Familie, Finanzen, schmerzhafte Playoff-Lehren: Landon Gare vom EC Peiting im Interview
Landon „Lanny“ Gare freut sich bereits auf den Sommer mit seiner Familie. Foto: Holger Wieland
Seit Landon „Lanny“ Gare im Dezember vergangenen Jahres den EC Peiting übernommen hat, zeigte die Leistungskurve bei den Oberbayern nach oben. Umso tiefer wiegt der Frust über das frühe Ausscheiden in den Playoffs gegen die Hannover Indians, wie Gare im Interview anzumerken ist.
Als wir Landon „Lanny“ Gare erreichen, sitzt er im Auto. Dreieinhalb Stunden braucht der Kanadier von Peiting nach Selb, wo er sieben Jahre als Spieler und drei Jahre als Co-Trainer der Selber Wölfe verbrachte und wo seine Frau und seine Kinder weiterhin leben. Im Gespräch blickt er auf den ganz normalen Wahnsinn am Ende einer jeden Saison zurück, erzählt über seinen Schritt von Assistenztrainer zum Cheftrainer und erklärt, wieso der Druck im „gallischen Dorf“ nicht zwingend kleiner ist, als bei Vereinen mit größeren Erwartungen.
Herr Gare, wie blicken Sie mit einigen Tagen Abstand auf die Playoff-Serie gegen die Hannover Indians zurück?
Landon Gare: Es ist immer noch schwer. Die Jungs hatten sich mindestens ein viertes Spiel verdient. Das erste Spiel war eine Katastrophe, danach haben wir aber besser in die Serie gefunden. Nach dem ersten Tor im zweiten Spiel waren wir die bessere Mannschaft in den nächsten fünf Dritteln. Die Chancen waren da. Ich bin enttäuscht. Für meine Spieler tut es mir weh.
Im dritten Spiel am vergangenen Freitag glich ihre Mannschaft dreimal nach einem Rückstand aus. Mangelnden Kampfgeist kann man Ihrem Team wirklich nicht vorwerfen.
Landon Gare: Wie Sie sagen, der Kampfgeist war da. Wir haben nach jedem Gegentor reagiert. Im ersten Spiel war das Problem, dass wir das Spiel in vier Minuten verloren haben. Wir haben das nicht akzeptiert. In den anderen beiden Spielen waren wir mental stärker.
Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sprachen Sie davon, dass Justin Maylan mit einem Arm gespielt habe und Marcus Getz mit zwei gebrochenen Rippen. Wie geht es den beiden?
Landon Gare: Das passiert oft in den letzten Saisonspielen, dass Spieler verletzt spielen. Unser Kapitän hatte sich die Nase gebrochen im ersten Spiel. Lukas Gohlke hatte einen kaputten Rücken. Aber das ist Teil der Kultur, das jeder für die Mannschaft durch den Schmerz spielt. Ich habe nur Respekt für meine Spieler.
Wie schwer fällt es, solche angeschlagenen Spieler aufs Eis zu schicken oder kam der Impuls dafür von den Spielern selbst?
Landon Gare: Es gab keinen Druck von meiner Seite aus. Sie wollten das selbst. Man muss bedenken, dass wir in unserem Sport sieben oder acht Monate für die Playoffs arbeiten. Marco Habermann hatte eine Gehirnerschütterung, das ist etwas anderes. Er hat eine Familie. Aus Respekt für seine Familie und für seine langfristige Gesundheit hat er nicht gespielt.
Trotz angeschlagener Spieler waren Sie ja sehr nahe dran, zumindest die Serie noch zu verlängern. Was hat gefehlt?
Landon Gare: Wir haben in drei Spielen kein Überzahltor erzielt. Wir haben aber auch nicht viele Überzahlsituationen gehabt, außer im zweiten Spiel, als wir eine Fünf-Minuten-Strafe nicht nutzen konnten. Das war dann auch Thema für das dritte Spiel, allerdings haben wir dann keine einzige Überzahlsituation bekommen. Insgesamt war es nur eine in zwei Spielen in Hannover. Das war der Unterschied in der Serie. Hannover hat zwei Tore in Überzahl gemacht.
Am 11. Dezember vergangenen Jahres gab der EC Peiting bekannt, dass sie das Traineramt übernehmen werden. Zuvor waren Sie bei den Selber Wölfen Assistenz-Trainer. War die Umstellung vom Assistenten zum Hauptübungsleiter für Sie eine große?
Landon Gare: In meiner Zeit als Assistenztrainer war es so, dass ich meine Meinung geben konnte, aber am Ende entschied der Cheftrainer. Hier kann ich alles bestimmen: Aufstellung, Trainingsplan, Formationen. In anderen Vereinen gibt es dafür zwei oder drei Trainer. Das ist aber kein Problem für mich. Ich habe viel Erfahrung im Eishockey. Das hier ist ein kleinerer Verein. Der Etat ist nicht so groß. Mir war das aber egal, weil ich dankbar für die Gelegenheit war, Cheftrainer zu werden. Nachdem wir dann die Playoffs erreicht hatten, dachte ich mir: Super, aber es gibt immer noch etwas zu tun. Der Vorstand war glücklich und ich denke trotzdem, dass es eine erfolgreiche Saison war, aber eigentlich war ich noch nicht fertig. Aber natürlich dürfen wir nicht vergessen, was wir für ein Verein sind.
Der Punkteschnitt des ECP verbesserte sich unter Ihnen von 1,04 auf 1,54. In der Tabelle kletterte die Mannschaft von Rang zehn auf Rang sieben. Was haben Sie konkret verändert?
