will, muss allerdings im Regelfall viel Trainingsaufwand betreiben. Mayr wurde in der österreichischen 20.000-Einwohner-Stadt Kufstein, die direkt an der deutschen Grenze liegt, geboren und fing dort auch mit dem Eishockey an. Als sein „zu Hause“ bezeichnet er aber Rosenheim. Bei den Starbulls durchlief er diverse Jugendmannschaften und kam dann, nach zwei Saisons in der U20 der Kölner Haie, zu den Krefeld Pinguinen. Seine erste Saison im Profieishockey möchte Mayr aber nicht als „Durchbruch-Saison“ bezeichnen, zu viel Zeit verbrachte er auch in der Krefelder U23, die in der Oberliga Nord spielte.

Plötzlich vertragslos

Es folgte die einleitend thematisierte Episode in Regensburg, die, ähnlich wie die Geschichte von Mayrs künftigem Teamkollegen Valentin Busch, zeigt, wie nah Frust und Triumph mitunter beieinaderliegen. Denn nur eine Saison nach der Meisterschaft spielte Regensburg gegen den Abstieg und konnte diesen erst in den Playdowns abwenden.

Für Mayr kam es noch schlimmer: Die Eisbären Regensburg trennten sich von ihm. „Das war ein Rückschlag für mich. Ich habe anfangs damit gerechnet, dass sie mich weiterhin haben möchten, weil das auch so kommuniziert wurde. Im Endeffekt haben sie sich kurzfristig doch gegen mich entschieden“, so Mayr. Weil die Personalplanungen anderer Vereine zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten waren, musste der 22-Jährige bis in den Oktober warten, ehe sich dem EV Füssen anschloss. In der Zwischenzeit telefonierte er wöchentlich mit seinem Berater. „Das war oft frustrierend. Er meinte: Du musst geduldig bleiben“, erzählt Mayr.

Ein Frage der Größe?

Warum die Eisbären ihn loswerden wollten, weiß Mayr übrigens nicht. Er hat allerdings eine Vermutung: „Ich habe in meiner Laufbahn schon oft gehört, dass ich zu klein bin als Verteidiger.“ 1,71 Meter misst Mayr laut der Seite „Elite Prospects“.  Seine Körpergröße will der Offensivverteidiger aber nicht als Ausrede gelten lassen. Selbstkritisch sagt er: „Ich versuche immer ein Play zu machen. Das ist aber nicht immer die allerbeste Option. Manchmal musst du die Scheibe, blöd gesagt, auch einfach mal weghauen. Das fällt mir ein bisschen schwer, musste ich lernen.

Fortschritte in Füssen

Die knappe Saison in Füssen tat Mayr bei diesem Lernprozess gut. Zwar bekam er auch in Regensburg einiges an Spielzeit, in seiner zweiten Saison waren es laut eigener Aussage durchschnittlich 15 Minuten, doch in Füssen hatte Mayr eine größere Rolle inne und musste mehr Verantwortung übernehmen. Dies sei sehr förderlich für seine Entwicklung gewesen, so Mayr. Er lobt: „Daniel Jun (Trainer, des EV Füssen, Anm. der Red.) zieht das Ganze sehr professionell auf. Ich habe sehr viel Vertrauen bekommen vom Trainer, was ich sehr zu schätzen weiß, in meinem jungen Alter. Da bin ich sehr dankbar.“

Neuer Verein, neuer Trainer

Dennoch macht Mayr nun den Schritt nach Lindau: „Als wir gegen Lindau gespielt haben, hat mir ihr Spielstil sehr gefallen. Sie waren sehr aggressiv.“ Besonders das „Pinchen“, also das offensive Vorrücken der Verteidiger, um den Puck zu gewinnen, gefiel Mayr. Nach Gesprächen mit Ex-Islanders-Trainer Michael Baindl und Co. unterzeichnete Mayr frühzeitig einen Vertrag bei den Inselstädtern: „Ich wollte nicht wieder einen vertragslosen Sommer haben.

Baindl verließ zwischenzeitlich allerdings den Verein, Marko Šakić übernahm das Amt des Cheftrainers. „Ich habe mit Marko jetzt schon ein-, zweimal telefoniert. Es waren super Gespräche. Er ist sehr nett. Wir haben ein bisschen über meine Rolle gesprochen. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns gut verstehen und sehr gut zusammenarbeiten“, sagt Mayr. 

Ein Verteidiger mit Offensivqualitäten

Die Verantwortlichen der Islanders schätzen insbesondere Mayrs Offensivqualitäten. Mayr wird gelobt für seine „Vielseitigkeit“, seine „Spielintelligenz“, die „offensive Kreativität“, die „Geschwindigkeit“ und das „Auge fürs Spiel“. Milo Markovic, der Sportliche Leiter der Islanders, betont: „Sandro ist ein hervorragender Schlittschuhläufer mit einer guten Übersicht. Er spielt einen starken ersten Pass und kann im Powerplay die Fäden ziehen.“ Mayr selbst sagt, er wolle „nach vorne gehen“, „Tore schießen“, „kreieren“.

Seine Offensivqualitäten stellte er bereits in Füssen zur Schau, als er im Sturm einspringen musste, da es einige Verletzungen gab. „Ich habe dann noch einmal gemerkt, dass ich lieber in der Verteidigung spiele“, blickt der 22-Jährige zurück. 

Mit neuen Zielen nach Lindau

Mayr zeigt sich auf „Instagram“ nicht nur in Italien und Spanien, sondern auch beim Krafttraining: „Manchmal ist das ein bisschen zäh nach zehn Wochen Sommertraining.“ Allerdings sieht er aktuell in Rosenheim beim Training viele ehemalige Mitspieler aus Jugendzeiten wieder, was er als „cool und witzig“ bezeichnet. Dennoch freue er sich schon auf den Trainingsstart in Lindau im August.

Seine Vorsätze für die neue Saison: „Ich will gute Eiszeit haben, Spaß haben am Eishockey und ich möchte offensiv eine Schippe drauflegen. Ich hatte einige Torchancen, habe auch ein bisschen was liegen gelassen. Man kann sich überall immer verbessern. Ich bin ja noch jung, da geht schon noch was. Ich möchte so erfolgreich wie möglich mit dem Team sein. Die Playoffs sind Ziel Nummer eins.“

Neuzugang aus Bietigheim

Die Lindau Islanders gaben am Freitagmorgen die Verpflichtung von Tony-Luka Pavlovic bekannt. Der 20-jährige Stürmer aus Bietigheim-Bissingen spielte mit Ausnahme zweier Saisons bei den Junghaien Köln durchgängig für seinen Heimatverein und wird in Lindau nicht nur Eishockey spielen sondern auch eine Ausbildung absolvieren.

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