Von Zagreb an den Bodensee: Entwicklungshelfer Marko Šakić auf dem Weg nach oben
Marko Šakić war 2019 bester Torschütze der Weltmeisterschaft der Division II, Gruppe A. Foto: Betty Ockert
Nach dem Wechsel von Erfolgscoach Michael Baindl zu den Hannover Indians wurde Marko Šakić als neuer Trainer der Lindau Islanders vorgestellt. Der Kroate war zuvor Co-Trainer und hauptamtlicher Nachwuchstrainer der Islanders. Er spricht über Eishockey in seiner Heimat Kroatien, die ersten Neuzugänge und seine Vorstellung eines modernen Spielstils.
Der neue Lindau-Coach Marko Šakić verbringt die Offseason in Zagreb. Ein paar Wochen ohne Eishockey sind für ihn aber keine Option: „Es ist nie entspannt. Ich schaue immer Spieler für die nächste Saison an. Es läuft noch sehr viel Eishockey.“ Ob Oberliga, DEL, tschechische Extraliga oder die NHL-Playoffs: Šakić verfolgt das Eishockey-Geschehen genau.
Marko Šakić als Entwicklungshelfer
Vielleicht ist diese Akribie bei der Videoanalyse und bei der Trainingsvorbereitung, die dem 32-Jährigen nachgesagt wird, sein Erfolgsrezept. Jüngst wurde er jedenfalls vom Co-Trainer und hauptamtlichen Nachwuchstrainer zum Cheftrainer der Lindau Islanders befördert. Seine Leidenschaft für Eishockey, der Sport spielt für ihn „eine ganz große Rolle“, hat er zum Beruf gemacht. Dafür ist er dankbar – insbesondere weil er aus einem Land kommt, in dem Eishockey eher ein Nischendasein fristet.
Doch Eishockey sei in Kroatien „heuer ein bisschen größer geworden“, unter anderem durch die KHL-Zeit von Medveščak Zagreb (2013–2017). Auch Šakić hat seinen Anteil daran: Der aktuelle U18- und U20-Nationaltrainer Kroatiens, der aktuell unter anderem auch den KHL-Spieler Borna Rendulić und Bruno Idžan von der University of Wisconsin trainiert, veranstaltet in Kroatien und in Österreich im Mai Eishockeycamps für Kinder. Glaubt man den Daten des Weltverbandes IIHF, so gibt es aktuell 842 Eishockeyspieler in Kroatien. Bemerkenswerterweise sollen darunter 518 Jugendspieler von der U8 bis zur U20 sein.
Weiter Weg nach oben
Doch für den kroatischen Nachwuchs ist der Weg nach oben weit. Dies stellte auch Šakić fest. Als 14-Jähriger zog er alleine nach Österreich, um in der Jugend des Klagenfurter AC zu spielen. Die ganz großen Erfolge als Spieler blieben ihm allerdings verwehrt. In Deutschland spielte er für den EC Lauterbach und für die zweiten Mannschaften der Löwen Frankfurt und des ESV Halle in der Regionalliga. 2021 wurde er mit Mladost Zagreb kroatischer Meister.
Während der Corona-Pandemie fand er zum Coaching. „Das hat Riesenspaß gemacht. Ich habe mir dann gesagt, dass ich es wieder im Ausland versuchen will“, so Šakić. Die Chance dazu bot sich 2022 am Bodensee: „Lindau hat einen Co-Trainer gesucht und einen Head Coach 1B. Ich komme aus einem Nicht-Eishockeyland und musste deshalb viele Schritte machen, um nach oben zu kommen. Es hat gut gepasst, von Anfang an. Ich fühle mich sehr wohl in Lindau.“
Abkehr vom Baindl-Stil?
Šakić war Co-Trainer unter Stefan Wiedmaier, John Sicinski und Michael Baindl. Letzterer verabschiedete sich nach der abgelaufenen Saison zu den Hannover Indians, hinterließ in Lindau allerdings kein böses Blut. Šakić betont: „Wir hatten eine tolle Zusammenarbeit. Ich bin noch ständig mit ihm in Kontakt. Wir wünschen ihm alles Gute.“ Baindl habe „immer hart gearbeitet“ und an den Verein geglaubt.
Nun übernimmt Šakić. Für ein Saisonziel sei es noch zu früh, sein Fokus ist zunächst ein anderer: „Kurzfristig geht es für mich darum, dass wir eine klare Identität aufbauen und konstant gute Leistungen zeigen.“ Sein Versprechen, das nicht wie eine klare Abkehr vom Baindl-Stils klingt: „Wir werden sicher, so wie in den letzten Jahren, ein schnelles, attraktives Eishockey spielen.“
Neue Spieler, mehr Physis?
Allerdings verlassen einige Spieler den Verein, darunter auch Kapitän Steffen Tölzer. „Er war die letzten zwei Jahre unser Kapitän, eine Führungsperson“, so Šakić, der den Abgang durch mehrere Spieler kompensieren möchte. Ein solcher soll natürlich auch der neue Import-Stürmer Rocco Andreacchi sein. Der Trainer traut seinem neuen Schützling, den die Islanders im Zuge eines USA-Trips entdeckt haben, jedenfalls einiges zu: „Er ist ein großer Stürmer mit einem guten Schuss, der Schlittschuhlaufen kann. Er wird uns sicher helfen und eine Schlüsselrolle spielen.“
Andreacchi steht außerdem stellvertretend für eine kleine Anpassung in der Spielweise der Islanders. Der sportliche Leiter Milo Markovic lobte in der Pressemitteilung des Vereins Andreacchis „physisches Spiel“. Dies sei „ein Bereich, in dem wir uns aktiver aufstellen wollen“. Šakić bestätigt: „Wir wollen mehr Checks fahren als früher.“
Modernes Eishockey
Viel spielerische Qualität bringt Sandro Mayr, der vom EV Füssen an den Bodensee wechselt, mit. Mayr, 22 Jahre alt, kann variabel eingesetzt werden. Lindau plant ihn allerdings als Verteidiger ein, wie Šakić auf Nachfrage bestätigt. Der Kroate lobt: „Sandro ist ein junger Spieler mit sehr viel Potenzial. Er hat sehr gute Eishockey-Fähigkeiten: Schlittschuhläuferisch, der Schuss, die Technik, der erste Pass. Das ist ein Spieler, den wir weiterentwickeln wollen. Er wird uns sicherlich helfen.“
Mit seinen Fähigkeiten scheint Mayr auf den ersten Blick gut in das „moderne, schnelle und verantwortungsvolle Eishockey“ zu passen, das sich Šakić vorstellt. Aber was bedeutet modernes Eishockey für den 32-jährigen Übungsleiter überhaupt? „Dass wir aus einer guten Defensive heraus gute Rushes fahren, dass wir schnell spielen, aggressiv im Forecheck sind und dass wir uns mehr mit uns selbst beschäftigen, als mit dem Gegner“, erklärt der neue Cheftrainer der Lindau Islanders. In der Lindauer Eissportarena soll weiterhin attraktives Eishockey geboten werden.
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