Leon Schulz: Ein Eispirat auf Probezeit

Leon Schulz Eispiraten Crimmitschau

In einer umkämpften Oberliga-Finalserie setzten sich die Bietigheim Steelers 2025 mit 4:3 gegen die Hannover Scorpions durch. Für Leon Schulz bedeutet dies direkt im ersten Profijahr einen Titelgewinn. Foto: Timo Raiser

Leon Schulz steht nach seinem Wechsel von den Hammer Eisbären zu den Eispiraten Crimmitschau direkt unter Druck, denn sein Tryout-Vertrag läuft zunächst nur bis zum 31. Oktober. Im Gespräch mit Logbuch Sport spricht Schulz offen über diese Ausgangslage und die Ratschläge seines Vaters, der einst über 300 Spiele für die Eispiraten absolvierte.

Das Leben von Leon Schulz ist aktuell zweigeteilt: Vormittags trainiert er in Schwenningen in einer Trainingsgruppe um den Athletiktrainer der Wild Wings, nachmittags unterstützt er seinen Vater Karsten Schulz, der zwischen 1998 und 2004 ebenfalls für die Eispiraten Crimmitschau spielte, in dessen Farbenladen.

Unter Druck

Spätestens mit dem Trainingsstart im August wird sich der 22-Jährige allerdings komplett aufs Eishockey konzentrieren, denn er hat etwas zu beweisen. Die Eispiraten Crimmitschau haben ihm einen bis zum 31. Oktober gültigen Tryout-Vertrag gegeben – Schulz spielt also sozusagen auf Probezeit.

„Gerade wenn man aus der Oberliga in die DEL2 geht, ist das nicht so ungewöhnlich. Das Team muss auch erstmal sehen, ob ich auf diesem Niveau mithalten kann. Klar ist da ein Stück weit ein Druck, aber ich sehe das für mich als Chance. Jetzt habe ich eine Chance bekommen und die muss ich jetzt nutzen. Das liegt an mir selbst, mich darauf gut vorzubereiten und gute Leistungen zu zeigen“ , sagt Schulz und ergänzt:  „Ich muss hart arbeiten und mir dort alles verdienen. Aber das ist normal als junger Spieler.“

Ratschläge vom Vater

Nun könnte man meinen, dass der Fakt, dass Schulz´ Vater in Westsachsen einst Kultstatus erlangte, den Druckfaktor noch einmal signifikant vergrößert, doch von dieser Gleichung möchte der neue Eispiraten-Verteidiger nichts wissen. Er betont: „Mein Berater ist er nicht, aber er versucht mir immer Tipps zu geben, auch mit dem Training, wie er es früher gemacht hat. Klar, da hat sich viel geändert, aber er hat viel erlebt, war lange Profi. Er hat immer einen guten Rat und weiß, wie er mit mir umgehen muss, weil er alles selbst erlebt hat. Er weiß zum Beispiel, wie es ist, wenn man ein nicht so gutes Spiel hat. Deswegen kann er einem sehr gut helfen.“

Lehrjahr in Hamm

Gute Ratschläge vom Vater gab es auch 2025 als Schulz von den Bietigheim Steelers, mit denen er Oberliga-Meister wurde, zu den Hammer Eisbären wechselte. Weil Schulz in Hamm eine größere Rolle und mehr Eiszeit bekam, bewertet er diesen Wechsel im Nachhinein als Schritt in die richtige Richtung: „Mein Vater hat direkt gesagt, dass das kein Rückschritt ist. Wenn ich viel mehr spiele, was ich getan habe, kann ich mich viel besser entwickeln.“

