Wie Michael Kreitl den SC Riessersee zurück auf Erfolgskurs bringen will

Roach-Armstrong-SC Riessersee

Jesse Roach (Nummer 74) und Nik Armstrong-Kingkade (Nummer 54) hatten in der abgelaufenen Saison mit dem SC Riessersee einen schwierigen Stand. Foto: Peter Volk

Der SC Riessersee hat in den Pre-Playoffs der Eishockey Oberliga Süd mit 2:5 gegen die EHF Passau Black Hawks verloren und ist damit ausgeschieden. Michael Kreitl, seit 1. Januar Geschäftsführer des SCR, erkennt im Rückblick auf die Saison wenig Positives. 

Der 50-Jährige, der in Schongau geboren wurde, erklärt, warum er die herausfordernde Aufgabe beim SC Riessersee angenommen hat, welche Erfahrungen er aus seiner Zeit beim ESV Kaufbeuren einbringen kann und wie der Zeitplan bei der Trainersuche aussieht.

Herr Kreitl, wie groß ist der Frust über das Ausscheiden in den Pre-Playoffs?

Michael Kreitl:  So ist der Sport, manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Aber nee, der Frust ist natürlich groß. Dadurch, dass die Saison schon bis dahin bereits sehr durchwachsen war, kommt es aber auch nicht ganz überraschend.

Das große Thema nach dem Spiel war die strittige Schiedsrichterentscheidung, Lenny Elwings Spiel mit einer Fünf-Minuten-Strafe für einen angeblichen Schlittschuhtritt zu beenden. Wie haben Sie die Situation gesehen?

Michael Kreitl: Im Endeffekt haben die Schiedsrichter es so entschieden. Ich muss mir das noch einmal genau anschauen und bin dann gespannt, was der Schiedsrichterausschuss entscheidet. Natürlich versuchen wir, dass der Spieler keine Strafe bekommt. Im Spiel habe ich es gar nicht wahrgenommen. Die Schiedsrichter müssen sich aber bewusst sein, dass sie damit maßgeblich ins Spiel eingreifen. Aber wir müssen unsere Fehler genauso sehen. Warum wir uns zu so etwas hinreißen lassen, da müssen wir vor unserer eigenen Haustür kehren. Auch wenn es nur eine Zwei-Minuten-Strafe gewesen wäre, musst du dich in den letzten fünf Minuten des Spiels besser im Griff haben.

War die Hypothek des dünnen Kaders nach den kurzfristigen Abgänge von Quirin Glas-Bader und Patrik Mühlberger zu den Blue Devils Weiden am Ende einfach zu groß, um in dieser Serie bestehen zu können?

Michael Kreitl: Das lasse ich nicht gelten. Ein größerer Faktor ist die Verletzung von unserem Kapitän Tobias Echtler, der im Spiel gegen die Lindau Islanders einen Puck ins Gesicht bekommen hat. Er ist ein großer Stabilisator in unserer Abwehr. Wenn Spieler weggehen wollen, dann sind sie mit dem Kopf eh nicht mehr bei der Sache.

In der Hauptrunde der Saison 2024/25 erspielte sich der SC Riessersee 69 Punkte. Am Ende der Saison 2025/26 waren es nur 57 – trotz vier zusätzlicher Spiele und des Trainerwechsels von Hunor Marton zu Markus Jocher, unter dem es punktetechnisch etwas besser lief. Außerdem stellte der SCR in der Hauptrunde das schwächste Powerplay der Liga. Dennoch sagte Trainer Markus Jocher im Anschluss an das Ausscheiden, dass in dieser Saison nicht alles schlecht gewesen sei.  Wie ordnen Sie die Runde ein?

Michael Kreitl: Für mich persönlich gibt es nicht viel Positives aus der Saison herauszuziehen. Wir sind mit Ach und Krach Elfter geworden und hätten bis kurz vor dem Ende der Saison sogar noch Letzter werden können. Hätte Heilbronn nicht zurückgezogen, dann hätten wir selbst unser kleinstes Saisonziel nicht erreicht. Ich persönlich sehe also nicht viel Positives, zumal wir auch Niederlagen erlitten haben, wie das 1:10 gegen den Deggendorfer SC. In manchen Spielen hätten wir nach zehn, fünfzehn Minuten wieder heimfahren können. Wir haben dann beispielsweise bei den Siegen gegen Bad Tölz und Memmingen gesehen, dass wir es schon können, aber das haben wir zu wenig gezeigt. Allerdings muss man auch sagen, dass uns mit Robin Soudek und Lubor Dibelka zwei unserer besten Spieler für eine halbe Saison gefehlt haben. Das ist für jede Mannschaft schwer zu kompensieren. Am Ende haben wir unser Minimalziel erreicht. Viel mehr war nicht drin.

Sie sind seit dem 1. Januar Geschäftsführer des SC Riessersee, verantworten sowohl den sportlichen Bereich als auch das operative Tagesgeschäft. Wie fühlt sich die Rückkehr zum SCR, für den Sie in den Saisons 2003/04 und 2012/13 als Spieler auf dem Eis standen, an?

