Ein Italo-Kanadier für die Islanders: Wie Rocco Andreacchi in Lindau den Ton setzen will
Nach Kanada, den USA und Frankreich spielt Rocco Andreacchi künftig in Deutschland Eishockey. Foto: Mark Holdefehr
Rocco Andreacchi besetzt bei den Lindau Islanders die zweite Kontingentstelle für die kommende Saison. Der 26-jährige Italo-Kanadier spricht über seine Kindheit im eishockeyverrückten Ontario, seinen Weg über Frankreich nach Deutschland und erklärt, warum ihn die Verantwortlichen der Islanders nicht lange von einem Wechsel nach Lindau überzeugen mussten.
Rocco Andreacchi wurde in Bolton geboren, einem Städtchen mit knapp 30.000 Einwohnern rund 50 Kilometer von Toronto entfernt. Die kanadische Provinz Ontario gilt als eine der Hochburgen des Eishockeys – entsprechend prägt der Sport dort das gesellschaftliche Leben. Auch Andreacchi wuchs mitten in dieser Eishockey-Kultur auf und stand in seiner Kindheit nahezu täglich auf dem Eis. Im Winter traf man sich auf zugefrorenen Teichen, Seen und Flüssen.
„Eishockey ist überall im Winter. Das ist ziemlich cool“, erzählt der Italo-Kanadier. Was auch dazu führt, dass dort fast jeder eine Lieblingsmannschaft hat. In der Regel sind das die Toronto Maple Leafs, ein leidgeplagtes NHL-Teams, das seit fast 60 Jahren auf einen Stanley-Cup-Sieg wartet. Auch Andreacchi ist Fan der „Leafs“: „Daran führte gar kein Weg vorbei“, meint er, wenngleich er auch Freunde hat, die andere Vereine unterstützen, schließlich haben in der Region vor allem auch die Montréal Canadiens und die Buffalo Sabres ihre Fans.
Großes Talent oder Spätzünder?
Im Jugendalter galt Andreacchi als vielversprechendes Talent, er spielte im kanadischen Jugendeishockey auf AAA-Level, was die höchste Stufe des Jugendeishockeys dort ist. Später spielte er auf Junior A-Niveau. Kurz gesagt: „Ich war ein ziemlich guter Spieler, als ich jünger war.“ Der Schritt in den Erwachsenenbereich gestaltete sich dann aber als etwas schwieriger. Der Grund: Während Andreacchi spielerisch bereits zur Elite gehörte, war er körperlich ein Spätzünder und erst relativ spät ausgewachsen. Deswegen bezeichnet sich der Offensivspieler auch als „ein Stück weit ein Spätzünder“. Mit der Erfahrung hat er sich in den vergangenen Jahren aus seiner Sicht noch einmal weiterentwickelt. Auch kräftiger ist er geworden.
„Ich bin ein Zwei-Wege-Spieler, der es mag, Tore zu schießen, aber ich will mich auch in der Defensive einbringen und in den richtigen Momenten physisch werden, einfach den Ton setzen, wenn das gebraucht wird“, erklärt der Neuzugang der Lindau Islanders. Genau diese Physis bringt der Neuzugang der Lindau Islanders mittlerweile zweifelsohne mit. Sie ist ein Element, das die Verantwortlichen der Lindau Islanders noch mehr in ihre Mannschaft bringen wollen.
The trend is French
„Mein Ziel und mein Traum war es immer, professionell Eishockey zu spielen“, erzählt Andreacchi. 2024, nachdem er mit der Schule fertig war, entschied er sich deshalb dazu Nordamerika zu verlassen und in die dritte französische Liga zum Lyon Hockey Club zu wechseln. In seiner ersten Saison in Frankreich wurde er Playoff-MVP und stieg mit der Mannschaft in die 2. Liga auf, wo er in der vergangenen Saison 25 Tore und 19 Assist sammelte.
Mit Felix Brassard von den Memmingen Indians und Carson Briere sowie Carson MacKinnon vom EC Peiting wechselten in den vergangenen Jahren vermehrt Spieler aus Frankreich nach Deutschland, was auch Andreacchi nicht verborgen geblieben ist: „Ich habe gesehen, dass diese Spieler es gut gemacht haben. Ich habe das mir dann auch ein Stück weit als Ziel gesetzt, es genauso gut zu machen wie sie. Das Niveau in Frankreich ist ziemlich gut und es wird immer besser. Wenn du es in Frankreich gut machst, dann bekommst du die Möglichkeit, nach Deutschland zu wechseln.“
Eine sehr einfache Entscheidung
Der ‚Aufstieg‘ in die Oberliga Süd hat derweil auch mit seinem Agenten zu tun: „Er hat Kontakte, er telefoniert herum. Mein Agent hat mir ein Highlight Tape geschnitten.“ In diesem Video, das das „3V Sports Management“ auf YouTube veröffentlicht hat, ist auch Andreacchis starker Schuss zu begutachten. Es sind Szenen, die auch bei anderen Vereinen für Aufsehen sorgen und dazu führen können, dass diese in die tiefere Recherche von Daten und Videosequenzen gehen.
Wie auch immer die Islanders auf Andreacchi aufmerksam wurden: Fest steht, dass die Islanders-Verantwortlichen in den USA mit Andreacchis Berater Gespräche führten. Auch mit Andreacchi selbst suchten sie das Gespräch: „Es gab einen Anruf, in dem sie mir alles erzählt haben. Ich war sehr interessiert. Dann mussten nur noch die Vertragssachen geklärt werden und jetzt komme ich nach Lindau. Ich bin sehr begeistert.“ Und mit welchen Argumenten könnten ihn die Islanders final überzeugen? „Sie mussten mich nicht wirklich überzeugen. Ein Ziel von mir war es immer, in Deutschland zu spielen. Die Oberliga war schon für eine lange Zeit ein Ziel von mir. Es war daher eine sehr einfache Entscheidung. Ich habe aber natürlich meine Hausaufgaben gemacht und gesehen, dass Lindau ein sehr hübscher Ort zum Spielen und zum Leben ist.“
Der Nachfolger eines Ausnahmespielers
Ein weiterer Vorteil des Wechsels nach Europa: Die Nähe zu seiner Verwandtschaft in Italien. Andreacchi hat erst vor eineinhalb Jahren seine italienische Staatsbürgerschaft erhalten, er hat dort Cousins und Großeltern. Einige seiner italienischen Verwandten lernte er nach seinem Wechsel nach Frankreich erstmals kennen. Ein paarmal sei er mittlerweile bereits nach Italien zu seiner Verwandtschaft gereist.
Derzeit bereitet er sich in seiner kanadischen Heimat auf die neue Saison vor. Es wird keine einfache Aufgabe, schließlich ist er der Nachfolger des slowenischen Spielers Zan Jezovsek, der in der vergangenen Saisons 69 Tore und 75 Vorlagen in 102 Spielen sammelte und in der kommenden Saison für EK Zell am See in der ICE Hockey League spielen wird. Andreacchi meint dennoch: „Ich spüre nicht wirklich Druck. Ich weiß aber, dass ich bereit sein muss und nicht denken darf, dass es einfach wird. Ich trainiere so hart, es geht in diesem Sommer, um mein Bestes in der kommenden Saison zu zeigen und dem Team so viel dabei zu helfen, zu gewinnen, wie ich nur kann.“
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