Landon Gare: Von den ersten Tagen an haben wir immer über Verantwortung gesprochen. Ich will den Spielern vertrauen, aber auch, dass sie mir vertrauen, Außerdem war Kommunikation sehr wichtig. Ich hatte mit jedem Spieler ein Einzelmeeting. Dann schaust du dir an, was du für eine Mannschaft hast. Was sind die Stärken und was sind die Schwächen? Nach ein paar Wochen hast du dann eine bessere Idee. Wir sind zum Beispiel in Überzahl besser geworden. Du musst schauen, was du für Spieler hast und auf welchen Positionen sie sich wohlfühlen.
Sie haben jüngst in einem Gespräch mit dem „Münchner Merkur“ den besonderen Zusammenhalt in Peiting betont. Woher kommt dieser Zusammenhalt?
Landon Gare: Es gibt ein Gemeinschafts- und ein Nachbarschaftsgefühl. Ich habe mich vom ersten Tag an willkommen gefühlt. Die Betreuer, der ganze Staff, der Physiotherapeut: Jeder will will uns helfen. Es hat sich direkt wie eine große Familie angefühlt.
Es ist kein Geheimnis, dass die finanzielle Situation des EC Peiting alles andere als einfach ist. Welche Auswirkungen hat das auf die Kaderplanung?
Landon Gare: Zusammen mit Gordon (Borberg, Team-Manager des EC Peiting, Anm. der Red.) denke ich über die Vertragsspieler nach: Wen wollen wir? Was wollen wir besser machen? Wo gibt es ein Geheimnis? Jeder Euro ist so wichtig. Das war auch ein Problem in der ersten Playoff-Runde. Wir hatten nur ein Heimspiel. Ein zweites Heimspiel wäre finanziell sehr wichtig gewesen. Auch weil die Zuschauerzahlen in dieser Saison nicht so gut waren. In den nächsten Wochen wird sich der Vorstand wahrscheinlich zusammensetzen und sich einen besseren Überblick über die Finanzen verschaffen. Dann haben wir eine bessere Idee davon zum Beispiel, wie der Etat für die neue Saison sein wird.
Kann diese, sich daraus ergebende Underdog-Rolle auch eine Stärke sein?
Landon Gare: Gegen Hannover waren wir zu 100 Prozent der Underdog. Wenn wir das zweite oder dritte Spiel gewonnen hätten, hätte eine Menge Druck auf ihnen gelastet. Als Peiting konnten wir mit „House Money“ spielen (diese Redewendung bezieht sich darauf, dass Peiting mit dem Erreichen der Playoffs bereits gewonnen hatte, und in den Playoffs daher ein größeres Risiko eingehen konnte; Anm. der Red.). Wir hatten nicht viel Druck. Der Druck liegt jetzt aber bei Gordon und mir, dass wir die richtigen Spieler mit dem richtigen Charakter verpflichten. Andere Mannschaften können vor den Playoffs einfach kurzfristig neue Spieler kaufen. Bei uns muss jeder Spieler sitzen.
Apropos jeder Spieler muss sitzen: Goalie Tommi Steffen sowie die Verteidiger Daniel Holzmann und Simon Mayr werden auch in der kommenden Saison für den EC Peiting auflaufen. Welche Bedeutung haben diese Spieler?
Landon Gare: Wenn du ein gutes Team aufbauen willst, beginnst du immer mit dem Torhüter und machst mit den Verteidigern weiter. Holzi und Simon sind erfahren, sie können offensiv, defensiv und schlittschuhläuferisch alles machen. Tommi ist immer bereit sich zu verbessern.
Erwarten Sie, nun da Sie eine gemeinsame Saisonvorbereitung mit Ihrem Team absolvieren können, dass Ihre Mannschaft in der kommenden Saison Ihre Vorstellungen noch besser umsetzen kann?
Landon Gare: Zu 100 Prozent. Wir müssen vom ersten Tag an die Messlatte hochlegen. Vom ersten Tag an will ich diese Konstanz haben: In den Spielen, im Training, im Kraftraum. Es geht um Verantwortung. Die Spieler müssen meine Erwartungen vom ersten Tag an kennen. Das macht es dann einfacher für jeden.
Sie scheinen bereits wieder sehr motiviert zu sein, aber jetzt schalten Sie doch erst einmal ab. Sie haben eine Frau und Kinder. Wie werden Sie den Sommer verbringen?
Landon Gare: Ja, jetzt kommt die Familien-Zeit. Meine Kinder sind schon sehr beschäftigt mit Eishockey. Mein Sohn macht auch Baseball, Fußball und Golf. Meine Tochter ist bei der Leichtathletik. Familie ist so wichtig. Das weiß jeder.
Das Interview führte Lukas Bergmann.
Landon „Lanny“ Gare wurde am 5. September 1978 in Vernon, Kanada, geboren. Als aktiver Spieler wechselte Gare 2006 zu den Lausitzer Füchsen in die DEL2. Zwischen 2008 und 2012 lief Gare für die Roten Teufel Bad Nauheim. 2011 war er der Topscorer und beste Vorlagengeber der Oberliga West. Zwischen 2013 und 2015 war der Center dann für die Löwen Frankfurt aktiv, mit denen er 2014 in die DEL2 aufstieg. Seine Spielerkarriere beendete Gare nach sieben Saisons bei den Selber Wölfen im stolzen Alter von 43 Jahren. Nach seiner Spielerkarriere war der Kanadier zwischen 2022 und 2025 als Assistenztrainer der Selber Wölfe tätig. Am 11. Dezember 2025 gab der EC Peiting die Verpflichtung von Landon Gare als neuem Cheftrainer bekannt.
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