Von Verein bis Team, von Taktik bis Trainer: Das sind die „neuen“ Heilbronner Falken
Nach einigen schwierigen Monaten blicken Malte Krenzlin und Co. wieder positiv in die Zukunft. Foto: Webrandyou GmbH / Heilbronner EC Falken
Trotz zwischenzeitlicher Insolvenz starten die Heilbronner Falken am Freitag (20 Uhr) beim Deggendorfer SC in die neue Oberliga-Saison. Gemeinsam mit Verteidiger Malte Krenzlin blicken wir auf die „neuen“ Heilbronner Falken: vom Verein über das Team bis hin zu Trainer und Taktik.
Die Heilbronner Falken hatten sich das Ende der vergangenen Saison ganz anders vorgestellt. Im Januar meldete der Verein Insolvenz an und wurde am Ende der Hauptrunde auf Platz elf gesetzt und von den Playoffs ausgeschlossen. Acht Spieler verließen den Verein vorzeitig. Mit Leon Fern (Memmingen Indians) und Nolan Ritchie (Bietigheim Steelers) spielen zwei dieser acht Spieler in der kommenden Saison übrigens in der DEL2.
Malte Krenzlin hat die vergangene Saison der Heilbronner Falken miterlebt. Für den 23-jährigen Verteidiger war insbesondere die Schlussphase der Saison – damals stand bereits fest, dass der Verein nicht an den Playoffs teilnehmen würde – schwierig: „Die letzten zwei, drei Wochen waren mental nicht einfach. Man kämpft die ganze Saison. Man trainiert für das Ziel, Playoffs zu spielen und jedes Spiel zu gewinnen. Das ist der Grund, wieso man so hart arbeitet. Dass man dann nicht mitspielen darf, ist nicht einfach. Und dann sieht man, dass andere Spieler den Verein verlassen und Playoffs spielen. Ich fand gut, dass sie das konnten. Die meisten waren schon lange hier. Das sind sehr gute Freunde von mir. Natürlich habe ich die Spiele von ihnen auch geschaut, aber klar hätte man gerne gespielt.“
Aufbruchstimmung
Krenzlin hielt in der Zeit der Ungewissheit den Kontakt zu den Verantwortlichen der Heilbronner Falken. Der gebürtige Mannheimer berichtet von „lockeren Gesprächen“, verschiedene Szenarien seien besprochen worden. Die Geschichte hatte dann aber ein positives Ende: Im März wurde ein sogenannter Asset-Deal bekanntgegeben. Es wurde eine neue GmbH gegründet, die die immateriellen Vermögenswerte der HEC Eisbären, dem Stammverein der Heilbronner Falken, übernahm.
Bereits im Februar berichteten die HEC Eisbären auf ihrer Webseite von einer „Aufbruchstimmung“: „Besonders hervorzuheben ist der starke Zuspruch unserer Sponsoren und Partner, sowie die Unterstützung der Stadt Heilbronn und der Stadtwerke Heilbronn GmbH. Ein Großteil bleibt dem Standort treu, einzelne frühere Unterstützer kehren zurück, und mehrere Gönner haben angekündigt, ihr Engagement im Sinne unserer gemeinsamen Vision sogar auszubauen.“
Vertragsverlängerung
Dass Malte Krenzlin seinen Vertrag bei den Heilbronner Falken verlängert hat, wurde am 20. Mai beim ersten offiziellen Fantreffen der HEC Falken bekanntgegeben. Der 23-Jährige, der immer noch eine sehr große Verbindung zu seinem Heimatverein, den Adler Mannheim hat, und deren Spiele aufmerksam verfolgt, betont: „Ein großer Vorteil für mich in Heilbronn ist, dass meine Familie nicht weit weg ist. Man kann auch mal für einen Nachmittag hochfahren, wenn irgendwas ist, und die Familie besuchen. Vor allem aber habe ich die Abschiedszeit aus der DEL2 mitgemacht und jetzt die Insolvenz. Damals habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich mit in die Oberliga gehe, um wieder was aufzubauen und wieder mit Heilbronn aufzusteigen. Das ist eine Aufgabe, für die ich immer noch brenne. Inzwischen ist Heilbronn mein Zuhause.“
Neues aus dem Umfeld
Doch was hat sich bei den Heilbronner Falken aus seiner Sicht seit der Insolvenz verändert? „Es ist nicht so, als würde es sich jetzt nach einem komplett neuen Verein anfühlen. Das Umfeld ist relativ gleich. Die Geschäftsstelle ist gleich, die Halle ist gleich. Aber die Herangehensweise ist schon aufgefrischt worden. Es weht ein neuer Wind. Das merkt man schon“, beobachtet Krenzlin. Auch wenn dies nicht für jeden Spieler immer direkt ersichtlich sei, habe sich beispielsweise die Arbeit mit den Sponsoren und die Social Media-Arbeit des Vereins verändert.