Für ihn, der ähnlich wie Lindau-Neuzugang Sandro Mayr als „puck-moving defense man“, also als passstarker Verteidiger, der das Spiel antreibt, gilt, ist die Entscheidungsfindung ein besonders wichtiges Element. Wer spielerische Qualitäten hat, neigt nämlich auch schnell dazu, diese zu stark forcieren zu wollen und den einfachen, aber nicht allzu selten richtigen Befreiungsschlag über die Scheibe zu verweigern. „Solche Dinge kommen mit der Erfahrung“, meint Schulz. „Es geht darum, in kniffligen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dafür war mein letztes Jahr sehr wichtig. In Hamm habe ich in Situationen gespielt, in denen man den Sack zumachen muss. Klar spielt man dann anders, wenn man kein Tor mehr schießen muss, sondern einfach nur die Führung verwalten muss. Das Jahr in Hamm hat mir auch dafür viel geholfen.“

Der erste Titel

Doch auch seine Saison in Bietigheim wird Schulz in guter Erinnerung behalten, schließlich ist eine Meisterschaft für einen Eishockeyspieler niemals Normalität. Na gut, außer er spielt bei den Eisbären Berlin. Trotz nicht allzu großer Eiszeit meint Schulz: „Das ist natürlich etwas sehr Besonderes für mich. In den Jahren zuvor waren wir in Schwenningen immer ein gutes Team, aber es hat nie gereicht, um einen Titel zu gewinnen. Im ersten Profijahr war das schon schön, so eine Erfahrung zu machen und direkt einen Titel zu gewinnen. Das hat einem auch persönlich viel geholfen. Wir hatten ein gutes Team mit vielen Führungsspielern. Gerade wenn man jung ist, hilft einem das brutal, um den nächsten Schritt gehen zu können. Man kann sehr viel lernen, deswegen war das schon eine schöne und lehrreiche Saison für mich.“

Der Wechsel nach Crimmitschau

Den Sprung in die zweite Liga macht Leon Schulz – wie einst sein Vater – nun aber bei den Eispiraten Crimmitschau. Der 22-Jährige wurde zwar in Werdau geboren, aufgrund des Wechsels seines Vaters nach Schwenningen war er allerdings erst „ein oder zweimal“ in Crimmitschau. Umso überzeugender seien die Aussagen der Eltern gewesen: „Von meinen Eltern habe ich immer nur Positives aus Crimmitschau gehört: Dass alles sehr familiär ist, dass es ein altes, klassisches Stadion ist und die Stimmung immer brutal gut sein soll. Deswegen ist mir die Entscheidung relativ einfach gefallen.“

Das Defensivgerüst steht

Damit der Wechsel auch sportlich zum Erfolg wird, muss Schulz nicht nur seine Qualitäten mit Puck am Schläger zeigen, sondern auch defensiv überzeugen. Entsprechend möchte er sich auch über die harte Arbeit und das Verteidigen definieren. Das Gute aus seiner Sicht ist, dass die Eispiraten in der vergangenen Saison eine ordentliche Defensive stellten – 153 Gegentore waren der siebtbeste Wert der Liga – und dass diese Defensive in großen Teilen bestehen bleibt. Finn Fuchs, der zum Ende der vergangenen Saison aus Österreich geliehen wurde: Bleibt. Adam McCormick: Bleibt. Ole Olleff: Bleibt. Felix Thomas: Bleibt. Und auch Mirko Sacher wird weiterhin in Westsachsen aufs Eis gehen. Hinzu kommen wird Emil Quass von der Düsseldorfer EG.

„Ich finde den Mix aus erfahrenen Spielern und jüngeren Spielern ganz gut. Die erfahrenen Spieler nehmen die jüngeren Spieler ein Stück weit an die Hand“, blickt Schulz voraus. „Mirko Sacher macht auch hier in Schwenningen die Vorbereitung. Er hat brutal viel Qualität. Ich bin zuversichtlich und glaube, dass Crimmitschau einen guten Mix zusammengestellt hat.“  Vielleicht ist Crimmitschau also genau der richtige Ort für Leon Schulz – auch unabhängig von der besonderen Geschichte seines Vaters mit dem Verein.

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