Maximilian Horner und der TV Großwallstadt: Warum es im Sommer zur Trennung kommt

Maximilian Horner TV Großwallstadt

Es ist vollbracht: Der TV Großwallstadt um Maximilian Horner hat den Klassenerhalt geschafft. Foto: TV Großwallstadt

Der TV Großwallstadt zittert sich trotz einer dramatischen 29:30-Niederlage gegen den 1. VfL Potsdam zum Klassenerhalt. Rückraumspieler Maximilian Horner hat bei den verletzungsgeplagten Unterfranken in den vergangenen Wochen eine wichtige Rolle übernommen. Der 27-Jährige spricht über das turbulente Saisonfinale, seinen ungewöhnlichen Weg in den Profi-Handball – und erklärt, warum der TVG ihm keine Vertragsverlängerung anbot.

Es gibt diese Redewendungen, die man eigentlich nicht mehr hören kann. Dass „der letzte Schritt der schwerste“ sei, gehört definitiv dazu. Auf den TV Großwallstadt trifft diese Redewendung aktuell allerdings erstaunlich gut zu, denn der Handball-Zweitligist zitterte sich am vergangenen Sonntag zum Klassenerhalt, weil die HSG Krefeld Niederrhein noch am selben Abend mit 34:36 beim HSC 2000 Coburg verlor.

Die Mannschaft von Trainer André Lohrbach hatte in der Schlussphase des Spiels beim 1. VfL Potsdam eine 29:27-Führung verspielt und kassierte den Treffer zum 29:30-Endstand quasi mit der Schlusssirene. Der in den vergangenen Wochen stark aufspielende Maximilian Horner, der gegen Potsdam allerdings nur zwei Tore warf, bilanziert: „Wir haben uns viel vorgenommen vor dem Spiel, wollten den Klassenerhalt aus eigener Kraft eintüten. Wir haben lange ein gutes Spiel gezeigt, haben es am Ende aber nicht über die Zeit gebracht. Auch wenn das nicht der Plan war, sind wir glücklich, den Klassenerhalt zwei Spieltage vor Saisonende gesichert zu haben.“

Gegen den formstarken Tabellenvierten, der somit bei vier Siegen in Folge steht, kassierten die Großwallstädter ihre fünfte Niederlage in Serie. Die jüngsten Pleiten gab es gegen HBW Balingen-Weilstetten, die SG BBM Bietigheim, den Dessau-Roßlauer HV/06 und den VfL Lübeck – alles ebenfalls Mannschaften aus den Top acht.

Ein Muster, das für wenig Euphorie sorgt

Womit wir wieder bei Maximilian Horner wären. Der 27-Jährige Rückraumspieler erkennt nämlich ein Muster. Während der TVG in der vergangenen Saison äußerst heimstark agierte und auswärts serienweise Pleiten kassierte, beobachtet Horner in dieser Spielzeit „wenige Überraschungen“. Siegen gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller stehen Niederlagen gegen Topteams gegenüber. Nachdem sich die Unterfranken im Oktober mit fünf Siegen ein Polster erspielten, taumelte der Verein nun doch noch einmal gefährlich nah in Richtung Drittklassigkeit, was auch daran lag, dass wichtige Spieler wie Finn Wullenweber,  Roman Aukstikalnis, Sebastian Trost und Yessine Meddeb verletzt fehlten.

Dies sorgt auch dafür, dass Trainer André Lohrbach nur vier Rückraumspieler zur Verfügung stehen. Für Maximilian Horner bedeutet das statt 20 oder 30 Minuten Spielzeit, 55 bis 60 Minuten auf der Platte. „Das zehrt schon sehr, gerade im modernen Handball, in dem du viel laufen musst“, gibt der 27-Jährige zu. Weil er aber neue Elemente wie einen Einläufer nach einem Zweikampf in sein Spiel implementiert hat, läuft es dennoch gut für ihn. 27 Tore warf Horner in den vergangenen vier Spielen. Der gebürtige Augsburger betont, dass er schon zuvor mit seinem Einsatz und den Zweikämpfen, die er geführt hat, einen Beitrag für die Mannschaft leisten konnte. Jetzt aber – und das wird auch ihm klar sein – wird sein handballerischer Wert auch für Außenstehende noch sichtbarer.

