„Irgendwann macht man sich lächerlich“: Marcel Pfänder vom Deggendorfer SC mit klarer Meisterschaftsbotschaft
Der Deggendorfer SC stand in der vergangenen Saison im Oberliga-Endspiel, verpasste den Titel gegen den ECDC Memmingen dann aber knapp. Foto: Roland Rappel
Nach der Oberliga-Finalniederlage des Deggendorfer SC gegen die ECDC Memmingen Indians fiel Marcel Pfänder in ein mentales Loch. Der 30-jährige spricht vor dem Saisonstart über den Finalfrust, eine offene Rechnung und ein warnendes Beispiel aus der Vergangenheit.
Sportler wollen naturgemäß immer das Maximum erreichen. Manchmal muss man aber zurückschauen, um das Gesamtbild zu sehen. Im Sommer 2025 fuhr Marcel Pfänder Dauerkarten an die Fans des Deggendorfer SC aus und nutzte die Gelegenheit, sich mit den Fans des Vereins auszutauschen. Die Erwartungen an die neu zusammengestellte Mannschaft, die ihm mitgeteilt wurden: „Platz vier bis sechs wäre überragend.“
Was dann folgte, war eine Saison, die man sich bei den Niederbayern beinahe nicht hätte besser erträumen können. Die Betonung liegt allerdings auf beinahe. Mit nur neun Niederlagen pflügte man durch die Hauptrunde der Oberliga Süd, die man auf dem ersten Platz beendete. In den ersten drei Playoff-Runden gab es nur zwei Niederlagen.
Es entstand eine Euphorie und eine Hoffnung auf den ganz großen Coup, die in der Finalserie gegen die ECDC Memmingen Indians dann aber zerbrach. Mit 4:2 setzten sich die Indians durch. Der DSC wiederum wartet seit 2019 auf DEL2-Eishockey, in dem Wissen, dass es mit jedem Jahr ohne Aufstieg nicht einfacher werden dürfte, in die Zweitklassigkeit zurückzukehren.
Finalfrust, Verletzungen, mentale Probleme
Es war eine Saison, auf die man eigentlich stolz sein kann, die aber logischerweise ihre Spuren hinterlassen hat, zum Beispiel bei Verteidiger Marcel Pfänder: „Ich muss sagen, dass ich im Sommer, nachdem wir das Finale verloren haben, auch mental ein bisschen Probleme hatte. Da ging es mir nicht so gut. Das handelt jeder anders. Für mich kam auch noch die Verletzung hinzu.“
Drei Verletzungen hatte Pfänder in der vergangenen Saison: Vier Wochen der Saisonvorbereitung verpasste er aufgrund eines Muskelfaserrisses in der rechten Schulter. Im Dezember wurde sein linkes Knie operiert. Außenband und Meniskus wurden entfernt. Der DSC musste einige Wochen ohne Pfänder auskommen. In Spiel 5 gegen die Memmingen Indians zog er sich dann an der linken Schulter eine sogenannte Tossy-2-Verletzung zu, eine Art Schultergelenkssprengung.
Mental nicht förderlich für Pfänder war, dass ein Arzt nun etwas anderes sagte, als die anderen Ärzte. Seine Schulterverletzung zog sich durch den Sommer, er sorgte sich um die neue Saison. Mittlerweile hat sich die Situation allerdings gebessert. Pfänder hat fast keine Schmerzen mehr und stieg „ungefähr fünf Wochen“ vor dem Saisonstart (am 18. September um 20 Uhr eröffnet der DSC seine Saison gegen die Heilbronner Falken) ins Aufbautraining ein.
Skaterhockey im Sommer
Daran, dass Pfänder seine mentalen Probleme überstanden hat, hatte auch das Skaterhockey einen Anteil. Bei dieser Sportart wird auf Inlineskates ein Ball in ein Eishockeytor befördert, beziehungsweise man versucht, ihn dorthin zu befördern. Jedenfalls betreibt Pfänder diesen Sport jeden Sommer. In diesem Sommer hat er aufgrund seiner Schulter nur fünf Spiele gemacht.
„Es einfach eine super Abwechslung zum Krafttraining. Der Sommer ist lang, es ist immer viel Krafttraining, viel Cardio und immer marschieren“, erklärt der 30-Jährige. Besonders hebt der gebürtige Nürnberger hervor: „Das Dribbling mit dem Ball ist ein Unterschied verglichen mit dem Puck, aber ich finde, dass die Hände dadurch besser werden, weil der Ball anders zu kontrollieren ist.“ Auch deswegen empfiehlt Pfänder diesen Sport insbesondere Nachwuchsspielern.
Bemerkenswerte Konstanz im Kader
Junge Spieler haben sie natürlich auch in der Oberliga-Mannschaft des Deggendorfer SC. Viktor Skohorodov ist 19, die Neuzugänge Niclas Focks und Daniel Assavolyuk sind 21 beziehungsweise 22 Jahre alt. Der 20-jährige Michael Schepel hat einen Tryoutvertrag unterzeichnet. Dennoch ist dies sicherlich kein Team der großen Experimente: Neben erwähntem Focks, der in der vergangenen Saison neben den Krefeld Pinguinen aber auch noch für die Hammer Eisbären aufs Eis ging, verpflichtete der DSC mit Thore Weyrauch (EHC Freiburg), Zach Kaiser (Bad Nauheim), Manuel Edfelder (Blue Devils) und Daniel Assavolyuk (Düsseldorfer EG) noch vier weitere Neuzugänge, die in der vergangenen Saison in der DEL2 spielten. Auf der Abgangsseite stehen unter anderem Brett Humberstone (Lausitzer Füchse) und Lars Bergbauer (Hannover Indians).
