HC Tigers-Trainer Märt Eerme im Interview: „Wenn wir das machen, dann wird es gut“
Der Este Märt Eerme geht in seine dritte Saison als Trainer der HC Tigers. Foto: HC Tigers
Die HC Tigers starten am Freitag (19.30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die Selber Wölfe in ihre erste Oberliga-Saison. Trainer Märt Eerme spricht im Interview mit „Logbuch Sport“ über seine Herangehensweise und einen Testspielsieg, der beinahe wie eine Meisterschaft gefeiert wurde.
Herr Eerme, am Freitag um 19.30 Uhr eröffnen die HC Tigers ihre Saison mit einem Heimspiel gegen die Selber Wölfe. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den Saisonstart?
Märt Eerme: Vorfreude ist ein gutes Wort. Die Mannschaften gegen die wir spielen, bringen eine Menge Auswärtsfans mit, gleichzeitig haben wir einige neue Spieler in unserem Lineup. Wir sind gespannt darauf, was die Saison für uns bereithalten wird.
Sie gelten als sehr moderner, analytischer Trainer. Wie kann man sich Ihre Spielvorbereitung vorstellen?
Märt Eerme: Wir wollen uns Spiel für Spiel verbessern und uns auf unsere eigenen Dinge konzentrieren. Gleichzeitig wollen wir aber auch berücksichtigen, was der Gegner mitbringt. Gibt es da noch etwas, das wir prüfen, anpassen und optimieren müssen? Solche Aspekte müssen wir berücksichtigen. Größtenteils konzentrieren wir uns aber auf uns selbst, um unser Spiel und unsere Fähigkeiten zu verbessern. Spiel für Spiel. Woche für Woche.
Die Selber Wölfe haben mit personellen Problemen zu kämpfen. Lukas Valasek fehlt für mehrere Monate. Auch Simon Boyko, Niko Lahtinen und Philip Ziesche fehlen zum Saisonstart. Immerhin Daniel Weiß und Philip Rubin könnten zurückkehren. Inwiefern beeinflusst das Ihre Herangehensweise?
Märt Eerme: Das beeinflusst sie nicht wirklich. Wie gesagt, liegt unser Fokus darauf, uns selbst zu verbessern. Wir sind das jüngste Team der Liga. Wenn wir uns darauf konzentrieren, dass jeder Spieler und unser Team als Gesamtes besser wird, dann machen wir einen guten Job. Das ist die Hauptsache.
Für die HC Tigers wird es insbesondere in der ersten Oberligasaison nicht nur darum gehen, Spiele zu gewinnen, sondern die junge Mannschaft weiterzuentwickeln. Wie viel Zeit geben Sie jungen Spielern, Fehler zu machen?
Märt Eerme: Eishockey ist sowieso ein Spiel der Fehler. Wie sehr kannst du sie überhaupt vermeiden? Es muss eine Balance geben. Wir als Team müssen Fehler akzeptieren, aber wir müssen aus ihnen auch lernen, damit wir wissen, wann und wo die Zeit dafür ist, Spielzüge zu machen, die gefährlicher sind als andere. Wir müssen diese Situationen wahrnehmen. Wenn wir das machen, dann wird es gut. Das müssen auch die jungen Spieler lernen.
Am vergangenen Freitag besiegte Ihre Mannschaft die Pioneers Vorarlberg mit 5:4. Daraufhin waren auf dem Instagramaccount der HC Tigers Kabinen-Szenen zu sehen, die eher an eine Meisterfeier als an ein Vorbereitungsspiel erinnerten. Wie wichtig war dieser Sieg – gerade auch für das Gefühl innerhalb der Mannschaft?
Märt Eerme: Das ist wie ein Schneeballeffekt. Wir hatten auch in den Testspielen zuvor schon gute Spielzüge, haben aber keinen Weg gefunden, diese Spiele zu gewinnen. Dieser Sieg hatte sich lange angedeutet. Das war ein großer Gegner, der in einer größeren Liga mit deutlich mehr Importspielern spielt. Auch in diesem Spiel waren sie wirklich gut. Wir mussten einiges überstehen, um diesen Sieg einzufahren. Es kamen viele Dinge in diesem Spiel zusammen, deswegen war es so wichtig für die Spieler. Es waren aber auch individuelle Aspekte, die eine Rolle gespielt haben. Viele unserer Spieler haben für die Pioneers gespielt, sind dort aufgewachsen und haben dort Wurzeln.
In acht Vorbereitungsspielen gab es allerdings sechs Niederlagen. Alle vier Testspiele gegen Oberligakonkurrenten wurden verloren. Wie bewerten Sie diese Ergebnisse mit Blick auf den Saisonstart?
Märt Eerme: Vorbereitungsspiele sind dazu da, dazuzulernen. Es geht um keine Punkte, nichts. Das ist in den Geschichtsbüchern. Alles was zählt, beginnt jetzt. Wir können daraus lernen und sehen, was wir besser machen können. Wenn wir das machen, dann haben wir unseren Job erledigt.
Müssen Sie ihre eigene Herangehensweise in der Oberliga Süd verglichen mit vergangenen Saisons in der Alps Hockey League in dieser vielleicht etwas abgezockteren Liga möglicherweise anpassen?
Märt Eerme: Unsere Herangehensweise wird sich nicht groß verändern. Wir spielen modern und schnell. Auf diese Weise können wir die Zuschauer unterhalten und unsere jungen Spieler entwickeln. Es geht darum, hart zu arbeiten und sich schnell an verschiedene Situationen anzupassen. Wir müssen aber auch wissen, was der Gegner macht. Es geht um beides, aber wir wollen die Dinge nicht anders machen, wir wollen auf dieselbe Art und Weise spielen, wie wir das zuvor gemacht haben.
Tigers-Neuzugang Morten Jürgens erzählte im Gespräch mit Logbuch Sport, dass Sie von der finnischen Eishockeyschule geprägt sind. Sie sind Este, haben an der HAAGA-HELIA University of Applied Sciences in Helsinki studiert und waren Trainer in der zweiten finnischen Liga. Was haben Sie aus Ihrer Zeit in Finnland mitgenommen, das Sie als Trainer bis heute prägt?
Märt Eerme: Natürlich gibt es da große Unterschiede, aber ja, ich habe dort gearbeitet und auch die Trainer, mit denen ich zusammengearbeitet habe, kommen größtenteils aus Finnland. Ich hatte aber auch das Glück, mit anderen Trainern zu arbeiten. Finnische Trainer sind in gewisser Weise Wegbereiter. Sie wollen die Dinge anders machen. Es geht aber mehr darum, die besten Dinge aus verschiedenen Ländern mitzunehmen und gleichzeitig trotzdem diesen Teamfokus aus Finnland zu behalten, sodass das Team als Einheit zusammenarbeitet. Jeder soll seine Rolle kennen und sich an verschiedene Spielsituationen anpassen können.
Zum Abschluss: Haben Sie ein konkretes Saisonziel für die HC Tigers – und woran würden Sie am Ende der Saison festmachen, ob die Spielzeit für Sie erfolgreich war?
Märt Eerme: Der Erfolg der individuellen Spieler geht Hand in Hand mit dem Mannschaftserfolg. Wenn die einzelnen Spieler es gut machen, dann wird das Team funktionieren. Wenn wir viele individuelle Erfolgsgeschichten schreiben, werden wir auch als Mannschaft erfolgreich sein. Ich hoffe, wir kriegen das beides kombiniert.
Das Interview führte Lukas Bergmann.
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