Michael Kreitl: Ich habe es immer genossen, in Garmisch zu spielen. Es waren schon wilde Zeiten mit den NHL-Cracks Matt D’Agostini, Erik Condra und Rick DiPietro – auch wenn wir damals relativ viele Spiele verloren haben. Mit Kaufbeuren habe ich 2018 in den Playoffs in Garmisch zwar auch bittere Erfahrungen gesammelt, aber die positiven Erfahrungen überwiegen ganz klar. Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass Garmisch-Partenkirchen nicht weit weg von meiner Heimat ist. Ich musste nicht lange überlegen, als ich das Angebot erhalten habe. 

Holen Sie uns gerne ab. Wie sieht Ihr neuer Job aus?

Michael Kreitl: Ich bin so ein bisschen das Mädchen für alles, habe den Hut in allen Bereichen auf. Als Ansprechpartner bin ich immer vor Ort. Ich mache das ja auch im Gegensatz zu meinem Vorgänger Andreas Wieland hauptberuflich. Wirklich allen Respekt vor Herr Wieland, der das ganze neben seinem Hauptberuf gemacht hat. Das ist eigentlich unvorstellbar. Ich möchte den Verein jetzt ein bisschen prägen, meinen eigenen Weg, meine eigene Philosophie vorgeben. In Kaufbeuren habe ich 2015 eine ähnliche Situation vorgefunden. Das ist also kein Neuland für mich.

Sie haben es angesprochen: Sie waren bis zum April 2025 zehn Jahre lang als Geschäftsführer des ESV Kaufbeuren tätig. Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit in Kaufbeuren helfen Ihnen bei ihrer Arbeit in Garmisch-Partenkirchen am meisten?

Michael Kreitl: Da kann man wirklich sehr viel mitnehmen. Wir hatten dort eine gute Mischung aus jungen und alten Spielern. Es waren Spieler, die gerne dabei sein wollten. Diesen Weg wollen wir beim SC Riessersee nun auch einschlagen. Es war wirklich eine sehr erfolgreiche Zeit. Wir waren in zehn Jahren achtmal in den Playoffs, standen viermal im Halbfinale. Diesen Weg, diese Philosophie, diese Arbeitseinstellungen wollen wir hier jetzt auch implementieren, das Ganze aber auf die Möglichkeiten des SC Riessersee angepasst. Wir müssen das vernünftig und mit Maß machen, das ist hier in Garmisch das Wichtigste.

Finanzielle Probleme, Insolvenzen, Chaos. Die Geschichte des SC Riessersee ist nicht nur eine Geschichte der Erfolge. Doch schauen wir in die Gegenwart: Der Münchner Merkur veröffentlichte im Dezember 2025 einen Bericht über die finanzielle Situation des SC Riessersee. Demnach sei es dem SCR mit einem „rigorosen Sparkurs“ und mit Hilfe von Unterstützern gelungen, die Verbindlichkeiten von 327 000 Euro auf 180 000 Euro zu senken. Wie kürzlich bekannt gegeben wurde, wird der Etat des Klubs in der kommenden Saison erneut bei etwa 1,4 Millionen Euro liegen. Wie bewerten Sie die finanzielle Situation des Vereins?

Michael Kreitl: Das ist richtig. Wir haben einige Dinge begradigt im wirtschaftlichen Bereich. Das ist wirklich schön, wirklich toll. Wir schauen uns nach neuen Sponsoren um und wollen neues Vertrauen aufbauen. Das ist aber ein Prozess über Jahre, den wir jetzt versuchen zu starten. Mit dem Schuldenabbau haben wir uns eine solide Basis erarbeitet.

Es wird aller Voraussicht nach einen großen Umbruch geben. Welche – möglicherweise grundsätzlichen Dinge – müssen sich ändern, damit der SC Riessersee in der Zukunft eine positive Entwicklung nimmt? Ich stelle mir das nicht so einfach vor, insbesondere mit der Last der historischen Erfolge dieses Vereins.

Michael Kreitl: Die Historie ist wunderbar, wir sind aber in der Gegenwart angekommen. Wir wollen diese Strahlkraft nutzen, sie darf uns nicht erdrücken. Für mich ist es entscheidend, Arbeitseinstellung und Leistungsbereitschaft zu fördern. Wir müssen diese Dinge einbringen und vorleben. Mit dieser Ausrichtung wollen wir die ersten Schritte gehen und uns kleine Ziele stecken. Dass man es schafft, mehr Spiele zu gewinnen, als zu verlieren, zum Beispiel.

Sie haben angekündigt, nach der Saison einen neuen Trainer zu verpflichten. Wie sieht der Zeitplan aus?

Michael Kreitl: Wir werden jetzt erstmal die Saison abarbeiten. Am Samstag ist dann unsere Abschlussfeier, bei der wir verschiedene Abgänge bekannt geben werden. Ab nächster Woche liegt unser kompletter Fokus auf der neuen Saison.

Das Interview führte Lukas Bergmann.

 

 

Michael Kreitl, Geschäftsführer des SC Riessersee.

 

 

 

 

 

 

Michael Kreitl

Geschäftsführer SC Riessersee

Michael Kreitl, 50 Jahre alt, wurde in Schongau geboren. Seine Eishockey-Karriere begann der Center beim EC Peiting. Nach seinem Wechsel zum EC Bad Tölz kam Kreitl 2003 erstmals zum SC Riessersee, zu dem er 2012 für eine weitere Saison zurückkehrte. Seinen größten Erfolg feierte Kreitl 2010 mit der DEL-Vizemeisterschaft mit den Augsburger Panther.

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