Passau Black Hawks: Grady Hobbs´ besonderes Kunststück und die Gefahr von Herzattacken
Grady Hobbs freut sich auf seine zweite Saison in Deutschland. Die Umstellung vom nordamerikanischen auf das europäische Eishockey hat er mittlerweile bewältigt. Foto: lumevovisuals
Während Grady Hobbs beim 8:5-Sieg seiner Passau Black Hawks gegen die Höchstadt Alligators ein in seiner Karriere einzigartiges Kunststück gelingt, warnt sein Trainer Dan Reja vor Herzattacken. Die Niederbayern stehen vor einer spannenden Saison.
Wenn ein Spieler drei Tore schießt, dann ist dies eine herausragende Leistung, macht er davon aber je ein Tor in Gleichzahl, im Powerplay sowie in Unterzahl, dann macht dies das ganze noch einmal deutlich seltener und spezieller. Angesprochenes Kunststück ist dem 26-jährigen Kanadier Grady Hobbs am vergangenen Wochenende beim 8:5-Sieg der Passau Black Hawks gegen die Höchstadt Alligators gelungen.
Ein bisher einmaliges Ereignis
Angefangen hatte die Hobbs-Show in der Schlussphase des ersten Drittels mit seinem Gleichzahl-Treffer zum 2:0, der ihm von Leonard Mößinger aufgelegt wurde. „Beim ersten Tor ist Mößi mit viel Tempo über das Eis geflogen. Ich habe einfach versucht, ihre Schwachstelle zu finden und hinter ihre Abwehr zu kommen. Er hat dann einen wirklich guten Pass gespielt und dann ist dem Torhüter die Scheibe irgendwie durchgerutscht.”
Ein Drittel beziehungsweise 15 Minuten effektive Spielzeit später erzielte Hobbs in Überzahl das 5:2. „Ich habe gesehen, dass sich die Überzahl dem Ende entgegen neigt, dann habe ich mir die richtige Position ausgesucht und auch diesen Schuss versenkt.” Mit seinem zum 6:2 schaffte es der 26-Jährige dann auch in jedem Drittel des Spiels zu treffen. „Schembri hat ein gutes Play gemacht und Mößi damit in eine Zwei-gegen-Eins-Situation gebracht. Mößi hat die Scheibe zu mir gepasst und ich habe sie dann auf der Fanghandseite ins Tor geschossen”, schildert Hobbs die Situation.
„Ich denke, das war das erste Mal, dass ich das in meiner Karriere getan habe”, sagt der 26-Jährige aus Deloraine, einer kleinen Gemeinde 300 Kilometer westlich von Winnipeg, über sein Über-Unter-Gleichzahl-Torkunststück. „Es hat sich wirklich gut angefühlt, Tore zu schießen und dem Team dabei zu helfen, das Spiel zu gewinnen. Die drei Punkte für das Team sind das Wichtigste.”
Erweckungserlebnis für eine neu zusammengestellte Reihe?
Es war ohnehin ein außergewöhnlich guter Tag für die neu zusammengestellte zweite Reihe der Passau Black Hawks. Leonard Mößinger machte zwei weitere Tore, wenngleich er für Eines davon in der Schlussphase das leere Höchstadter Tor ausnutzte. Elf Punkte sammelte das deutsch-kanadische Offensivtrio Schembri-Mößinger-Hobbs insgesamt.
„Das war das erste Spiel, in dem die Pucks reingingen. Wir haben zwei oder drei Vorbereitungsspiele zusammengespielt und auch gegen Garmisch am Freitag. Wir hatten Chancen und sind drangeblieben. Wir wussten, dass sie irgendwann reingehen. Am Sonntag sind die Scheiben aber auch zu unseren Gunsten gesprungen”, betont Hobbs.
Gefahr von Herzattacken
Die acht erzielten Tore der Black Hawks können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Niederbayern auch Schwächen offenbarten. Trainer Dan Reja kritisierte in der Pressekonferenz nach dem Spiel gar, man müsse „the right way”, also auf die richtige Art und Weise spielen, ansonsten drohten ihm „Herzattacken”. Besonders nachlässig agierte Passau im zweiten Drittel, als man eine 6:2-Führung auf 6:5 dahinschmelzen ließ.
