Julian Straub vom EV Füssen: Der Spieler, der im Alter von 22 Jahren zum Kapitän ernannt wurde

Julian Straub EV Füssen

Julian Straub freut sich über die im Saisonverlauf hinzugewonnene defensive Stabilität seiner Mannschaft. Foto: Kevin Eimertenbrink

Julian Straub verbrachte bisher nahezu seine gesamte Karriere bei seinem Heimatverein EV Füssen. Der 24-Jährige spricht im Interview mit „Logbuch Sport“ über seine Verbindung zum Verein, die Spielweise von Trainer Daniel Jun und erklärt, warum es als Kapitän nicht nur auf das Alter ankommt.

Hinweis: Dieses Interview wurde unmittelbar vor der offiziellen Vertragsverlängerung von Julian Straub geführt und nach der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung leicht angepasst.

Herr Straub, mit welchem Gefühl blicken Sie auf die abgelaufene Saison zurück?

Julian Straub: Der Saisonstart hat uns am Ende leider ein Stück weit die Platzierung gekostet, und das ärgert mich schon. Trotzdem können wir stolz auf das sein, was wir gerade in der Schlussphase der Saison geleistet haben. Die Mannschaft hat sich stark entwickelt und bis zum Ende alles investiert.

Sie sind mit dem niedrigsten Etat der Liga und mit einem neuen Trainer (Daniel Jun) in die Oberliga-Saison gestartet. Ist es bei diesen Voraussetzungen ein Stück weit normal, dass die Dinge nicht direkt ineinandergreifen?

Julian Straub: Ja, ich denke schon, dass so etwas Zeit braucht. Mit einem neuen Trainer, neuen Abläufen und einer jungen Mannschaft muss sich vieles erst finden. Es ist normal, dass nicht vom ersten Tag an alles perfekt zusammenpasst.

Coach Daniel Jun möchte aktives Eishockey mit viel Scheibenkontrolle sehen. Inwieweit passt das überhaupt zu einem Underdog-Verein wie dem EV Füssen, der finanziell wie bereits erwähnt mit den Topteams nicht mithalten kann?

Julian Straub: Ich denke, dass das grundsätzlich schon zu uns passen kann. Daniel hat in der vergangenen Saison vor allem sehr intensiv mit uns in der Defensivzone gearbeitet. Jetzt wird man sehen, wie er die nächsten Schritte mit uns angehen will. Ich bin überzeugt, dass er uns das vermitteln kann und dass wir uns in diesem Bereich weiterentwickeln werden.

Welche Maßnahmen führten zu der Entwicklung, die bei Ihrer Mannschaft während der Saison insbesondere defensiv sichtbar war?

Julian Straub: Wir haben täglich daran gearbeitet und immer wieder an den Details gefeilt. Irgendwann hat es dann klick gemacht, und wir konnten viele Fehler im Spiel abstellen. Gerade defensiv sind wir dadurch deutlich stabiler geworden.

Ihre persönliche Stürmerbilanz: 19 Tore und 32 Assists. Zum vierten Mal in Folge erzielten Sie also 50 Scorerpunkte oder mehr. Wie fällt Ihr persönliches Saisonfazit aus?

Julian Straub: Natürlich ist es schön, wieder auf diese Punktzahl gekommen zu sein. Trotzdem hätte ich der Mannschaft gerne noch mehr mit Toren und Assists geholfen. Ich habe in dieser Saison etwas länger gebraucht, um richtig in Fahrt zu kommen. Genau daran will ich im Sommer arbeiten, damit ich in der kommenden Saison wieder voll angreifen kann.

Bis auf zwei Saisons spielten Sie durchgängig für den EV Füssen. Nun haben Sie Ihren Vertrag verlängert. Können Sie sich überhaupt vorstellen, noch einmal für einen anderen Verein aufzulaufen?

Julian Straub: Im Eishockey weiß man nie, was passiert. Aber aktuell fühle ich mich in Füssen sehr wohl und habe derzeit nicht vor, etwas zu verändern.

Wie würden Sie die DNA des EV Füssen beschreiben und was bedeutet Ihnen der Verein ganz persönlich?

Julian Straub: In der Mannschaft zeichnet uns vor allem eine starke Kameradschaft und ein guter Zusammenhalt aus. Nach außen wollen wir unangenehmes Eishockey spielen und es dem Gegner so schwer wie möglich machen. Mir persönlich bedeutet der Verein sehr viel, weil ich hier groß geworden bin und eine enge Verbindung zum EV Füssen habe.

Von Januar 2020 bis September 2021 absolvierten Sie aufgrund von Verletzungen kein einziges Spiel. Inwiefern hat Sie diese Zeit geprägt?

Julian Straub: Das war eine sehr schwere Zeit für mich, sowohl sportlich als auch persönlich. Gerade in jungen Jahren in der man eigentlich wichtige Schritte in der Entwicklung machen möchte, nur zuschauen zu können, ist nicht leicht. Teilweise spüre ich die Folgen davon auch heute noch. Umso wichtiger war es für mich, mich Schritt für Schritt zurückzukämpfen. Diese Zeit hat mich auf jeden Fall geprägt.

Im Alter von 22 Jahren wurden Sie zum Kapitän ernannt. Wie genau kam es damals dazu, dass man Ihnen diese Verantwortung übertragen hat?

Julian Straub: Ganz genau kann ich das selbst gar nicht sagen. Am Ende war das eine Entscheidung des Trainers. Für mich war es auf jeden Fall eine große Ehre, diese Verantwortung übertragen zu bekommen.

Sollte nicht eine gewisse Erfahrung für das Kapitänsamt eine Grundvoraussetzung sein?

Julian Straub: Erfahrung ist definitiv wichtig. Ich glaube aber, dass ich andere Dinge mitbringen konnte, um das ein Stück weit auszugleichen. Am Ende geht es nicht nur um Alter oder Erfahrung, sondern auch darum, wie man in der Mannschaft auftritt und Verantwortung übernimmt.

Welche Qualitäten bringen Sie für dieses Amt mit?

Julian Straub: Ich denke immer im Sinne der Mannschaft und versuche, jederzeit hinter dem Team zu stehen. Mir ist wichtig, Verantwortung zu übernehmen und sowohl auf als auch neben dem Eis für die Mannschaft da zu sein.

Wie haben Sie die Entscheidung des EVF aufgenommen, dass der 20-jährige Verteidiger Henry Homann seinen Vertrag verlängert hat?

Julian Straub: Mich freut es sehr, dass Henry weiter für uns spielt. Er hat in dieser Saison einen enormen Sprung gemacht, viel Vertrauen vom Trainer bekommen und dieses Vertrauen auch absolut zurückgezahlt. Dazu ist er ein super Typ, der in der Kabine sehr geschätzt wird.

Auf welche taktischen und personellen Aspekte wird es für den EV Füssen ankommen, um eine gute Saison 2026/27 zu spielen?

Julian Straub: Das ist in erster Linie eine Frage, die der Trainer oder der Manager besser beantworten kann. Ich vertraue aber beiden voll und ganz, dass sie eine gute Mannschaft zusammenstellen werden. Wenn wir dann als Team wieder geschlossen auftreten und vom Trainer den nötigen taktischen Feinschliff bekommen, können wir eine gute Saison spielen.

Das Interview führte Lukas Bergmann.

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