Profi-Handballer über Umwege

Horner? Über Wochen hinweg einer der erfolgreichsten Torschützen einer Zweitligamannschaft? Damit war noch vor einigen Jahren wirklich nicht zu rechnen. Der Augsburger spielte in einigen Auswahlmannschaften, hatte sich aber zwischenzeitlich, zurückgeworfen von Verletzungen, auf seine berufliche Laufbahn als Polizist konzentriert. „Zwischenzeitlich war nicht mehr davon auszugehen, dass ich irgendwann professionell Handball spielen werde“, erzählt Horner. „Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass mein Körper das wieder wegsteckt und ich unverletzt bleibe. Dann kam der Kontakt von Fürstenfeldbruck.“

Zwischen 2018 und 2022 spielte der Augsburger in Fürstenfeldbruck, Handball war für ihn dort ein netter Nebenverdienst. Die aktuelle Entwicklung des Vereins mit dem Zusammenschluss zur HG München Fürstenfeldbruck beobachtet Horner genau, zumal Martin Wild, der Sportliche Leiter der neuen Spielgemeinschaft, einst Horners Coach in Fürstenfeldbruck war: „Ich verfolge das schon. Ich habe auch noch Kontakt mit ihm. Schade, dass sie aus der 3. Liga abgestiegen sind. Ich glaube generell, dass diese Spielgemeinschaft eine Chance ist, etwas Konkurrenzfähiges aufzubauen. Es wird ein langer Weg, aber ich drücke die Daumen. Es wäre toll für Südbayern, wenn es in München eine Mannschaft oberhalb der 3. Liga geben würde.“

Keine Zukunft in Großwallstadt

Horner persönlich machte den Schritt aus der 3. Liga in den Profihandball 2022 mit seinem Wechsel zum VfL Lübeck-Schwartau. „Es war keine leichte Entscheidung für mich, in den Profihandball zu wechseln. Ich bin schon sehr mit meiner Heimat verwurzelt. Aber wenn sich einem eine solche Möglichkeit bietet, dann überlegt man ein paar Tage oder eine Woche und dann trifft man eine Entscheidung.“

Seine Entscheidung für den Profihandball bereut Horner nicht. Er ist dankbar für die „unglaublich viele(n) Erfahrungen“, die er gesammelt hat. Allerdings musste er auch Rückschläge verkraften: Als Horner im vergangenen Sommer auf den TV Großwallstadt zukam, um nach einer Vertragsverlängerung zu fragen, ließ sich der Verein zunächst Zeit, teilte ihm dann aber mit, dass TVG sich „neu orientieren“ möchte. Im November gab Großwallstadt dann sowohl den Horner-Abgang zum Saisonende als auch die Verpflichtung von Jannek Klein vom 1. VfL Potsdam bekannt. Großwallstadt suchte offenbar eher nach einem Spielertypen, der stärker darin ist, mit Distanzwürfen für Gefahr zu sorgen.

Neustart bei Nordhorn-Lingen

Horner wiederum erzählt: „Am Ende hat sich Nordhorn bei mir gemeldet in Person von Trainer Mark Bult. Er hat mir schön dargelegt, was er mit mir machen möchte, was er verbessern möchte, was er an mir schätzt. Er hat mir ein gutes Gefühl gegeben, dass wir eine gute Basis haben, um miteinander zu arbeiten und dass das Spaß machen könnte.“ Der spielstarke Rückraumspieler wog alle Optionen ab und entschied sich für die Option, auf die er am meisten Lust hatte: Die HSG Nordhorn-Lingen, der aktuelle Tabellenfünfte der 2. Handball Bundesliga. Zunächst gilt es aber, die aktuelle Saison seriös zu Ende zu bringen.

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