„Wir haben einige Turnover in der neutralen Zone zugelassen und können uns glücklich schätzen, dass sie nicht final ins Spiel zurückgekommen sind. Wir lassen zu viele Chancen zu, das macht es für unsere Torhüter schwierig”, kritisiert Hobbs, dessen Team sich bei Goalie Janik Engler bedanken kann, dass es nicht noch mehr Gegentore regnete.
Fehleranalyse bei einer Videositzung
Der neue Black Hawks-Trainer Dan Reja hielt am Dienstag mit seinem Team eine Videositzung ab. „Wir haben auf ein paar gute Sachen geschaut, aber auch auf die Fehler, die wir machen. Wir können uns verbessern. Die Spieler wissen, wann sie Fehler machen. Der Trainer spricht das klar an, aber er akzeptiert auch, dass es nicht möglich ist, ohne Fehler zu spielen. Er will einfach, dass wir daraus lernen. Daran haben wir diese Woche gearbeitet”, erzählt Hobbs.
Mit 26 schon Führungsspieler
Auf dem Weg in die Zukunft kann und soll Hobbs eine wichtige Rolle spielen, nicht nur, aber auch, weil er dafür bekannt ist, ein Offensivspieler zu sein, der vorbildlich nach hinten mitarbeitet. Tom Horschel, der Sportliche Leiter der Black Hawks, betonte bei der Verpflichtung des Kanadiers: „Grady soll unseren jungen Spielern ein Vorbild sein und vorangehen.”
Hobbs möchte diese Rolle annehmen: „Wir sind ein eher junges Team, in dem ich zu den älteren Spielern gehöre. Obwohl es erst mein zweites Jahr in Deutschland ist, habe ich zum Beispiel im College schon viele wichtige Erfahrungen gesammelt. Ich hatte tolle Trainer und Mitspieler und glaube, dass ich ein bisschen von meinem Wissen dafür nutzen kann, den jüngeren Spielern zu helfen.” Helfen kann ihm bei seiner Leader-Rolle in Passau, dass er bei den Dauphin Kings in seiner letzten Saison im College-Eishockey Kapitän war und dass er schon in Erding als Führungsspieler eingeplant war und die Erwartungen dort auch größtenteils erfüllen konnte, wenngleich sich mancher einer vielleicht noch ein paar Tore mehr gewünscht hätte.
Nach seiner Zeit bei den Dauphin Kings spielte Hobbs vier Saisons für das Rochester Institute of Technology in der NCAA. Als er 2025 zu den Erding Gladiators kam, musste er sich erst einmal auf die größere Eisfläche umstellen und lernen, nicht immer das schnellste Play zu machen, sondern ab und zu abzuwarten, bis sich ein Spielzug entwickeln kann. Mittlerweile fühlt er sich im europäischen Eishockey allerdings wohl und auch bei den Passau Black Hawks hat er sich schon eingelebt, schließlich habe man eine „tolle Gruppe von Jungs”, ohne auch nur einen einzigen Spieler, der schlecht für das Teamgefüge sei.
Richtungsweisende Spiele?
Sportlich geht es am Freitag (19.30 Uhr) für die Passau Black Hawks mit einem hochinteressanten Auswärtsspiel beim EC Peiting weiter. Beide Teams trennten in der Vorsaison nur sechs Punkte. „Wir müssen defensiv ein gutes Spiel machen, denn sie haben einige gute Spieler”, betont Hobbs, der Tempo und Torgefahr der meist ziemlich physisch agierenden Peitinger hervorhebt. Das Wochenende wird durch ein Heimspiel gegen die HC Tigers (Sonntag, 18 Uhr) abgeschlossen. Passau kennt die Tigers bereits aus einem Vorbereitungsspiel, das die Niederbayern mit 4:3 nach Overtime gewannen. „Sie sind ein hart arbeitendes Team, das wirklich hart spielt. Wir müssen dagegenhalten“, fordert Hobbs.
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