Neuer Name, Oberliga-Plan und Standortwechsel: Mario Kleber erklärt die Neuausrichtung der HC Tigers

Mario Kleber HC Tigers

Vorstandsmitglied Mario Kleber (Mitte) ist „Feuer und Flamme“ für seinen Verein. Foto: HC Tigers

Der Verein wurde auf einem eingefrorenen Fußballplatz gegründet, spielte jahrelang in einer Arena, die aussieht wie ein Meteoritenkrater – und steht nun vor dem Wechsel aus der Alps Hockey League in die deutsche Oberliga Süd. Was steckt hinter der Neuausrichtung der HC Tigers aus Vorarlberg?

Ein Fußballplatz als Heimat: Als der EHC Bregenzerwald 1985 als Hobbymannschaft in Andelsbuch gegründet wurde, half die Feuerwehr dem Verein dabei, den Rasen  zur Eishockeyfläche zu verwandeln. 1993 zog der Verein aus Andelsbuch in das zehn Kilometer entfernte und nur unwesentlich größere Alberschwende, wo er in einer sehenswerten Freiluftarena, die ein wenig nach einem Krater nach einem Meteoriteneinschlag aussieht, spielte. Dort gelang dem EHC Bregenzerwald 2001 der Aufstieg in die Nationalliga. Seitdem ist der 2016 in EC Bregenzerwald umbenannte Verein durchgängig in der zweithöchsten Österreichischen Spielklasse vertreten.

Feuer und Flamme für das Team vom Eishockey-Krater

Als 2012 die Kühlanlage der Arena zerstört wurde und die Gemeinde befand, dass das Stadion ohnehin nicht mehr zeitgemäß sei und abgerissen werden müsse, folgte der Wechsel in die Messehalle Dornbirn. Zunächst war dies als vorübergehender Schritt gedacht, denn Verein hoffte, irgendwann eine eigene Halle zu haben. 2013 gewannen die Vorarlberger dann erstmals die Inter-National-League, die Nachfolgeliga der Nationalliga. Diesen Triumph wiederholte der Verein 2016. Damals kam auch Mario Kleber so richtig zum Klub, als er die Halbfinal-Serie des EHC Bregenzerwald gegen VEU Feldkirch anschaute. Zuvor war er in der Lehre gewesen und sah sich nur ab und zu ein Spiel der Mannschaft, die von seinem Onkel mitgegründet wurde, an.

Weil die heimische Messehalle in Dornbirn nicht mehr nutzbar war, absolvierte Bregenzerwald auch das Heimspiel dieser Serie in Feldkirch. „Wir haben es geschafft, die Halle dort trotzdem fast auszuverkaufen. Das war eindrücklich. Ich war von da an Feuer und Flamme“, erinnert sich Kleber. Er wurde daraufhin Ordner bei seinem neuen Herzensverein, kam über diese Schiene dazu, die Pressearbeit des Vereins zu übernehmen und ist mittlerweile sogar im Vorstand. Er ist derjenige, den der Verein vorschickt, um die Geschichten zu erzählen. Und er macht das spürbar gerne.

Entfremdung mit der Alps Hockey League

Nicht nur wegen des Finalerfolgs war 2016 ein einschneidendes Jahr für den EHC Bregenzerwald. Die Inter-National-League wurde zur Saison 2016/17 um italienische Mannschaften erweitert und in Alps Hockey League umbenannt. Zur Saison 2017/18 kam mit HK Olimpija Ljubljana eine slowenische Mannschaft dazu. 2023 folgte mit Celje das nächste slowenische Team, ehe 2024 mit KHL Sisak ein Team aus Kroatien der Liga beitrat. Bereits 2022 verließ hingegen Feldkirch die Alps Hockey League, weil der Standort mit den neugegründeten Vorarlberg Pioneers ein Team in der ICE Hockey League bekam.

„Der Unterschied zur Oberliga sind die Aufwände, die wir in der Alps Hockey League haben. Wir sind mit Abstand der westlichste Verein in dieser Liga, bei uns gibt es keine Fahrt, die unter unter drei Stunden dauert. Das ist dann eigentlich schon ein Derby. Das ist für unsere Vereinsgröße einfach zu viel“, erläutert Kleber und erinnert sich wehmütig an Derbies gegen Lustenau und Feldkirch zurück. Für eine Mannschaft, die größtenteils aus Schülern und zu etwa 20 Prozent aus Berufstätigen bestehe, sei der Aufwand zu groß geworden. Man fühle sich „überhaupt nicht mehr wohl“ in der Alps Hockey League. 

Die Oberliga Süd als Perspektive

Deswegen entschloss der Verein sich dazu, einen Wechsel in die deutsche Oberliga Süd zu beantragen. Aktuell arbeitet der Klub mit dem anfangs skeptischen Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) daran, letzte Details zu klären. Eine Rückmeldung vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) wird bereits in den kommenden Tagen erwartet.