Das stark veränderte Falken-Team
Krenzlin ist neben Franz Jokinen, Corey Mapes, Frederik Cabana, Fabian Hon und Paul Fabian übrigens einer von nur sechs Spielern aus dem neuen Falken-Kader, der bereits zum Start der vergangenen Saison in der Käthchenstadt spielte. Pascal Widmann, Kevin Dibrov und Philipp Nuss stießen während der vergangenen Saison hinzu (Nuss lediglich für zwei Spiele im Februar als Förderlizenzspieler), Jan Pavlu, Justin Scheck, Florian Mnich und Manuel Nix kehren nach Heilbronn zurück, die restlichen Spieler sind allesamt neu.
Der vermeintlich prominenteste Neuzugang ist Center Tyler Spurgeon, der von den Memmingen Indians nach Heilbronn kommt. Mit Anton Seewald hat man aber auch den zweiterfolgreichsten Torjäger der Höchstadt Alligators aus der vergangenen Saison verpflichtet. Von den HC Eppan Pirates aus der zweiten italienischen Liga wechselt der kanadische Verteidiger Curtis Roach, der in der Saison 2023/24 für den SC Riessersee sieben Tore und 24 Assists in 43 Hauptrundenspielen sammelte, nach Heilbronn und mit Thomas Gauch kommt einer der offensivstärksten Verteidger der Liga zu den Falken.
Die weiteren noch nicht erwähnten Neuzugänge sind die Importspieler Chris Schutz und Erik Nemec (beide Selber Wölfe) sowie Bernhard Ettwein (Memmingen Indians) und Leon Bauhof (Bayreuth Tigers). Krenzlin meint: „Unser neuer Kader ist gut. Dadurch, dass wir das Problem hatten, Spieler erst spät verpflichten zu können, hätte ich das nicht gedacht. Was Kai (Geschäftsführer Kai Sellers, Anm. der Red.) mit der sportlichen Führung gemacht hat, ist wirklich super. Das Team ist top, auch mit der Verpflichtung von Tyler (Spurgeon; Anm. der Red.) am Ende noch. Natürlich braucht es ein bisschen, bis sich das Team findet, aber eigentlich haben wir ein Topteam.“
Der neue Falken-Coach Jason O’Leary
Verantwortlich dafür, dass die Einzelteile zu einem funktionierenden Konstrukt werden, ist der neue Trainer Jason O’Leary, ein 48-jähriger Kanadier, der in Deutschland vor allem aus seiner Zeit bei den Iserlohn Roosters (2019 bis 2021) bekannt ist. „Er ist ein sehr guter Trainer, der schon viele Mannschaften betreut und viel Eishockey gesehen hat“, sagt Krenzlin. „Menschlich passt er sehr gut rein und Eishockey-technisch ist er auch sehr gut.“ Unter O’Leary wollen die Falken ein Team sein, das anpassungsfähig ist und sowohl tief verteidigen und auf Konter lauern als auch aggressives Forechecking betreiben kann.
Ein neues Verteidigerduo
Außerdem setzt O’Leary offenbar auf eine gewisse Eingespieltheit. Während manch anderer Trainer in der Verteidigung gerne viel wechselt, soll sich bei den Falken das Verteidigerpaar Krenzlin-Ettwein einspielen. Es ist ein spannendes Duo mit zwei Zwei-Wege-Verteidigern, wobei Krenzlin Ettwein als den etwas defensiveren Part bezeichnet. Der Fokus dieses Duos liegt tendenziell eher auf der Defensive, wenngleich natürlich auch von jedem Verteidiger offensive Akzente eingefordert werde, wie Krenzlin betont. Über sein Zusammenspiel mit Ettwein sagt er: „Das hat sich jetzt in der Vorbereitung ein bisschen gefunden. Jetzt haben wir, glaube ich, einen relativ guten Drive.“ Es ist ein Drive, der übrigens auch im Unterzahlspiel von Bedeutung sein wird.
Schwere Aufgaben, viel Selbstvertrauen
In den Testspielen gab es drei Siege und zwei Niederlagen. Heraussticht ein 3:0-Erfolg gegen die Bietigheim Steelers, gegen Stuttgart und Duisburg gab es je einen Sieg und eine Niederlage. Krenzlin ist selbstbewusst: „Letztes Jahr war das Ziel die Meisterschaft. Dieses Jahr erwartet von uns keiner, dass wir jedes Team schlagen. Ich bin aber der Meinung, dass wir das können. Wir können jedes Team schlagen.“ Das offizielle Ziel sind die Pre-Playoffs. Krenzlin ergänzt: „Ich bin der Meinung, wir schaffen mehr, aber das wird sich zeigen.“ Am Freitag (20 Uhr) sind die Falken beim Deggendorfer SC zu Gast, zur Heimpremiere am Sonntag (15 Uhr) reist der Absteiger und Aufstiegsfavorit ESV Kaufbeuren nach Heilbronn. Krenzlin, der mittlerweile auch damit angefangen hat, im Sommer Inlinehockey zu spielen, meint: „Das ist ein sehr hartes Programm für den Start. Das ist eine Standortbestimmung für uns.“
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