Deggendorf konnte Führungsspieler wie Dylan und Ty Jackson sowie Harrison Roy halten und stellt somit kominiert mit den durchaus namhaften Neuzugängen in der Theorie erneut eine sehr konkurrenzfähige Mannschaft. Obwohl Deggendorf zu den wohlhabenderen Oberliga-Standorten gehört, betont Pfänder, der sich mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Niederbayern sehr wohl fühlt: „Wir haben alle schöne Wohnungen, du lebst am Wald. Es ist richtig entspannt, richtig schön hier in Bayern. Hier machen viele Urlaub. Und das ist eigentlich das Ding, warum doch viele noch mal ein zweites, ein drittes Jahr hierbleiben: Der Wohlfühlfaktor ist riesig hier. Da verzichtet man auch mal gerne auf ein bisschen Geld. Geld ist nicht alles.“
Ein warnendes Beispiel
Und sportlich? Wer so nah am Aufstieg dran war, dem sollte es nicht allzu fern liegen, das Ziel Aufstieg offensiv zu verkünden. Pfänder antwortet auf die Frage, ob die Neuzugänge eine Ansage an die Konkurrenz seien, allerdings: „Ja, auf jeden Fall. Vom Aufstieg werde ich persönlich nie reden, weil ich in Duisburg miterlebt habe, dass du fünf Jahre vom Aufstieg geredet hast und du es nicht hingekriegt hast. Da machst du dich irgendwann lächerlich. Man muss ja sagen, die Saison ist so lang, du hast fast 50 Spiele in der Hin- und Rückrunde. Da kann immer alles passieren. Wir wissen, dass wir wieder, ich sage mal, die Top drei oder vier auf jeden Fall hinkriegen müssen in der Oberliga. Wir haben natürlich einen sehr, sehr guten Kader, aber die anderen Mannschaften schlafen ja auch nicht.“
Der 30-Jährige vergleicht die Oberliga mit der NHL. 20 Mannschaften nehmen an den Playoffs teil, aus seiner Sicht ist es in keiner Liga so schwierig, aufzusteigen. Allerdings habe man nun einen Kader, der vermutlich noch einmal ein bisschen stärker sei, als jener in der vergangenen Saison. Die größten Konkurrenten im Eishockey-Süden sind aus seiner Sicht der ESV Kaufbeuren, die Tölzer Löwen und die Lindau Islanders.
Ein Wechsel in die DEL2 scheint keine Option zu sein
Sollte der Aufstieg trotz der großen Konkurrenz aus Nord und Süd gelingen, so wäre es für Pfänder übrigens keine DEL2-Premiere. In der Saison 2016/17 absolvierte er 31 Spiele für den EC Bad Nauheim in der zweiten Liga. „Ich habe auf jeden Fall noch eine Rechnung offen mit der DEL2, weil sie mir das nicht zugetraut hatten“, verrät Pfänder. „Aber wenn ich aufsteige, das habe ich auch ganz klar gesagt, dann steige ich mit Deggendorf auf. Nochmal in die DEL 2 zu wechseln zu einem anderen Verein, ist für mich aktuell nicht vorstellbar.“
Neue Herangehensweise in der Vorbereitung
Stattdessen liegt der volle Fokus also auf der Saisonvorbereitung mit dem Deggendorfer SC. Vier Siege und zwei Niederlagen gab es in den Testspielen bisher. Trainer Casey Fratkin testete viel, ohnehin sind auch während der Saison wieder viele Wechsel in der Zusammenstellung der Verteidigerpaare zu erwarten, wie Pfänder verrät. Im Vergleich zu Fratkins erster Saison als DSC-Trainer gibt es allerdings eine Veränderung: Während Fratkin im Vorjahr das Training oftmals anhielt, um beispielsweise die Laufwege zu erklären, geht es nun laut C-Schein-Inhaber Pfänder noch schneller und härter zur Sache, was wohl auch daran liegt, dass etwas weniger Neuzugänge integriert werden mussten als im Vorjahr, als der Trainer ja auch noch neu war. An der grundsätzlichen Herangehensweise des DSC mit aggressivem Forechecking und viel Tempo wird sich aber wohl nichts ändern.
Das Jahr des Deggendorfer Schlittschuh-Clubs?
Dafür gibt es infrastrukturelle Veränderungen. Zwar ist die Hitzkopf-Arena, das Eisstadion des DSC, mit nicht einmal 3000 Plätzen nicht riesig, doch durch neue Sitzplätze könnte die Kapazität leicht steigen. Außerdem soll ein DSC-Leistungszentrum entstehen. Eine moderne Eishalle soll dafür in Natternberg gebaut werden. Der Klub arbeitet also auch außerhalb des Eises dafür, den Standort langfristig für die DEL2 aufzustellen. Pfänder will derweil bewusst keine Aufstiegsprognosen machen. Vielleicht ist dies die richtige Herangehensweise – und vielleicht ist ja trotzdem schon das nächste Jahr das Jahr des Deggendorfer Schlittschuh-Clubs.
Dir gefällt, was du hier liest?
Ich stecke viel Energie und Zeit in die Recherche und die Interviews für Logbuch Sport. Wenn dir meine Texte einen Mehrwert bieten, freue ich mich über eine freiwillige Unterstützung via Stripe. Damit hilfst du mir dabei, dieses Projekt langfristig weiterzuführen. Du hast Themenvorschläge oder eine spannende Geschichte, über die ich berichten soll? Schreib mir gerne an redaktion@logbuch-sport.de.