Fünf Faktoren: Warum Nikita Naumann von seinem Heimatverein EV Füssen zum EC Peiting wechselt

Nikita Naumann EC Peiting

Inklusive Playdowns machte Nikita Naumann in der 112 Spiele für die Selber Wölfe in der DEL2. Nun wechselt er vom EV Füssen zum EC Peiting. Foto: Kevin Eimertenbrink

Nikita Naumann verlässt seinen Heimatverein EV Füssen und schließt sich dem EC Peiting an. Der 24-Jährige erzählt „Logbuch Sport“ die Hintergründe. Fünf Faktoren spielten für den „Kopf-Mensch“ offenbar eine besonders wichtige Rolle.

Allzu weit ist de+r Weg für Nikita Naumann nicht. Die Eishallen des EV Füssen und des EC Peiting trennen 36 Kilometer beziehungsweise eine etwa 40-minütige Autofahrt. Über die B17 geht es vorbei an diversen Wiesen und Bauernhöfen in Richtung seiner neuen sportlichen Heimat.

Und auch auf dem Eis trennt Füssen und Peiting keine Weltreise. Während der EV Füssen die Hauptrunde der Oberliga Süd auf Rang neun abschloss, beendete Peiting diese auf Rang sechs. So wirkt es auf den ersten Blick etwas verwunderlich, dass Nikita Naumann seinen Heimatverein, den EV Füssen, nach einer guten Saison mit 43 Scorerpunkten verlässt, um zum Lokalrivalen zu wechseln, wenngleich es sicherlich hasserfülltere Duelle gibt als dieses Lokalderby.

Der Füssen-Faktor

Wer Nikita Naumann nun fragt, warum dieser Wechsel zustande kam, der bekommt eine bemerkenswert ehrliche Auskunft: „In Füssen sind wir nicht mehr auf einen Nenner gekommen. Es war nicht mehr das, was beide Seiten sich vorgestellt haben.“ Auf Nachfrage möchte Naumann nicht weiter ins Detail gehen.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch auch, dass die vergangene Saison nicht durchweg einfach für Naumann verlief. Mit vier Toren und elf Vorlagen blieb er hinter den Werten der Vorsaison (neun Tore, 19 Assists) zurück, zudem stand am Ende eine Plus/Minus-Bilanz von -26.

Der Trainer-Faktor

Fakt ist jedenfalls, dass Naumann „relativ früh“ den Kontakt zu Landon „Lanny“ Gare suchte.  Naumann stand zwischen 2021 und 2024 bei den Selber Wölfen unter Vertrag. Zu dieser Zeit war dort bekanntlich auch Gare tätig. Der aktuelle Trainer des EC Peiting war Anfangs Naumanns Mitspieler. „Als junger Spieler hat er mir sehr geholfen“, erinnert sich der 24-Jährige an die gemeinsame Zeit auf dem Eis zurück.

Im August 2022 gaben die Wölfe dann bekannt, dass Gare künftig als Co-Trainer fungieren werde. „Er hat angefangen dort reinzuschnuppern und hat dann immer mehr reingefunden“, erinnert sich Naumann. „Er hat einen super Job gemacht“, so der Stürmer über seinen künftigen Trainer, der in der Selb gute Videoanalysen vorbereitet haben soll.

Naumann ergänzt: „Er versteht Eishockey und ist menschlich top. Als er die Mannschaft für eine kurze Zeit als Cheftrainer übernommen hatte, haben wir direkt Erfolge gehabt. Ich kann nichts Negatives sagen, auch von anderen Spielern höre ich nichts Negatives. Ich freue mich extrem darauf, wieder mit ihm zusammenzuarbeiten.“

Der Kopf-Faktor

Nikita Naumann wurde am 6. Januar 2002 in Crimmitschau geboren. Sein Vater Andrej spielte damals dort, seine Familie kommt allerdings aus Wilhelmshaven, kam aber nach Füssen, als Nikita drei Jahre alt war. Der 24-Jährige durchlief die Jugend des EV Füssen, spielte im U20-Bereich aber auch für Augsburg und den ESV Kaufbeuren, ehe er 2021 zu den Selber Wölfen wechselte. Während er unter Sergej Waßmiller noch eine gute Rolle spielte, wurde der Stürmer unter dessen Nachfolger Ryan Foster in die vierte Reihe versetzt, was auch daran lag, dass seine Mannschaft während Naumann verletzt fehlte, einen Aufwärtstrend verzeichnen konnte.

„Ich will nicht alles auf Verletzungen schieben, aber das war schon ein großer Teil“, meint Naumann, der sich seine Schulter ausgekugelt hatte und wiederholt Schwierigkeiten mit seinen Knien und mit seiner Hüfte bekam. Aktuell geht er einmal in der Woche zum Physiotherapeuten, hat die Probleme in den Griff bekommen.

In Selb war das allerdings ein Faktor, wenngleich auch mentale Themen in diesem Kontext entscheidend waren, zumal Naumann ein „Kopfmensch“ ist, der von sich selbst sagt: „Wenn mein Kopf nicht funktioniert, dann funktioniert mein Eishockey auch nicht. Das ist auch ein Grund, warum ich zu Lanny gehen kann, weil er das versteht und weiß, wie ich bin.“

Bei den Selber Wölfen war Naumann in einer schwierigen Situation. Er kämpfte plötzlich um Einsatzzeiten. Die Angst davor, einen Fehler zu machen, war bei ihm präsent, ein Phänomen, das bei vielen jungen Sportlern die Realität ist. Somit fehlte ihm der „freie Kopf“. Doch für sein Spiel ist es wichtig, nicht zu viel nachzudenken.

Der Job-Faktor

Weil er eben ohnehin schon einer ist, der über die Dinge nachdenkt. Und auch nachdenken muss, denn Naumann hat einen 40-Stunden-Job im Füssener Rathaus. „Das war auch ein Kriterium, warum es mir in Peiting gepasst hat, weil dort auch viele Leute sind, die arbeiten und die das auch verstehen, dass das keine Vollprofimannschaft ist und die auch tolerant gegenüber Leuten sind, die eine 40-Stunden-Woche arbeiten. Nebenbei Eishockey auf diesem Niveau zu spielen, ist schon auch eine gewisse Belastung. Da bin ich echt froh , dass Peiting sehr tolerant gegenüber dem Ganzen ist.“

Der Peiting-Faktor

Was nicht bedeutet, dass die sportlichen Ambitionen nicht vorhanden sind: „Ich will auch mal in den Playoffs zu spielen, auch mal einen direkten Playoffplatz haben. “ Naumann, der sein erstes Oberliga-Tor als 17-Jähriger gegen den EC Peiting erzielt hat, erzählt: „Es war schon immer hart, gegen den EC Peiting zu spielen. Sie waren immer unangenehm, spielen physisch sehr hart. Es ist ein Arbeiterteam.“ Als Gegner seien es bereits immer „coole Duelle“ gewesen. Naumann spielte mit David Diepold in der U20 des ESV Kaufbeuren. Daniel Holzmann kennt er privat. Mit den meisten seiner neuen Mitspieler hatte er aber noch nichts zu tun. Er betont: „Jetzt freue ich mich darauf, das Ganze von der anderen Seite kennenzulernen.“ Ähnlich wie Füssen sei Peiting ein „sehr familiärer Verein. Das Konzept hat mich sehr angezogen. Es kann sein, dass ich länger bleiben werde.“

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