Odeen Tufto von den Ravensburg Towerstars: „Profisport kann ein mörderisches Geschäft sein"

Odeen Tufto Ravensburg Towerstars

18 Zentimeter Größenunterschied: Odeen Tufto von den Ravensburg Towerstars (Nummer 26) will sich gegen Bastian Eckl (Nummer 71) von den Bietigheim Steelers durchsetzen. Foto: Kim Enderle

Seit Center Odeen Tufto, 29 Jahre aus Minnesota, im Dezember von den Ravensburg Towerstars verpflichtet wurde, starteten die Oberschwaben eine bemerkenswerte Aufholjagd von Rang zwölf auf Rang vier. Wir sprechen mit Tufto darüber, warum im Playoff-Viertelfinale gegen die Bietigheim Steelers nun dennoch plötzlich das Aus droht.

Vor dem vierten Spiel der Best-of-Seven-Serie gegen die Steelers (Mittwoch, 19.30 Uhr) spricht der US-Amerikaner über seine ersten Monate in Ravensburg, seine Rolle im Team und erklärt, warum der Profisport ein echtes ‚Mördergeschäft‘ sein kann.

Herr Tufto, mit ein paar Tagen Abstand: Wie bewerten Sie die 2:5-Niederlage gegen die Bietigheim Steelers?

Odeen Tufto: Ja, die 2:5-Niederlage war hart. Wenn du drei Unterzahl-Gegentore im ersten Drittel kassierst, dann musst du das Spiel von hinten spielen. Das ist in den Playoffs ziemlich schwierig. Sie hatten in diesem Spiel ein gutes Powerplay, haben den Puck gut bewegt, sich viele Torschüsse erarbeitet und jeden Kampf um den Puck gewonnen. Wir müssen ihrem Powerplay Respekt zollen, das war ziemlich gut.

Towerstars Trainer Bo Subr sprach nach dem Spiel davon, dass das Team „absolut flach und mit nicht genug Energie“ begonnen habe. Wie konnte das in einem so wichtigen Spiel passieren?

Odeen Tufto: Energie ist sehr wichtig in einem Playoff-Spiel. Du musst absolute Bereitschaft zeigen, dort rauszugehen und hart zu arbeiten. Das haben wir im dritten Spiel leider nicht wirklich aufs Eis bekommen – aber das liegt jetzt hinter uns.

Sie liegen nun in der Best-of-Seven-Serie mit 1:2 in Rückstand. Wie groß ist der Druck bereits vor Spiel vier am Mittwoch in Bietigheim?

Odeen Tufto: Im vierten Spiel müssen wir einfach dahin zurückkehren, wie wir zu Beginn des ersten Spiels gespielt haben. Wir müssen hart und physisch spielen, Zweikämpfe und Pucks gewinnen, versuchen die Dinge einfach zu halten. Wir müssen einfach zu dem Eishockey aus Spiel eins zurückkommen.

Sie haben eine wichtige Rolle im Powerplay. Wie unterscheidet sich Ihre Rolle dort im Vergleich zum Fünf-gegen-Fünf?

Odeen Tufto: Im Powerplay muss ich im Rest der Serie definitiv besser sein, wenn wir eine gute Chance haben wollen, zu gewinnen. Ich muss Schüsse nehmen und Spielzüge für meine Mitspieler kreieren. Wenn wir das schaffen, wird es gut werden.

Mit einer Körpergröße von 1,71 Meter sind Sie für einen Eishockeyspieler ziemlich klein. Welchen Einfluss hat dieser Fakt auf Ihre Spielweise?

Odeen Tufto: Ja, offensichtlicherweise bin ich ein kleinerer Spieler. Das nimmt mir ein wenig die Physis weg. Ich mag es schon ein wenig physisch zu spielen, aber ich werde nicht so oft versuchen, große Hits zu verteilen. Offensichtlicherweise bin ich ein Spieler, der es mag mit dem Puck zu spielen und meinen Teamkollegen zu helfen, Tore zu erzielen.

Als am 18. Dezember Ihre Verpflichtung bekanntgegeben wurde, lagen die Towerstars auf Rang zwölf. Wie verunsichert war die Mannschaft, die Sie an Ihrem ersten Tag vorgefunden haben?

Odeen Tufto: Es war interessant. Sie waren auf dem zwölften Platz. Aber ich habe viele gute Dinge über Ravensburg gehört und habe bekanntlich bereits gegen Ravensburg gespielt. Das hat mir geholfen. Sie waren in der Vorsaison im Finale, haben vor ein paar Jahren die Meisterschaft gewonnen, sind historisch gesehen eine wirklich gute Organisation. Das hat meiner Entscheidung hierherzukommen geholfen. Ich wusste, dass diese Mannschaft den Turnaround schaffen und in die Playoffs kommen kann.

Mark Rassell hat die Trennung von Alex Olivier Voyer als Warnung bezeichnet, dass kein Job sicher ist. Als wie kalt und gnadenlos nehmen Sie dieses Eishockey-Business persönlich wahr?

Odeen Tufto: Profisport kann ein mörderisches Geschäft sein. Manchmal ist kein Job sicher. Du weißt oftmals nicht, wenn die Dinge nicht so laufen, ob dein Job auf dem Spiel steht. In manchen Momenten kann es hart sein. Es ist gut zu sehen, dass Voyer ein neues Zuhause in Weiden gefunden hat und es dort gut macht. Man will nie sehen, wie sich ein Spieler schwertut oder wie sich ein Team von einem Spieler trennt, deswegen war ich dankbar dafür, dass er einen neuen Ort gefunden hat, der ihn wirklich mag und an dem er es gut macht.

Der sportliche Leiter der Ravensburg Towerstars bezeichnet Sie als Spielertypen, der charakterlich sehr gut zu den Towerstars passt. Sind Sie ein ähnlicher Charakter wie Mark Rassell, der von sich sagt, er sei eine sehr extrovertierte Person, die in der Kabine laut ist?

Odeen Tufto: Ja, ich denke, ich habe einen ähnlichen Charakter wie Mark Rassell. Ich bin wahrscheinlich nicht so lautstark wie er in der Kabine, weil ich noch nicht so lange hier bin, aber ich wusste, dass wenn sie jemanden als Ersatz für Voyer suchen, dass sie einen Charakter in der Kabine wollten. Ich habe keine Angst, meine Meinung zu sagen, aber ich kenne auch meinen Platz. Ich versuche einfach, alles positiv zu halten. Die Playoffs sind eine Achterbahn der Emotionen.

Sie sind nun seit einigen Monaten in Oberschwaben. Was ist für Sie persönlich der größte Unterschied zwischen dem Eishockey-Alltag in Nordamerika und dem Leben in einer Stadt wie Ravensburg?

Odeen Tufto: In Sachen Eishockey ist es technisch versierter. Das Eis ist etwas größer, du spielst das Spiel in allen drei Zonen etwas anders. Du hast mehr Raum und Zeit, Spielzüge zu initiieren. In Nordamerika spielst du etwas mehr Dump and Chase wegen dem kleineren Eis. Zur Stadt: Ich mag Ravensburg. Jetzt, wo ich zurück nach Deutschland komme, versuche ich die Sprache wieder ein bisschen zu lernen und ein bisschen in die Kultur und in die Stadt einzutauchen. Es dauert immer ein bisschen, reinzufinden, aber wenn du dich eingelebt hast, ist es großartig. Ich war dazu in der Lage, mich gut einzufinden.

Das Interview führte Lukas Bergmann.

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