Das Feedback auf den geplanten Wechsel sei jedenfalls positiv gewesen, so Kleber: „Die Fans, die ganz eng am Verein dran sind, sagen: Hey, wunderbar! Für sie wäre es supertoll, wenn sie nur noch eine Stunde oder weniger zu Auswärtsspielen reisen müssten. Die Sponsoren sind meist eh mehr im Süddeutschen Raum als in Kroatien vertreten. Da kriegen wir positive Resonanz. Die Spieler sind weite Auswärtsfahrten gewöhnt. Sie hatten auf diesen Fahrten eine tolle Zeit. Wir sind aber an einem Punkt angekommen, wo das Überhand genommen hat und wo sich die Spieler, zu oft freinehmen mussten.“ Sogar ein ehemaliger Pioneers-Spieler soll sich ihm zufolge gemeldet und sein Interesse an eine Rückkehr aus dem Karriereende in Aussicht gestellt, sollte der Verein in die Oberliga wechseln. Kleber bilanziert: „Die Oberliga wäre für uns ein nächster Schritt und ein Aufstieg.“

Vorarlberger Eishockey-Niedergang

Bei aller Positivität macht der Tigers-Pressesprecher auch klar: „Aus einer gesamtvorarlberger Perspektive heraus, gibt es eher ein Niedergang des Eishockeys.“ Der EHC Lustenau zog sich 2024 aus der Alps Hockey League zurück und spielt seither in der drittklassigen Ö Eishockey Liga. Laut Kleber war diese Liga für die HC Tigers keine Option: „Ein Umzug in die dritte Liga war das kein Thema. Ohne böse sein zu wollen: Das ist Bierliga-Niveau.“

Aktuell gilt die Zukunft der Vorarlberg Pioneers in der ICE Hockey League als ungewiss. Die Dornbirn Bulldogs zogen sich bereits 2022 nach zehn Jahren aus der ICE Hockey League zurück und konzentrieren sich nun auf den Amateurbereich und die Jugendarbeit. Kleber betont, dass der EC Bregenzerwald 2012 „sehr wohlwollend“ von der Stadt Dornbirn aufgenommen worden sei. „Aber uns wurde von Anfang an klar gemacht, dass wir Gäste sind.“ Somit musste der Verein auch die entsprechenden Gäste-Eismieten zahlen und bekam die engen Gästekabinen. Erst mit dem Bulldogs-Rückzug wechselten die Andelsbucher in die größeren Umkleiden. Nach wie vor sind die Bandenwerbemöglichkeiten zwischen den Tigers und dem Dornbirner EC, dem Mutterverein der Bulldogs, allerdings 50:50 verteilt. 

Eine „neue“ Heimat und ein neuer Name

Aufgrund dieser ganzen Gegebenheiten, so Kleber, sei der Verein zu dem Entschluss gekommen, den nächsten Schritt gehen zu müssen, um die eigene Position zu stärken und nachhaltig arbeiten zu können  – ohne die Position von anderen Vereinen zu schwächen, wie er betont. Daher beschloss der EC Bregenzerwald jüngst, den Sitz des Vereins von Andelsbuch nach Dornbirn zu verlegen. „Der ausschlaggebende Grund war aber, dass seit Herbst klar war, dass es mit einer eigenen Halle nichts werden würde“, erklärt Kleber. Somit bleibt die Messehalle Dornbirn die Heimspielstätte des Vereins.

Unter den Überpunkt Neuorientierung dürfte auch der neue Name des Vereins fallen. Aus dem EC Bregenzerwald werden nämlich die HC Tigers. „Wir haben eine starke Fanbasis aus dem Bregenzerwald, die Stadt selbst haben wir mit unserem bisherigen Auftreten aber nicht erreicht“, erklärt Kleber den Schritt. Gleichwohl stiegen die Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren leicht an. Kamen in der Saison 2022/23 noch 600 Besucher im Schnitt, waren es 2025/26 bereits 745.

Vom Schritt in die deutsche Oberliga Süd erhofft sich der Verein auch in diesem Bereich einen Aufschwung: „Deutsche Spieleragenten haben uns bestätigt, dass wir mit 200, 300 Gästefans rechnen können. Das wird zu einer tollen Stimmung führen, was sich wiederum über Mund-zu-Mund-Propaganda in unserer Stadt verbreiten wird“, ist sich Kleber sicher.

Zum Optimismus verdammt

In die kommende Saison werden die „Neu-Dornbirner“ laut Kleber mit einem sehr ähnlichen Kader wie in die vergangene Saison, in der der Verein Platz sieben von 13 Teams in der Alps Hockey League erreichte, gehen. Lediglich bei den Kontingentspielern zeigt man sich noch zurückhaltend. Hintergrund: In der Alps Hockey League sind maximal vier ausländische Spieler erlaubt, in der Oberliga Süd sind es nur drei. Außerdem gibt es in der Alps Hockey League ein sehr spezielles Punktesystem für Kontingentspieler.

Doch  wie wären die sportlichen Aussichten dieser ziemlich jungen Mannschaft in Deutschland überhaupt? „Es ist nicht Teil unserer Planung, direkt im Finale zu spielen“, meint Kleber. „Das Ziel ist ganz klar, dass wir nicht abgeschossen werden, dass wir konkurrenzfähig sind. Wir wollen konkurrenzfähig sein, nicht abgeschossen werden und uns dann vielleicht sogar für die Playoffs qualifizieren.“ Mit schnellem und attraktivem Eishockey und „sehr viel Biss“ will man auftreten. Wenn man denn überhaupt mitspielen darf. Auch in diesem Punkt sind sie positiv gestimmt in Vorarlberg: „Wir sind allgemeine Optimisten aufgrund unserer Geschichte.“

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